Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien sorgt die katastrophale Netto-Null-Politik für eine Deindustrialisierung. Die Produktionskosten explodieren und immer mehr Unternehmen suchen ihr Heil im Ausland. Die Energiewende treibt die Wirtschaft in den Ruin.
Laut einer aktuellen Umfrage (Juni 2026) des Industrieverbandes Make UK und des Gewerkschaftsbundes TUC befinden sich die rund 130.000 britischen Fertigungsbetriebe im absoluten Krisenmodus. Der Grund dafür sind Strom- und Gaspreise, die durch staatliche Eingriffe und CO2-Zwangsabgaben geradezu explodierten. Die britischen Industriestrompreise liegen unfassbare 90 Prozent über dem Median der IEA-Mitgliedsstaaten. Während Unternehmen in anderen Industrienationen durchschnittlich 16 Pence (0,19 Euro) pro Kilowattstunde zahlen, müssen britische Betriebe satte 27 Pence (0,32 Euro) berappen. Eine solch extreme Wettbewerbsverzerrung hält keine Wirtschaft der Welt auf Dauer aus.
Die finanzielle Notlage im Sektor ist dramatisch. Etwa 25 Prozent der befragten Unternehmen haben finanzielle Reserven für weniger als zwölf Monate, und jedes zehnte Unternehmen blickt noch in diesem Jahr der Insolvenz entgegen. Um überhaupt überleben zu können, haben 38 Prozent der Betriebe Investitionen bereits eingefroren oder komplett auf Eis gelegt, während 21 Prozent schon gezwungen waren, massiv Personal abzubauen.
Die Konsequenz aus diesem wirtschaftlichen Fiasko ist, dass die Unternehmen mit den Füßen abstimmen. Ein Viertel der britischen Hersteller hat bereits Teile der Produktion ins Ausland verlagert oder plant aktiv die Abwanderung in jene Länder, in denen die Energie noch unideologisch und bezahlbar ist. Besonders betroffen sind die energieintensiven Säulen der Wirtschaft wie die Chemie-, Stahl-, Glas-, Zement- und Papierindustrie sowie Öl- und Gasraffinerien.
Man muss die Dinge beim Namen nennen: Der Haupttreiber dieser Vernichtung der industriellen Basis des Vereinigten Königreichs ist die Netto-Null-Agenda. Das britische Stromnetz muss derzeit unter gigantischem finanziellen Aufwand für die volatilen erneuerbaren Energien umgebaut werden. Allein National Grid plant einen Ausbau des Übertragungsnetzes für irrwitzige 29 Milliarden Pfund. Die Industrie muss diese Zeche bezahlen. Rund 50 Prozent der Energierechnung eines Industriebetriebs bestehen inzwischen aus fünf verschiedenen staatlichen CO2-Steuern und Abgaben zur Finanzierung von Netz-Upgrades. Politisch verordnete Kosten wie die „Renewables Obligation“ (RO) oder CO2-Differenzverträge (CfD) machen die Produktion unbezahlbar.
Erschwerend kommt das totale gaspolitische Versagen hinzu. Die Abhängigkeit von teurem Flüssiggas (LNG) aus dem Ausland ist extrem gestiegen, weil man die heimische Förderung in der Nordsee politisch ausbluten ließ und kaum mehr eigene Speicherkapazitäten besitzt. Großbritannien hat nur noch Gasreserven für einen Zeitraum von 2 bis 10 Tagen. Bei Versorgungsengpässen müssen irrsinnige Spotmarktpreise bezahlt werden, die durch das dysfunktionale Preisbildungsmodell systematisch die Strompreise für alle in die Höhe treiben.

Die sozialistische Regierung Großbritanniens versucht nun angesichts der Kapitalflucht panisch, Pflasterchen auf offene Brüche zu kleben. Programme wie das für 2027 geplante British Industrial Competitiveness Scheme (BICS) sollen 10.000 Betriebe von bestimmten Erneuerbaren-Umlagen befreien und Rabatte auf Netzentgelte gewähren. Dies soll die Stromrechnungen für berechtigte Unternehmen um bis zu 25 Prozent oder bis zu 40 Pfund pro Megawattstunde senken. Doch diese bürokratischen Rabatt-Systeme ändern nichts an dem grundlegenden Fehler im System, denn sie lindern die Schmerzen lediglich auf Kosten der Steuerzahler, beseitigen aber keineswegs die strukturellen Probleme. Die britischen Hersteller konkurrieren nämlich weiterhin mit internationalen Mitbewerbern, die Zugang zu verlässlicher und dramatisch günstigerer Energie haben.
Investitionen fließen schlussendlich dorthin, wo Energie bezahlbar und verlässlich ist. Solange an dem zerstörerischen Utopia der Netto-Null-Politik festgehalten wird, wird weitere industrielle Kapazität an ausländische Märkte verloren gehen. Die Folge sind Deindustrialisierung, Massenarbeitslosigkeit und die Verarmung der breiten Massen. Doch solange die Bürger weiterhin brav die Klimawahn-Parteien wählen, wird sich diese Abwärtsspirale weiterdrehen.
Großbritannien: Die Kosten der Netto-Null-Politik treiben die Industrie in die Flucht
