31. Mai 2026

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Iran hat die USA in die Falle gelockt: Larry Johnson warnt vor Energie-, Dollar- und Wirtschaftskrise

 

In einem aktuellen Interview analysiert der ehemalige CIA-Mitarbeiter und Geheimdienstanalyst Larry Johnson die eskalierende Konfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Johnson kommt dabei zu einem bemerkenswerten Schluss: Trotz Luftangriffen, Sanktionen und militärischem Druck hätten die USA ihre strategischen Ziele bislang nicht erreicht. Stattdessen gerate Washington zunehmend in eine Lage, in der wirtschaftliche Schäden, geopolitische Isolation und der Verlust globalen Einflusses die eigentlichen Folgen der Konfrontation seien.

Angriffe auf Bandar Abbas – mehr Symbolik als Wirkung?

Ausgangspunkt der Diskussion sind die jüngsten amerikanischen Angriffe auf Ziele in Bandar Abbas.

Während das US-Zentralkommando erklärt, Raketen- und Drohnenstellungen zerstört zu haben, weist Johnson darauf hin, dass iranische Stellen lediglich von einem kleinen Einschlaggebiet ohne nennenswerte Schäden berichten.

Für ihn zeigt die Situation vor allem eines: Die Vereinigten Staaten wollen Druck ausüben, vermeiden aber gleichzeitig eine direkte Eskalation.

„Die USA stupsen Iran in die Brust, aber wenn Iran zum Gegenschlag ausholt, ziehen sie sich zurück“, beschreibt Johnson die derzeitige Lage.

Der iranische Raketenangriff auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait sei aus seiner Sicht bewusst als Warnsignal konzipiert gewesen und nicht als Versuch, amerikanische Flugzeuge oder Soldaten zu vernichten. Beide Seiten würden derzeit einen Balanceakt zwischen Krieg und Frieden vollziehen.

Die Verhandlungen stehen auf tönernen Füßen

In westlichen Medien wird immer wieder berichtet, ein neues Abkommen zwischen Washington und Teheran stehe kurz vor dem Abschluss.

Johnson sieht das deutlich skeptischer.

Er verweist darauf, dass die iranischen Forderungen seit Monaten unverändert seien:

  • Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte
  • Aufhebung der Öl-Sanktionen
  • Ende der israelischen Militäraktionen in Gaza und im Libanon
  • Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus

Keine dieser Forderungen sei bislang erfüllt worden.

Gleichzeitig verhängten die Vereinigten Staaten neue Sanktionen gegen iranische Fluggesellschaften.

Für Johnson ist das kein Zeichen von Kompromissbereitschaft, sondern das genaue Gegenteil.

Er erwartet deshalb, dass Donald Trump mögliche Verhandlungen erneut platzen lassen könnte, sobald entscheidende Zugeständnisse gefordert werden.

Die eigentliche Bombe heißt Stagflation

Der ehemalige CIA-Analyst glaubt, dass die größte Gefahr nicht auf dem Schlachtfeld liegt, sondern in der Wirtschaft.

Sollte die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus anhalten, drohe eine Mischung aus Inflation und Rezession – die klassische Stagflation.

Steigende Energiepreise würden die Produktionskosten weltweit erhöhen.

Gleichzeitig würden Unternehmen Investitionen zurückfahren und Arbeitsplätze abbauen.

Johnson warnt, dass diese Entwicklung nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern die gesamte Weltwirtschaft erfassen könnte.

„Menschen werden ihre Arbeit verlieren und gleichzeitig höhere Preise bezahlen müssen. Das ist eine tödliche Kombination.“

Halbleiterkrise als unterschätzte Gefahr

Besonders aufmerksam macht Johnson auf einen Faktor, der bisher kaum öffentliche Beachtung findet: Helium.

Nach seinen Angaben seien große Teile des weltweiten Heliumangebots durch die Krise im Persischen Golf vom Markt verschwunden.

Das habe direkte Auswirkungen auf die Chipindustrie.

Vor allem die Hersteller in Taiwan seien auf Helium angewiesen.

China verfüge dagegen weiterhin über ausreichende Mengen und habe seine Produktion sogar ausgebaut.

Die Folge:

  • steigende Preise für Halbleiter
  • höhere Kosten für Smartphones
  • teurere Computer
  • Belastungen für die gesamte Elektronikindustrie

Johnson sieht darin einen weiteren indirekten Vorteil für China.

Die angebliche Spaltung im Iran

Westliche Medien berichteten zuletzt über Spannungen zwischen der politischen Führung Irans und den Revolutionsgarden.

Johnson hält diese Darstellung für Wunschdenken.

Er verweist darauf, dass Präsident Masoud Peseschkian, Außenminister Abbas Araghtschi und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf alle enge Verbindungen zu den Revolutionsgarden besitzen und aus denselben politischen Strukturen hervorgegangen seien.

„Es gibt keine Spaltung. Diese Leute stammen alle aus demselben Umfeld.“

Die Hoffnung auf einen inneren Zerfall der iranischen Führung hält er daher für unrealistisch.

Das Uran ist nicht das eigentliche Thema

Besonders scharf kritisiert Johnson die westliche Debatte über das iranische Atomprogramm.

Die Diskussion über angereichertes Uran sei lediglich ein Nebenschauplatz.

Selbst wenn Iran sein Atomprogramm vollständig aufgeben würde, bliebe der Konflikt bestehen.

„Glaubt irgendjemand ernsthaft, die USA und Israel würden Iran dann plötzlich akzeptieren?“

Aus seiner Sicht geht es nicht um Uran.

Es gehe um die Existenz der Islamischen Republik selbst.

Seit dem Sturz des Schahs im Jahr 1979 hätten die Vereinigten Staaten versucht, Einfluss auf den Iran zurückzugewinnen und die politische Ordnung des Landes zu verändern.

Israel als treibende Kraft

Johnson vertritt die Auffassung, dass die Zerstörung der Islamischen Republik eines der zentralen strategischen Ziele Israels sei.

Er argumentiert, dass Israel Iran nicht nur als geopolitischen Gegner betrachte, sondern dessen Existenzmodell grundsätzlich ablehne.

Gleichzeitig wirft er der israelischen Führung vor, den Krieg im Libanon immer weiter auszuweiten.

Die Kämpfe gegen die Hisbollah seien längst nicht so erfolgreich, wie dies offiziell dargestellt werde.

Israel verfüge zwar weiterhin über eine überwältigende Luftüberlegenheit, stoße am Boden jedoch zunehmend an Grenzen.

Der Krieg im Libanon als entscheidender Faktor

Nach Ansicht Johnsons wird die Entwicklung im Libanon letztlich darüber entscheiden, ob sich die Spannungen zwischen Washington und Teheran beruhigen.

Iran habe wiederholt deutlich gemacht, dass ein Ende der regionalen Konflikte Voraussetzung für eine dauerhafte Lösung sei.

Solange Israel seine militärischen Operationen fortsetze, werde auch der Konflikt mit Iran weiter schwelen.

Die Grenzen amerikanischer Militärmacht

Einer der bemerkenswertesten Punkte des Interviews betrifft die militärischen Fähigkeiten der Vereinigten Staaten.

Johnson argumentiert, dass die Konflikte der vergangenen Jahre die Grenzen amerikanischer Macht sichtbar gemacht hätten.

Der hohe Verbrauch von:

  • Tomahawk-Marschflugkörpern
  • JASSM-Präzisionsraketen
  • Patriot-Abfangraketen

habe die amerikanischen Reserven erheblich reduziert.

Dadurch würden die Handlungsmöglichkeiten gegenüber Russland, China und anderen Gegnern eingeschränkt.

„Die Vorstellung unbegrenzter amerikanischer Militärmacht hat einen schweren Schlag erlitten.“

Der Dollar verliert an Bedeutung

Am Ende richtet Johnson den Blick auf die Finanzmärkte.

Er verweist darauf, dass immer mehr Staaten amerikanische Staatsanleihen verkaufen statt kaufen.

Gleichzeitig werde Öl zunehmend in chinesischen Yuan und anderen Währungen gehandelt.

Für Johnson sind dies Anzeichen eines historischen Wandels.

Die Welt entferne sich schrittweise vom Dollar-zentrierten Finanzsystem.

„Die Welt hat sich verändert – und sie wird nicht mehr zu dem zurückkehren, was sie einmal war.“

Fazit

Larry Johnson zeichnet das Bild einer geopolitischen Zeitenwende.

Während die Vereinigten Staaten versuchen, Iran unter Druck zu setzen, könnten die eigentlichen Folgen des Konflikts anderswo sichtbar werden: in steigenden Energiepreisen, wirtschaftlicher Instabilität, einer stärkeren Rolle Chinas und einem schwindenden Vertrauen in die finanzielle und militärische Dominanz Washingtons.

Für Johnson hat die Auseinandersetzung längst eine Dimension erreicht, die weit über Iran hinausgeht. Sie sei Teil eines globalen Machtkampfes, in dem sich die internationale Ordnung grundlegend verändert.

 

Iran hat die USA in die Falle gelockt: Larry Johnson warnt vor Energie-, Dollar- und Wirtschaftskrise