Larry C. Johnson
Nach einem Austausch von Raketen und Drohnen am Samstag machten die USA einen Rückzieher und verzichteten auf weitere Angriffe gegen den Iran. Berichten zufolge vermittelte Katar einen neuen Waffenstillstand. Die USA und der Iran erklärten sich daraufhin bereit, ihre gegenseitigen Angriffe einzustellen und sich am Dienstag in Doha zu technischen Gesprächen zu treffen, um ihren Streit über die Straße von Hormus beizulegen, wie Axios berichtet.
Ursprünglich sollte das Treffen zwischen den USA und dem Iran am Montag in der Schweiz stattfinden und sich auf das iranische Atomprogramm konzentrieren. Nun werden die Gespräche am Dienstag in Doha geführt. Die Position Irans ist eindeutig: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus muss gemäß den PGSA-Protokollen erfolgen. Die USA haben sich mit dem Wortlaut des MoU (Memorandum of Understanding) selbst in eine Sackgasse manövriert:
5. Mit der Unterzeichnung dieses MoU wird die Islamische Republik Iran nach besten Kräften Vorkehrungen für die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman sowie in umgekehrter Richtung treffen. Für einen Zeitraum von lediglich 60 Tagen werden hierfür keine Gebühren erhoben. Der Verkehr von Handelsschiffen wird unverzüglich aufgenommen und unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, technische und militärische Hindernisse zu beseitigen sowie Minenräumungen durch die Islamische Republik Iran durchzuführen, innerhalb von 30 Tagen vollständig eingerichtet. Die Islamische Republik Iran wird Gespräche mit dem Sultanat Oman führen, um gemeinsam mit den übrigen Anrainerstaaten des Persischen Golfs die künftige Verwaltung und die maritimen Dienstleistungen in der Straße von Hormus im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht und den souveränen Rechten der Küstenstaaten der Straße von Hormus festzulegen.
Das MoU überträgt dem Iran die alleinige Verantwortung dafür, Vorkehrungen für die „sichere Durchfahrt von Handelsschiffen“ durch die Straße von Hormus zu treffen. Hätten die USA darauf bestanden, Oman und die übrigen Golfstaaten ausdrücklich in das MoU aufzunehmen, wäre der Iran verpflichtet gewesen, sich mit ihnen abzustimmen. Doch Washington akzeptierte den iranischen Wortlaut – und Teheran wird darauf bestehen, dass es bei seinem souveränen Recht, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu regeln, keinerlei Kompromisse geben kann.
Während die Weltmärkte weiterhin auf das Öl blicken, das durch die Meerenge transportiert wird, übersehen sie die tiefgreifenden Auswirkungen des Stopps bei den Lieferungen von Helium, Schwefel und Harnstoff. Die Weltwirtschaft spürt bereits die Folgen der verringerten Versorgung mit diesen Rohstoffen, und die Welt wird einen globalen Inflationsschock erleben. Betrachten wir jeden dieser Rohstoffe einzeln.
Helium
Das strukturelle Problem
Etwa ein Drittel der weltweiten Heliumproduktion ist von der Krise betroffen – sowohl durch die Unterbrechung der LNG-Produktion in Katar als auch aufgrund der äußerst zeitkritischen Natur des Heliumtransports.
Der Mechanismus war zweigleisig. Am 2. März stoppte das staatliche Unternehmen QatarEnergy nach iranischen Drohnen- und Raketenangriffen sämtliche LNG- und damit verbundenen Produktionsprozesse in der Industriezone Ras Laffan. Am 4. März erklärte QatarEnergy für die betroffenen Verträge höhere Gewalt (Force Majeure). Der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens erklärte, die Produktion werde erst nach Ende des Konflikts wieder aufgenommen und selbst dann werde die Normalisierung der Lieferungen „Wochen bis Monate“ dauern. Iran griff Ras Laffan am 18. und 19. März erneut an.
Preisentwicklung
Der Schock traf den Markt sofort.
„Der Spotpreis für Helium ist sehr deutlich gestiegen. Ich würde sagen um 70 bis 100 Prozent innerhalb einer Woche“, erklärte Phil Kornbluth, Präsident von Kornbluth Helium Consulting und seit 30 Jahren in der Branche tätig.
Die Bank of America bezifferte den anfänglichen Preisanstieg auf 40 Prozent, während andere Schätzungen davon ausgehen, dass die Preise innerhalb von etwas mehr als einer Woche um 70 bis 100 Prozent gestiegen sind.
Hinzu kam ein weiteres physisches Problem, das andere Rohstoffe nicht kennen. Etwa ein Drittel aller kryogenen ISO-Container für flüssiges Helium war in Katar oder in dessen Umgebung gestrandet. Die Rückführung dieser Behälter nach dem Konflikt würde mindestens drei Monate dauern und damit eine Versorgungslücke verursachen, die den eigentlichen Konflikt überdauert.
Verflüssigtes Helium verdampft innerhalb von etwa 45 Tagen. Gestrandete Bestände können daher nicht einfach für eine spätere Auslieferung gelagert werden. Schiffe, die den Umweg über das Kap der Guten Hoffnung nehmen müssen, legen zusätzlich rund 3.500 Seemeilen zurück. Dadurch verlängert sich die Transitzeit um zehn bis vierzehn Tage, während derer durch Verdampfung 15 bis 20 Prozent der Ladung verloren gehen.
Bis zum 20. Juni lagen die Preise weiterhin deutlich über dem Vorkrisenniveau. Einen klaren Weg zurück gab es nicht, da die Schäden in Ras Laffan physischer und nicht lediglich logistischer Natur sind. Selbst nachdem Iran und die Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand angekündigt hatten, blieb die Straße von Hormus aufgrund sich überschneidender Blockaden weitgehend geschlossen. Selbst wenn die Produktion wieder anlaufen würde, gäbe es für katarisches Helium keinen praktikablen Seeweg zum Markt. Das strukturelle Problem besteht daher auch während der Laufzeit des MoU fort.
Angesichts der entscheidenden Bedeutung von Helium für die Herstellung von Computerchips steigen die Preise für Computer und Smartphones stark an. Apple kündigte beispielsweise kürzlich erhebliche Preiserhöhungen für das iPhone 17 Pro Max (+200 US-Dollar) sowie für das 16-Zoll-MacBook Pro (+300 US-Dollar) an.
Schwefel
Ausgangslage vor dem Krieg – der Markt war bereits angespannt
Der Schwefelpreis für Indonesien stieg von 101 US-Dollar je Tonne im Juli 2024 auf 554 US-Dollar je Tonne im Januar 2026, da die Ausweitung der Hochdruck-Säurelaugung (HPAL) die Nachfrage massiv erhöhte – ein Anstieg von 440 Prozent noch bevor der Konflikt mit dem Iran zusätzlichen Druck ausübte. Bereits vor dem 28. Februar befand sich der Markt auf einem Mehrjahreshoch.
Geografische Abhängigkeit
Schiffe, die die Straße von Hormus passieren, transportieren 24 Prozent des weltweiten Schwefels – eines Grundstoffs für Schwefelsäure, die unter anderem zur Herstellung von Nickel, Kupfer, Düngemitteln und Haushaltsreinigern benötigt wird.
Der Nahe Osten steht für rund 24 Prozent der weltweiten Schwefelproduktion und etwa 50 Prozent des weltweiten Seehandels mit Schwefel. Sämtliche diese Transporte führen durch die Straße von Hormus.
Preisentwicklung
Seit Beginn der Operation Epic Fury hat sich der Schwefelpreis nahezu verdoppelt. Die Golfstaaten stellen normalerweise 45 Prozent des weltweiten Seehandels mit Schwefel über die Straße von Hormus. Die iranische Blockade ließ die Preise um rund 30 Prozent steigen, da sie die Hälfte des globalen Angebots unterbrach und Engpässe bei der Rohstoffgewinnung verursachte. Schwefelknappheit führte bereits zu Produktionsrückgängen von 20 bis 30 Prozent bei Produzenten kritischer Mineralien.
Auch die Folgewirkungen waren gravierend. Die Weltbank stellte fest, dass sich die Schwefelpreise zwischen Januar und April 2026 verdoppelt hatten. Gleichzeitig erhöhte Chinas Entscheidung, seine Exporte einzuschränken – als Reaktion auf die eigene Versorgungsknappheit nach dem Ausfall der Importe aus dem Persischen Golf –, den Druck auf die Preise für DAP (Diammoniumphosphat). China untersagte zudem den Export von Schwefelsäure, was unter anderem die Kupferproduktion in Chile traf, das Schwefelsäure als Verbrauchsstoff importiert.
Bis zum 20. Juni lagen die Schwefelpreise trotz des MoU und einer teilweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs durch Hormus weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Krise, da QatarEnergy seine Produktion noch nicht vollständig wieder aufgenommen hatte. Im Mai 2026 blieben die Preise erhöht. Gleichzeitig wurde erwartet, dass der weltweite Düngemittelindex im Jahresverlauf aufgrund anhaltender Versorgungsrisiken und der notwendigen Umleitungen um mehr als 30 Prozent steigen würde.
Harnstoff
Ausgangslage vor dem Krieg
Vor dem Krieg lag der FOB-Preis für granulierten Harnstoff in Ägypten – einem wichtigen Referenzmarkt für Stickstoffdünger – zwischen 400 und 490 US-Dollar pro Tonne. Die Einzelhandelspreise in den USA bewegten sich bis Mitte Februar in einer ähnlichen Größenordnung.
Geografische Abhängigkeit
Der Arabische Golf bildet das Zentrum der weltweiten Düngemittelversorgung und steht für mindestens 20 Prozent aller über den Seeweg exportierten Düngemittel. Bei Harnstoff, dem weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoffdünger, ist die Abhängigkeit noch größer: 46 Prozent des Welthandels stammen aus dieser Region.
Phase 1 – Erster Schock (Ende Februar bis März)
Oxford Economics Alpine Macro erklärte, dass die Preise für Harnstoff und Ammoniak seit Beginn des Krieges um rund 50 beziehungsweise 20 Prozent gestiegen seien. Bereits am 3. März wurde ein Liefervertrag für Harnstoff aus Algerien zu einem FOB-Preis von 618 US-Dollar pro Tonne abgeschlossen – der höchste Wert seit 2022.
Phase 2 – Höhepunkt (April 2026)
Die Harnstoffpreise stiegen im April auf über 850 US-Dollar pro Tonne – ein Anstieg von 80 Prozent gegenüber Februar und zugleich der höchste Stand seit der Rohstoffkrise des Jahres 2022.
In den USA erreichte der durchschnittliche Einzelhandelspreis für Harnstoff Anfang April zeitweise 826 US-Dollar pro Tonne. Dies entsprach je nach Zeitraum einem monatlichen Anstieg von 34 bis 35 Prozent. Gleichzeitig kletterte der FOB-Preis für Harnstoff aus dem Nahen Osten aufgrund der regionalen Störungen auf rund 795 US-Dollar pro Tonne.
Phase 3 – Teilweise Entspannung (Mai bis Juni 2026)
Der Harnstoffmarkt reagierte am schnellsten auf das MoU und die teilweise Normalisierung der Lage in der Straße von Hormus. Das lag zum einen daran, dass Harnstoff leichter austauschbar ist als Helium, zum anderen daran, dass der Waffenstillstand teilweise Umleitungen über Landkorridore ermöglichte.
Die FAO prognostizierte, dass die internationalen Harnstoffpreise ab Juni sinken würden, da die Düngemittellieferungen aus dem Persischen Golf wieder anlaufen und China nach der Einführung neuer Exportquoten auf die Exportmärkte zurückkehren werde.
Nach der Entspannung der Lage und den Erklärungen zum Waffenstillstand entstand zeitweise sogar ein Überangebot, das zu einem deutlichen Preisrückgang führte.
Angesichts der Ereignisse der vergangenen drei Tage erscheinen die Erwartungen jedoch übermäßig optimistisch, dass Schiffe mit Harnstoff den Persischen Golf in größerem Umfang verlassen werden. Solange es kein eindeutiges Zeichen dafür gibt, dass Schiffe die Straße von Hormus entsprechend den PGSA-Protokollen passieren werden, dürfte der Preis erneut steigen.
