8. Mai 2026

ddbnews.org

produced by ae-radiostation.com

Ringen um Unabhängigkeit: Befreit sich die Provinz Alberta vom kanadischen Globalismus?

 

Im Oktober stimmt Alberta in einem Referendum über die Unabhängigkeit ab. Die Separatisten haben die notwendige Zahl an Unterschriften weit übertroffen. Allerdings sind auf dem Weg in die Freiheit etliche Hindernisse zu überwinden.

Von Eric Angerer

301.620 Bürger der im Westen Kanadas gelegenen Provinz Alberta haben für die Unabhängigkeit unterschrieben. 178.000 hätten ausgereicht.

Mitch Silvestre, Anführer der Stay-Free-Alberta-Bewegung, traf am Montag in einem Wahllokal in Edmonton, der Hauptstadt von Alberta, ein und führte einen Konvoi von sieben mit der Aufschrift „Stay Free Alberta“ versehenen Lieferwagen an. „Dieser Tag ist ein historischer Tag für Alberta“, sagte er.

Alberta hat knapp 5 Millionen Einwohner und ist fast doppelt so groß wie Deutschland. Der Großteil der Öl- und Gasförderung Kanadas findet in Alberta statt. Die Provinz ist konservativ geprägt und unterscheidet sich damit grundlegend von der woke-globalistischen Bundesregierung mit ihren Hochburgen in Toronto, Ottawa und Quebec.

Sezessionsbewegung

Die Unabhängigkeitsbewegung in Alberta existiert schon seit Jahrzehnten, gewann aber im vergangenen Jahr an Dynamik, nachdem die Liberale Partei unter Premierminister Mark Carney die kanadischen Bundeswahlen gewonnen hatte.

Das Alberta Prosperity Project, eine Organisation, die sich für die Unabhängigkeit der Provinz einsetzt, erklärte: „Indem Alberta die Kontrolle über seine eigenen Ressourcen, Gesetze und Richtlinien übernimmt, kann es einen Weg in eine Zukunft ebnen, der mit den Bestrebungen und dem Wohlergehen seiner Bevölkerung übereinstimmt und ein Vermächtnis des Wohlstands für künftige Generationen sichert.“

Viele Einwohner der Provinz lehnen die liberale Bundesregierung ab, die Kanada seit etwa einem Jahrzehnt regiert. Viele Albertaner werfen der liberalen Bundesregierung vor, Pipelineprojekte zu blockieren und Öl- und Gasprojekte zu stoppen. Die Wirtschaft der Provinz basiert größtenteils auf der Öl- und Gasförderung sowie auf dem Bergbau und Steinbrüchen.

Haltung der konservativen Provinzregierung

Danielle Smith, die konservative Premierministerin der Provinz, hatte erklärt, sie werde das Verfahren einleiten, sobald genügend Unterschriften gesammelt und verifiziert seien. Smith betonte, dass sie persönlich einen Austritt der ölreichen Provinz aus Kanada nicht befürworte.

Smith ist selbst in Konflikt mit der globalistischen Bundesregierung. Sie hatte bereits das (in Kanada besonders rigide) Corona-Regime kritisiert und beispielsweise die Gen-Injektionen in Alberta kostenpflichtig gemacht.

Sie tritt seit langem für eine stärkere Autonomie Albertas ein, aber sie scheute bislang vor einem konsequenteren Weg zurück. So sagte sie etwa: „Um es gleich vorweg klarzustellen: Unsere Regierung wird kein Referendum über die Abspaltung von Kanada initiieren. Sollte die Bürgerinitiative jedoch die erforderliche Anzahl an Unterschriften für ein Referendum zu diesem Thema sammeln, wird unsere Regierung den demokratischen Prozess respektieren und die Frage in das Provinzreferendum 2026 aufnehmen.“

Zahlreiche Hindernisse

Auch wenn die Sezessionsbewegung zu Recht feiert, ist die Unabhängigkeit keineswegs sicher. Laut Umfrage (denen man sicherlich nicht trauen muss) sind nur etwa 30 Prozent der Albertaner für die Loslösung. Allerdings sind viele unentschlossen und die Bewegung hatte zuletzt eine ziemliche Dynamik.

Und auch ein Ja bei der Abstimmung würde nicht automatisch eine Unabhängigkeit Albertas bedeuten. Gerichtsverfahren würden wohl folgen, Verhandlungen mit der Regierung in der Hauptstadt Ottawa, die kanadische Verfassung müsste geändert werden. Quebec etwa hatte zwei Mal (1980 und 1995) für die Unabhängigkeit gestimmt. Der Oberste Gerichtshof Kanadas entschied aber, dass Quebec nicht einseitig die Unabhängigkeit erklären könne.

Bezüglich Alberta wären Bundesregierung und Justiz wohl mindestens ebenso feindselig. Denn ein Verlust Albertas würde nicht nur die Verkehrswege zur Pazifik-Provinz British Columbia kappen. Kanada, neben der EU eine weitere verbliebene Hochburg des Globalismus, würde auch die Öl- und Gasreserven verlieren.

Und das Referendum könnte noch auf eine weitere Hürde stoßen, da ein Richter in Edmonton, Alberta, über eine Klage mehrerer indigener Völker aus Alberta entscheiden wird. Diese argumentieren, eine Abspaltung Albertas würde Vertragsrechte verletzen. Dass die woke Justiz die Rechte kleiner Gruppen von Indianern über die der Bürger von Alberta stellt, wäre keine Überraschung.

Perspektiven der Bewegung

Dass es tatsächlich zu einer Unabhängigkeit Albertas kommt, ist also aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Ähnliches gilt für einen möglichen Anschluss an die USA oder einen von Spaßvögeln auf X vorgeschlagenen Tausch zwischen den USA und Kanada – Alberta gegen das „kommunistisch-islamisch verseuchte Minnesota“.

Dennoch erhöhte die Sezessionsbewegung den Druck auf die globalistische Bundesregierung. Das könnte Danielle Smith ermöglichen, mehr Autonomie herauszuholen. Und wenn Ottawa ungut wird, könnte die Dynamik Richtung Lostrennung noch einmal stärker werden – und womöglich auch Smith zu einer Unterstützung bewegen.

 

Ringen um Unabhängigkeit: Befreit sich die Provinz Alberta vom kanadischen Globalismus?