Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte vor Beginn des G7-Gipfels, dass sich die Welt in einer Phase eines „rasch wandelnden Weltordnungssystems“ befinde und keine einzelne Institution oder Nation künftig die Antworten liefern könne.
„Was man in einer sich schnell verändernden Weltordnung nicht tun kann, ist, sich auf eine einzige Gruppe, eine einzige Institution oder ein einziges Land zu verlassen“, sagte Carney am 14. Juni im irischen County Mayo auf dem Weg zum G7-Gipfel.
Bereits einen Tag zuvor hatte Carney in Dublin erklärt, die „neue Weltordnung“ werde mit Europa beginnen.
„Die neue Weltordnung wird mit Europa aufgebaut werden. Kanada ist das europäischste aller nicht-europäischen Länder. Wir bauen unsere Zusammenarbeit mit Europa aus“, sagte er.
Zugleich erklärte Carney, die Zeit sei vorbei, in der die G7-Staaten die Welt dominierten: „Die G7 regieren die Welt nicht mehr – falls sie das jemals getan haben.“
Carney, der enge Verbindungen zu globalen Institutionen unterhält und von Kanadas konservativem Oppositionsführer Pierre Poilievre einst als „Goldjunge“ des World Economic Forum bezeichnet wurde, hat sich mehrfach selbst als „Globalist“ und „Elitist“ beschrieben.
Bereits vor seinem Amtsantritt äußerte er sich wiederholt positiv über eine neue internationale Ordnung. Während einer Reise nach China erklärte er Anfang des Jahres, er sei „ermutigt von der Führung“ des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Die Zusammenarbeit beider Länder könne den Weg für eine „Neue Weltordnung“ ebnen.
Beim Treffen des World Economic Forum in Davos Anfang 2026 erklärte Carney zudem, die alte, von den USA geprägte Weltordnung werde „nicht zurückkehren“.
Unter Carney setzt die liberale Regierung zahlreiche umstrittene Gesetzesvorhaben fort. Kritiker verweisen dabei insbesondere auf das Internetgesetz C-22, vor dem Technologieunternehmen wie Google und Apple gewarnt haben. Sie argumentieren, dass die vorgeschriebenen Datenspeicherungen eine weitreichende Überwachungsinfrastruktur schaffen könnten.
Zudem verabschiedete der kanadische Senat kürzlich das Gesetz C-9, das bestehende Schutzbestimmungen für religiöse Äußerungen aufhebt. Kritiker befürchten, dass dadurch bestimmte religiöse Aussagen künftig leichter strafrechtlich verfolgt werden könnten.
Berichten zufolge steht Carney außerdem in engem Austausch mit internationalen Netzwerken, zu denen Akteure mit Verbindungen zu China sowie zum World Economic Forum zählen. Während er heute vor den Risiken Chinas für Kanada warnt, hatte er bereits 2016 erklärt, die Perspektive des chinesischen Systems sei „eine seiner vielen Stärken“.
Kanadas Premier Carney: „Neue Weltordnung“ beginnt mit Europa
