Wie viel an Überwachung soll noch in unseren Alltag einkehren? Nicht nur staatliche Stellen nutzen KI-gestötzte Gesichtserkennungssysteme bereits an öffentlichen Orten – nun könnten auch die Smart Glasses von Meta die Dimension dieser Technologie erweitern.
Die persönliche Privatsphäre spielt in den Überlegungen der staatlichen Sicherheitsbehörden und bei Big Tech keine sonderlich große Rolle. Den Menschen verkauft man dies als entweder als „Sicherheits-Update“ bzw. als Bequemlichkeits-Feature. So auch in Sachen automatischer, KI-gestützter Gesichtserkennung. Wo solche Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und Flughäfen angeblich gesuchte Kriminelle ausfindig machen sollen, will der Tech-Gigant Meta ein solches Feature für die „Smart Glasses“ wohl als nützliches Instrument verkaufen.
Einem Bericht der Tech-Plattform „Wired“ zufolge soll ein solches System namens „NameTag“ in einem Update einer KI-App des Facebook-Mutterkonzerns entdeckt. Dieses soll demnach Teil der Ray-Ban- und Oakley-Modelle des Unternehmens werden. In diesem Bericht heißt es, die Software könne Gesichter in biometrische Signaturen umwandeln, welche dann mit den Datenbanken auf dem Smartphone des Nutzers abgeglichen werden. So könnten die „Smart Glasses“ dann beispielsweise über Kontakte informiert werden, welche sie zuvor schon durch diese Brille gesehen haben. Das Verkaufsargument dazu lautet, man könne sich so leichter an den Namen von Gesprächspartnern erinnern.
Anders ausgedrückt: Man trifft bei einem Meeting mehrere Personen, die Brille „merkt“ sich diese Kontakte und bei einem künftigen Treffen teilt sie dem Träger der Brille gleich mit, um wen es sich bei der Person handelt. Zwar werden die Daten auf der Brille (noch) nur lokal gespeichert und nicht an Meta-Server übermittelt – doch frühere Versionen der App sollen ein „Verbindungen“-Menü enthalten haben. In solch einem Fall hätte Meta unter Umständen umfangreiche biometrische Informationen nicht nur sammeln, sondern auch für eigene Zwecke verwenden können.
Das heißt, das Tech-Unternehmen hätte so nicht nur über Kontakte via Facebook oder WhatsApp Verbindungen zwischen bestimmten Personen erkannt, sondern ebenso über die Speicherung von Kontakten über solche „Smart Watches“. Angesichts dessen, dass die US-Geheimdienste ihre Hintertüren zu den Social-Media-Plattformen besitzen, würden sich so ungeahnte Möglichkeiten für sie ergeben. Je mehr Daten über einzelne Personen bekannt sind, inklusive ihrer persönlichen Verbindungen und Beziehungen, desto umfangreicher wird das Gesamtbild.
Weshalb die Einführung dieses „Features“ bislang noch hinausgeschoben wird, verdeutlicht ein Bericht der New York Times vom Februar. Demnach warte man bei Meta auf ein „dynamisches politisches Umfeld“ in den Vereinigten Staaten, weil man derzeit auf Widerstände in der Bevölkerung stoßen würde. Stattdessen wolle man diesen Schritt auf einen Zeitpunkt hinauszögern, in dem potentielle Kritiker solcher Technologien von politischen Ereignissen oder Unruhen abgelenkt seien. Eine klassische Vorgehensweise, die auch von der Politik gerne genutzt wird, um bei der Bevölkerung auf Ablehnung stoßende Gesetze durchzudrücken.
Wenn Meta diese Funktion einführt, dürfte dies jedoch wohl auch dazu führen, dass solche „Smart Glasses“ (sowie auch „Smart Watches) an vielen Orten (z.B. Geschäftsmeetings, Militärbesprechungen, politische Verhandlungen usw.) verboten werden – so wie längst schon Smartphones oftmals draußen bleiben müssen. Doch für die Menschen draußen auf den Straßen, gibt es kein Entrinnen – sie werden dann permanent von solchen KI-Überwachungssystemen gescannt und analysiert. Ob sie es wollen oder nicht.
Das Ende der Anonymität: Meta baut Gesichtserkennung in die Smart Watches ein
