Prof. DDr. Haditsch erläutert, dass Hanta-Viren seit Jahrzehnten bekannt sind und meist durch Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren übertragen werden. Im aktuellen Fall gehe es um das Andes-Virus, das in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könne. Die Ansteckungsrate sei laut Studien jedoch sehr niedrig. Übertragungen erforderten engen Kontakt und erfordern akut Schwerkranke die kaum noch mobil sind. Haditsch kritisiert die öffentliche Hysterie rund um den Ausbruch und plädiert für eine sachliche Bewertung der Lage.
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. DDr. Martin Haditsch haben wir sein Aufklärungsvideo transkribiert und für verschiedene soziale Medien aufbereitet. Hier finden Sie den kompakten Vortrag (6:23 Minuten) auf YouTube – unter diesem Link eine untertitelte Fassung für Mobilgeräte auf der Plattform X.
Aus aktuellem Anlass mit diesen Hanta-Virusinfektionen auf einem Kreuzfahrt-Schiff möchte ich euch ein paar sachliche Informationen geben.
Der Name Hanta-Virus wurde im Rahmen eines Ausbruchs in Südkorea vor langer Zeit festgelegt. Wir kennen Hanta-Viren seit mehr als 50 Jahren. Es gibt unterschiedliche Typen. In Europa z.B. am häufigsten das sogenannte Puumala-Virus.
Alle Hanta-Virus-Infektionen stammen einmal großteils vom Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist auf wenige Hanta-Virusarten beschränkt und auch dann äußerst ineffektiv. Das werde ich nun anhand vorliegender Daten etwas genauer erläutern.
Die aktuelle Hysterie resultiert daraus, dass es sich in diesem speziellen Fall jetzt nachgewiesenermaßen um das Andes-Virus, also eine spezielle Hanta-Virus-Art handelt. Das wurde in einem Labor in Südafrika bei einem dort intensivmedizinisch betreuten Patienten identifiziert. Das Andes-Virus gehört nämlich zur Familie der Hanta-Viren, aber verursacht also das Hanta-Virus-kardiopulmonale Syndrom, also wo Herz und Lunge betroffen sind und das aber vor allem in Südamerika.
Der wichtige Punkt ist aber, es ist eines der wenigen, die eben auch von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Das unterscheidet eben dieses Andes-Virus von den meisten anderen Hanta-Viren, wo eben nur der Kontakt mit Ausscheidungen von Nagetieren wie z.B. Harn oder Kot als infektiös gewertet wird.
Wichtig ist einmal am Anfang diese sogenannte R0, die wir noch aus der Corona-Zeit kennen. Das ist diese Basisreproduktionszahl. Wie viele Personen werden durch eine infizierte Person durchschnittlich angesteckt, wenn man davon ausgeht, dass die gesamte Bevölkerung empfänglich ist? Beim Andes-Virus wird diese R0 in der Literatur, in der gängigen Literatur als relativ niedrig eingeschätzt. Typischerweise unter eins. So in Studien aus Chile und Argentinien, da werden Werte berichtet von 0,2 bis 0,6 für Übertragungen Mensch zu Mensch. Das bedeutet, dass eine infizierte Person im Schnitt immer weniger als eine weitere Person ansteckt. Und das ist auch einer der Gründe, warum die Ausbrüche normalerweise klein bleiben.
Nur zur Einordnung: Es gibt andere Kennzahlen, z.B. bei SARS-CoV-2 war die R0 so zwischen 2 und 5. Bei Masern ist sie zwischen 12 und 18. Schon daraus allein sieht man, wie wenig infektiös das Andes-Virus auch ist. Aber vielleicht zur Erläuterung jetzt ein bisschen eine Analyse als Begründung dafür, worauf diese niedrige Infektiosität denn beruht.
Es ist nämlich eine Kombination von biologischen und epidemiologischen Faktoren. Der erste Grund ist einmal die geringe Viruslast, vor allem also in der Anfangsphase der Erkrankung. Nicht symptomatische Patienten sind auch nicht infektiös und selbst die Infizierten sind nur über kurze Zeit hochansteckend und das ist meistens in einer Phase der Krankheit, wo schon eindeutige und auch schwere Symptome vorliegen.
Viele Infektionen sozusagen erfolgen damit, wenn überhaupt, erst in den späteren Krankheitsstadien. „Viele“ ist sowieso schon mal übertrieben, unter den seltenen, kann man sagen, die meisten. Ja, und das ist aber in einem Zeitpunkt, wo die Personen meistens bereits isoliert oder im Krankenhaus sind, damit limitiert sich sozusagen auch die Bevölkerungsgruppe, die potenziell angesteckt werden kann.
Zweiter Grund ist, dass also die Übertragung einen sehr engen persönlichen Kontakt erfordert. Das heißt, den direkten Kontakt z.B. mit Körperflüssigkeiten wie Speichel oder Blut. Schon auch deswegen bleiben die Ausbrüche üblicherweise eben entweder auf Haushaltskontakte oder auf Betreuungspersonen beschränkt.
Die bisher bemerkten und dokumentierten Ausbrüche waren sporadisch und immer klein. Das ist eben darin begründet, auch in den Situationen, die z.B. in Chile und Argentinien beobachtet werden konnten, wo es zu Mensch-zu-Mensch-Übertragung gekommen ist, dass eben diese Basisreproduktionszahl so niedrig ist, also kleiner eins, dass die Erkrankten üblicherweise isoliert werden und vor allem, dass natürlich in der hochansteckenden Phase nur begrenzte Kontakte vorliegen, allein dadurch, dass diese Leute eben begrenzt mit anderen Leuten in Kontakt kommen.
Und man muss ja sagen, biologisch ist es so, dass sich das Virus im Körper schnell vermehrt. Das heißt, die Leute haben dann oft eine schwere Krankheit. Das heißt aber auch, dass sich in der Phase der Infektiosität sich natürlich schon die Zahl der Kontaktpersonen reduziert, weil die Leute dann eben üblicherweise nicht mehr in der Öffentlichkeit unterwegs sind.
Wollen wir also alle Faktoren zusammenfassen, kann man sagen, ja, es gibt beim Andes-Virus eine Übertragung von Mensch zu Mensch, aber die Zahlen sind extrem niedrig und das ist eben bedingt durch eine kleine Reproduktionszahl, durch eine kurze und relativ späte infektiöse Phase der Erkrankung, dadurch, dass die Übertragung nur bei engem Kontakt stattfindet und üblicherweise eben die Mobilität durch die schwere Erkrankung in dieser Krankheitsphase eingeschränkt ist.
Dass jetzt natürlich im Kontext mit diesem Ausbruch sofort wieder Mitteilungen verbreitet werden, wonach mehrere Firmen bereits jahrelang anhand der Virus-Impfstoffe oder Spike-Stoffe arbeiten, das passt im Prinzip gut in das Bild dieser aktuellen Hysterie hinein.
Ich persönlich hoffe, dass ich durch die Ausführungen jetzt wieder ein bisschen zur Sachlichkeit beitragen konnte und dass vielleicht damit auch wieder etwas beruhigter die Situation bewertet werden kann. In diesem Sinn alles Liebe und Gute.
Hantavirus-Hysterie unnötig: Mikrobiologe Prof. DDr. Martin Haditsch beruhigt und erklärt
