9. April 2026

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Während Bomben fallen, flüchten Staaten ins Gold – und aus dem Dollar

 

Während die Welt zusieht, wie der Waffenstillstand zerbricht, passiert im Hintergrund etwas, das die Märkte bislang nicht vollständig eingepreist haben: Zentralbanken kaufen weiter Gold – nicht trotz des Krieges, sondern gerade wegen ihm.

Der World Gold Council bestätigte in dieser Woche, dass der Februar 2026 bereits der 23. Monat in Folge mit Netto-Goldkäufen durch Zentralbanken war. Allein in diesem Monat wurden 27 Tonnen hinzugefügt. Polen erwarb 20 Tonnen und erhöhte seine Reserven auf 570 Tonnen, mit einem erklärten Ziel von 700 Tonnen. Usbekistan stockte um 8 Tonnen auf und hält nun 407 Tonnen – das entspricht 88 Prozent seiner gesamten Devisenreserven. Auch Kasachstan fügte 8 Tonnen hinzu. China erhöhte seine Bestände zum 16. Mal in Folge um eine weitere Tonne auf insgesamt 2.308 Tonnen.

Die strukturellen Käufer ließen sich vom Krieg nicht bremsen – im Gegenteil: Sie beschleunigten ihre Käufe.

Gleichzeitig sorgten Verkäufe aus Russland und der Türkei für Schlagzeilen. Russland veräußerte 6 Tonnen, die Türkei 8 Tonnen im Februar und schätzungsweise weitere 50 bis 60 Tonnen im März, um zu stabilisieren. Daraus leiteten viele Finanzmedien die These ab, die Goldkäufe der Zentralbanken würden sich verlangsamen.

Diese Interpretation greift zu kurz.

Russland und die Türkei verkaufen nicht, weil Gold an Bedeutung verloren hätte. Sie verkaufen, weil der Krieg ihre finanziellen Reserven unter Druck setzt – und Gold der einzige Vermögenswert ist, der unter Sanktionsbedingungen ausreichend liquide bleibt. Die Verkäufe sind kein Zeichen von Schwäche des Goldes, sondern ein Beleg seiner Funktion.

Ein Blick auf die Jahreszahlen bestätigt das strukturelle Bild: 2025 kauften Zentralbanken insgesamt 863 Tonnen Gold. Das sind zwar 21 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024, dennoch handelt es sich um die viertgrößte jemals gemessene Menge – und fast doppelt so viel wie der Durchschnitt von 473 Tonnen zwischen 2010 und 2021.

Auch die Erwartungen sprechen eine klare Sprache. An der WGC-Umfrage zu den Goldreserven beteiligten sich 73 Zentralbanken – so viele wie nie zuvor. 95 Prozent rechnen damit, dass die globalen Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten weiter steigen werden. 43 Prozent planen konkret, ihre Bestände auszubauen. Keine einzige Zentralbank erwartet eine Reduktion.

Parallel dazu verschieben sich die geopolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen weiter.

Im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen rund um die Straße von Hormus verlangt die iranische Revolutionsgarde Berichten zufolge Zahlungen von einem Dollar pro Barrel – jedoch nicht in US-Dollar, sondern in Yuan oder Kryptowährungen. Der Dollar wird nicht akzeptiert.

Gleichzeitig zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds, dass der Anteil des Dollars an den globalen Devisenreserven im vierten Quartal 2025 auf 56,77 Prozent gefallen ist – der niedrigste Stand seit 1994.

Die BRICS-Staaten halten inzwischen über 6.000 Tonnen Gold, was 17,4 Prozent der weltweiten Zentralbankbestände entspricht – ein deutlicher Anstieg gegenüber 11,2 Prozent im Jahr 2019. Indien hat zudem vorgeschlagen, die digitalen Zentralbankwährungen der BRICS-Staaten miteinander zu verknüpfen. China und Russland wickeln ihren bilateralen Handel im Umfang von 244 Milliarden Dollar inzwischen vollständig in Yuan und Rubel ab.

Gold steht im Zentrum dieser Entwicklungen.

Es ist der einzige Reservewert ohne Kontrahentenrisiko, ohne Sanktionsanfälligkeit, ohne Abhängigkeit vom SWIFT-System und ohne politische Bindung. Wer Dollar hält, ist potenziell US-Sanktionen ausgesetzt. Wer Yuan hält, ist geldpolitischen Eingriffen Chinas ausgesetzt. Wer Gold hält, besitzt einen Vermögenswert, der nicht eingefroren, entwertet oder politisch instrumentalisiert werden kann – solange er physisch verfügbar ist.

Der aktuelle Konflikt liefert dafür den praktischen Beweis. Die Türkei konnte Gold unter extremem Druck in Liquidität umwandeln, um ihre Währung zu stabilisieren – ohne Zustimmung aus Washington oder Peking.

Auch die Preisprognosen spiegeln diese Entwicklung wider. JPMorgan sieht Gold bis Jahresende bei 6.300 Dollar, Goldman Sachs bei 5.400 Dollar. Wells Fargo hat seine Prognose auf eine Spanne von 6.100 bis 6.300 Dollar angehoben. Am 8. April lag der Goldpreis bei 4.723 Dollar – rund neun Prozent unter den Höchstständen vom Januar.

Die strukturelle Basis bleibt jedoch intakt: eine anhaltend hohe Nachfrage der Zentralbanken von 863 Tonnen jährlich und eine geopolitische Neuordnung, in der selbst strategische Engstellen wie die Straße von Hormus zunehmend außerhalb des Dollar-Systems abgewickelt werden.

Der Krieg hat die Gold-These nicht geschwächt. Er hat sie bestätigt.

 

Während Bomben fallen, flüchten Staaten ins Gold – und aus dem Dollar