Was vor wenigen Jahren noch als dystopische Zukunftsvision galt, wird auf der Krim zur Realität: Wer tanken will, braucht künftig einen persönlichen QR-Code. Benzin gibt es nicht mehr frei an der Zapfsäule, sondern nur noch mit staatlicher Genehmigung – und nur in begrenzter Menge.
Die Behörden in Sewastopol haben ein System eingeführt, bei dem jedem Fahrzeug ein individueller QR-Code zugewiesen wird. Dieser berechtigt zum Kauf von lediglich 20 Litern Treibstoff pro Woche. Gleichzeitig werden Kennzeichen erfasst und die Tankvorgänge zentral überwacht.
Offiziell soll die Maßnahme die Folgen der massiven Treibstoffknappheit abfedern. Ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien, Tanklager und Nachschubrouten haben die Versorgung der Halbinsel schwer getroffen. Tankstellen sind leer, Autofahrer stehen stundenlang an, manche tragen sich inzwischen auf Wartelisten ein, um überhaupt eine Chance auf Treibstoff zu erhalten. (Reuters)
Doch der eigentliche Skandal liegt tiefer.
Mit dem QR-Code wird aus einer wirtschaftlichen Krise ein digitales Kontrollsystem. Der Staat entscheidet nicht mehr nur über den Preis des Treibstoffs, sondern darüber, wer tanken darf, wann getankt werden darf und wie viel Benzin jeder Bürger erhalten soll. Die Tankstelle wird damit faktisch zu einer staatlich überwachten Ausgabestelle.
Besonders bemerkenswert: Während gewöhnliche Bürger mit 20 Litern abgespeist werden, versichern die Behörden, dass staatliche Stellen, Sicherheitskräfte und öffentliche Dienste ausreichend versorgt seien. Für die Bevölkerung gelten Einschränkungen, für den Staatsapparat nicht. (pravda.com.ua)
Der Fall Sewastopol zeigt, wie schnell sich digitale Identifikationssysteme von einem Komfortinstrument zu einem Instrument der Zuteilung entwickeln können. Heute betrifft es Benzin. Morgen könnten es Strom, Lebensmittel oder andere knappe Ressourcen sein.
Die Krim liefert damit einen seltenen Einblick in eine Zukunft, in der nicht mehr Bargeld oder Angebot und Nachfrage über den Zugang zu lebenswichtigen Gütern entscheiden – sondern ein QR-Code auf dem Smartphone.
Benzin nur noch per QR-Code: Die digitale Rationierung erreicht die Krim
