Von Steve Watson
Start-up belebt Gehirne von Verstorbenen wieder, um Therapien für Alzheimer und Parkinson zu testen
In einer Entwicklung, die direkt aus der Science-Fiction zu stammen scheint, nutzt ein Start-up namens Bexorg mit Sitz in Connecticut Technologien, um funktionierende menschliche Gehirne über längere Zeiträume außerhalb des Körpers am Leben zu erhalten.
Diese körperlosen Organe, die von kürzlich verstorbenen Spendern stammen, werden eingesetzt, um experimentelle Medikamente gegen neurodegenerative Erkrankungen zu testen.
Diese Arbeit hat eine neue Debatte ausgelöst: Könnten diese Gehirne eine Form von Bewusstsein besitzen?
Übersetzung von „X“: Nicht lebendig, aber nicht tot: körperlose menschliche Gehirne für Arzneimitteltests. Indem es einige Funktionen intakten Gehirnen verstorbener Spender wiederherstellt, hofft das Startup Bexorg, ein besseres Testfeld für die Entwicklung von Medikamenten gegen neurodegenerative Erkrankungen zu schaffen. Science
Das „BrainEx“-System des Unternehmens pumpt synthetisches Blut durch das Gefäßnetzwerk des Gehirns, versorgt es mit Sauerstoff und Nährstoffen und hält dabei die richtige Temperatur und die optimalen Bedingungen aufrecht.
Dadurch bleiben die Gehirne bis zu 24 Stunden oder länger metabolisch aktiv, was eine realistische Plattform bietet, um zu beobachten, wie Medikamente auf zellulärer und molekularer Ebene mit menschlichem Nervengewebe interagieren.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Tierversuchen oder im Labor gezüchteten Organoiden verfügen diese intakten menschlichen Gehirne über jahrzehntelange reale Erfahrungen mit Medikamenten, Umweltfaktoren und Alterungsprozessen.
Bexorg-Gründer Zvonimir Vrselja hat den Vorteil hervorgehoben: Zellen, die seit 60 bis 80 Jahren existieren, bieten Erkenntnisse, die weit über vereinfachte Modelle hinausgehen.
Der Bericht in „Science“ stellt fest, dass dieser Ansatz bereits praktische Ergebnisse erbracht hat. Das Pharmaunternehmen Biohaven nutzte Daten aus den Gehirnen von Bexorg, um ein Medikament voranzutreiben, das auf Energiedefizite in erkrankten Gehirnen abzielt. In einem Fall zeigte sich eine Parkinson-Behandlung, die bei Mäusen versagt hatte, bei viel geringeren Dosen in den menschlichen Gehirnen vielversprechend.
Die zentrale ethische Spannung dreht sich um das Bewusstsein. Bexorg behauptet, dass den Gehirnen die koordinierte neuronale Aktivität fehlt, die selbst für ein minimales Bewusstsein notwendig ist. Um dies sicherzustellen, verabreichen sie das Anästhetikum Propofol, das die elektrischen Signale unterdrückt. Doch gerade der Vorgang der Wiederherstellung zellulärer Funktionen in einem intakten menschlichen Gehirn zwingt zu einer Auseinandersetzung mit der Frage, was Bewusstsein wirklich ist.
Diese Entwicklung erfolgt vor dem Hintergrund eines wachsenden wissenschaftlichen Interesses an der Natur des Geistes. Forscher haben die Theorie aufgestellt, dass unser Gehirn das von uns wahrgenommene Universum aktiv konstruieren könnte, was darauf hindeutet, dass das Bewusstsein eine grundlegende Rolle in der Realität selbst spielt.
Andere Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass bewussten Prozessen möglicherweise ein Quantenherzschlag zugrunde liegt, was auf Mechanismen hindeutet, die über die klassische Biologie hinausgehen.
Das Bild wird noch komplizierter durch neue Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass das Bewusstsein über den klinischen Tod hinaus bestehen bleiben könnte.
Dies ist nicht der einzige aktuelle Fortschritt, der die Grenzen zwischen biologischer Datenverarbeitung und Bewusstsein verwischt. Im März trainierten australische Forscher von Cortical Labs im Labor gezüchtete Cluster menschlicher Gehirnzellen darauf, das klassische Videospiel „Doom“ zu spielen, und knüpften damit an frühere Arbeiten an, bei denen ähnliche „Mini-Gehirne“ das Spiel „Pong“ gemeistert hatten.
Mithilfe von rund 800.000 lebenden Neuronen in einer Petrischale, die mit Siliziumchips verbunden waren, lernten die Zellen durch elektrisches Feedback, sich zu orientieren, zu schießen und auf die 3D-Umgebung des Spiels zu reagieren.
Das System demonstriert zielgerichtetes Lernen und Echtzeitanpassung und wirft damit ähnliche Fragen über das Potenzial für rudimentäres Bewusstsein in isoliertem Nervengewebe auf.
Zusammen mit Bexorgs Plattform für körperloses Gehirn unterstreichen diese Projekte eine rasante Beschleunigung bei Technologien, die menschliches Nervengewebe außerhalb des Körpers aktiv und reaktionsfähig halten.
Obwohl sie auf medizinische Durchbrüche und effizientes Rechnen abzielen, verschieben sie gemeinsam die Grenzen dessen, was bewusste Verarbeitung ausmacht.
Wenn das Bewusstsein quantenmechanische oder nicht-lokale Aspekte hat oder wenn es die Trennung vom Körper überstehen kann, werden die Implikationen für diese wiederbelebten Gehirne und Mini-Gehirne zutiefst beunruhigend.
Könnte es auch ohne vollständige subjektive Erfahrung Anflüsse von Bewusstsein oder Leiden geben? Bioethiker haben Alarm geschlagen und auf das Fehlen etablierter Kontrollrahmen für solche Forschungen hingewiesen.
Bexorg hat Ethiker konsultiert und betont, dass Sicherheitsvorkehrungen jede Möglichkeit von Bewusstsein verhindern. Die Gehirne sind weder im ganzheitlichen Sinne „lebendig“ noch vollständig tot, sondern befinden sich in einem Limbalzustand. Dennoch belebt die Technologie Zellfunktionen, Proteinsynthese und Stoffwechselaktivität wieder – genau die Substrate, die mit dem Geist assoziiert werden.
Die traditionelle Arzneimittelentwicklung stützt sich stark auf Tiermodelle, die sich oft nicht auf den Menschen übertragen lassen. Aus Stammzellen gezüchtete Hirnorganoide bieten eine Alternative, verfügen jedoch nicht über die Komplexität eines voll entwickelten menschlichen Gehirns.
Die Plattform von Bexorg zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen, wodurch Behandlungen für Alzheimer, Parkinson und andere Erkrankungen potenziell beschleunigt und gleichzeitig die Abhängigkeit von Tierversuchen verringert werden könnten.
Das Unternehmen hat in fünf Jahren über 700 Gehirne verarbeitet und baut seine Kapazitäten durch Automatisierung aus, einschließlich Robotersystemen für die Analyse.
Befürworter sehen darin einen pragmatischen Fortschritt in der biomedizinischen Forschung. Kritiker befürchten, dass dadurch die Grenzen zwischen Leben und Tod verwischt werden und möglicherweise Türen für weitere Experimente an menschlichem Nervengewebe geöffnet werden.
Diese Arbeit steht im Zusammenhang mit aktuellen Debatten in den Neurowissenschaften. Wenn Gehirne unser wahrgenommenes Universum erschaffen oder wenn Bewusstsein durch Quantenprozesse funktioniert, dann erfordert selbst eine teilweise Wiederherstellung der Gehirnfunktion eine sorgfältige Prüfung.
Die Möglichkeit, dass das Bewusstsein den Tod überleben könnte, fügt eine weitere Ebene hinzu: Was genau erhalten wir in diesen Behältern am Leben?
Wissenschaftler betonen, dass aktuelle Protokolle, einschließlich Anästhetika und Überwachung, Bewusstsein ausschließen. Mit fortschreitender Technik werden Fragen der Erkennung jedoch von entscheidender Bedeutung. Wie könnten wir wissen, ob ein körperloses Gehirn etwas erlebt, das Gedanken oder Empfindungen ähnelt?
Diese Experimente zwingen die Gesellschaft dazu, Definitionen von Personsein, Tod und moralischem Status zu überdenken. Sie erinnern an historische wissenschaftliche Durchbrüche, die eine ethische Weiterentwicklung erzwangen, von der Organtransplantation bis zur In-vitro-Fertilisation. Das Versprechen schnellerer Heilungen für schwächende Krankheiten ist verlockend, geht jedoch mit tiefgreifenden Unsicherheiten über den Geist einher.
Mit dem Fortschreiten der Forschung werden transparente Aufsicht und öffentlicher Diskurs unerlässlich sein. Die Technologie treibt nicht nur die Medizin voran, sondern erforscht auch die tiefsten Rätsel der Existenz: Was macht uns zu bewussten Wesen, und wo befindet sich dieses Bewusstsein?
Die Entwicklungen bei Bexorg stellen einen bedeutenden Meilenstein in der translationalen Neurowissenschaft dar. Ob sie letztendlich menschliches Leid lindern oder ungelöste ethische Dilemmata aufwerfen, bleibt abzuwarten. Eines ist klar: Die Grenze zwischen Gehirn und Geist ist mysteriöser denn je.
