20. Juni 2026

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Totgesagte leben länger: Die NED rekrutiert weiter – mitten im Machtkampf mit China

 

Als Donald Trump und Elon Musk die National Endowment for Democracy (NED) öffentlich attackierten, schien die Botschaft eindeutig: Die umstrittene, vom US-Kongress finanzierte Organisation sollte entmachtet oder sogar abgewickelt werden. Viele Kommentatoren verkündeten bereits das Ende jener Institution, die Kritiker seit Jahrzehnten als ziviles Instrument amerikanischer Einflussnahme im Ausland bezeichnen.

Doch ein Blick auf eine aktuelle Stellenanzeige zeichnet ein anderes Bild.

Die NED sucht derzeit einen „Senior Manager, East Asia/Multiregional Grants“ – eine Führungskraft, die ein Förderportfolio von 18 Millionen US-Dollar verwalten soll. Die Aufgabe: die Betreuung von Programmen in Ostasien und überregionale Projekte zur Unterstützung von Aktivisten und Organisationen in Bereichen wie Medien, Menschenrechte, politische Bildung und Rechtsstaatlichkeit.

Noch bemerkenswerter ist die Selbstdarstellung der Organisation. In der Ausschreibung heißt es:

„Im Jahr 2025 vergab die NED 1.552 Fördermittel im Gesamtwert von 271 Millionen US-Dollar, um die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen zu unterstützen, die demokratische Ziele in mehr als 90 Ländern fördern.“

Mit anderen Worten: Während viele glaubten, die Trump-Regierung habe die NED bereits geschlossen, spricht die Organisation selbst von hunderten Millionen Dollar an Fördergeldern und tausenden Projekten weltweit.

Besonders aufschlussreich wird es unter dem Punkt „Qualifikationen“. Dort heißt es nüchtern:

„Chinesisch- oder Koreanischkenntnisse sind erwünscht.“

Ein Zufall? Wohl kaum.

Ausgerechnet in einer Zeit, in der Washington China zunehmend als strategischen Hauptgegner betrachtet und Nordkorea weiterhin zu den erklärten Feindstaaten zählt, baut die NED ihre Programme in Ostasien offenbar weiter aus. Die Organisation rekrutiert Personal mit regionalen Sprachkenntnissen, um Projekte in einer der geopolitisch sensibelsten Regionen der Welt zu betreuen.

Befürworter sehen darin nichts anderes als die Unterstützung von Demokratiebewegungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren gegen autoritäre Regime. Kritiker hingegen argumentieren seit Jahren, die NED sei die modernisierte Form dessen, was früher verdeckt über Geheimdienste abgewickelt wurde: die Förderung politischer Netzwerke im Sinne amerikanischer Interessen – nur heute unter dem Banner von Demokratie, Menschenrechten und NGOs.

Die eigentliche Überraschung ist daher nicht, dass die NED in Ostasien aktiv ist. Überraschend ist vielmehr, wie hartnäckig sich die Behauptung hielt, sie sei bereits Geschichte.

Die Realität sieht offenbar anders aus: Die NED lebt – und stellt weiter ein. Ausgerechnet dort, wo sich die geopolitischen Fronten zwischen den USA, China und Nordkorea weiter verhärten. Für eine Organisation, die angeblich bereits beerdigt wurde, wirkt sie bemerkenswert lebendig.