22. Juni 2026

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Schlepper-Mafia: Belgien wird zum Hotspot für illegale Kanal-Überquerungen

 

Jahrelang konzentrierte sich der Ansturm von illegalen Migranten in Richtung Großbritannien auf die nordfranzösische Küste. Doch die Schlepper-Mafia ist flexibel: Weil Frankreich seine Patrouillen verschärft hat, weichen die kriminellen Netzwerke nun auf das Nachbarland Belgien aus.

Weil die Europäische Union weiterhin nicht in der Lage (oder gar willens) ist, die Außengrenzen effektiv vor illegaler Zuwanderung zu schützen, werden auch jene Länder, die keine Grenzen zu Drittstaaten haben, von Asylforderern überrannt. Denn das Dubliner Abkommen, wonach die Asylanträge dort gestellt werden müssen, wo man EU-Boden betritt, ist ohnehin das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde. Das Ergebnis dieser verfehlten Migrationspolitik bekommen unter anderem auch Frankreich, Belgien und Großbritannien zu spüren.

Weil Frankreich damit begonnen hat, verstärkt Küstenpatrouillen zwischen Calais und Dünkirchen durchzuführen, weichen die Schlepperbanden zunehmend auf die Strände Flanderns aus. Wie aus aktuellen Regierungsdaten hervorgeht, wurden im noch jungen Jahr 2026 bereits mehr als 400 Personen beim Versuch abgefangen, von belgischen Stränden aus den Ärmelkanal zu überqueren. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 wurde dort keine einzige derartige Überfahrt registriert.

Bisher galt die belgische Küste unter Schleppern höchstens als logistischer Rückzugsraum, aber selten als Startpunkt. Die Gründe dafür sind rein geografischer und physikalischer Natur: Starke Meeresströmungen machen die belgischen Gewässer tückisch, und mit rund 100 Kilometern ist die Distanz ins britische Dover mehr als doppelt so weit wie von Calais aus (45 Kilometer). Doch den kriminellen Banden ist das Leben ihrer „Kunden“ offenbar egal. Für rund 2.000 Euro pro Kopf pferchen sie Migranten in völlig ungeeignete Gefährte. Die neue Taktik der Schlepper: Sie nutzen sogenannte „Taxi-Boote“. Diese legen zunächst leer oder spärlich besetzt an ruhigeren belgischen Stränden ab und fahren dann dicht an der Küste entlang, um immer mehr wartende Passagiere an Bord zu holen.

Für die Mitte-Rechts-Regierung unter Bart De Wever, die 2025 mit dem Versprechen einer historischen Kehrtwende hin zu einer strikten Migrationspolitik angetreten war, gerät die Situation allmählich zur Belastungsprobe. Die Angst geht um, dass sich an den flämischen Küsten bald ähnliche Zelt- und Elendsstädte bilden könnten wie die berüchtigten „Dschungel“-Camps von Nordfrankreich. „Jedes Boot, das ablegt, ist eines zu viel“, räumt auch Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt ein.

In ihrer Verzweiflung haben die belgischen Behörden begonnen, Zufahrtswege zu den Dünen mit riesigen Betonblöcken zu verbarrikadieren, um Schleppern die Anreise mit weitausladenden Schlauchboot-Anhängern zu erschweren. Zudem patrouilliert man inzwischen mit Nachtsicht- und Wärmebildkameras, unterstützt von Frontex-Aufklärungsflugzeugen. Auch die britische Regierung beteiligt sich und überwies 1,5 Millionen Euro nach Brüssel, um die Aufrüstung belgischer Strände zu finanzieren.

Dass lokale Maßnahmen allein nicht ausreichen werden, ist für viele Kommunalpolitiker offensichtlich. So fordert der Gouverneur von Westflandern, Carl Decaluwé, inzwischen deutlich härtere Kontrollen direkt an der Grenze zu Frankreich. Die Migranten würden Berichten zufolge vielfach in Bussen systematisch über die offene Grenze zu Stränden wie De Panne, Koksijde und Nieuwpoort gekarrt. Auch wenn Belgien nun zum neuen Hotspot avanciert, bleibt die Hauptroute über Frankreich das ungelöste Kernproblem. Allein in Frankreich zählte man im Jahr 2025 rund 41.500 illegale Ärmelkanal-Überquerungen.

Doch solange die Europäische Union nicht endlich damit beginnt, die Außengrenzen effektiv zu schützen und umfangreiche Remigrationsprogramme für illegale Migranten einzuführen, werden sich solche Probleme nur von einem Ort zum anderen verlagern. Denn an Nachschub neuer Zuwanderer aus Afrika und dem Nahen Osten mangelt es absolut nicht.

 

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