Steve Watson
In einer Entwicklung, die wie ein Drehbuch aus der Serie Black Mirror klingt, hat das australische Biotech-Unternehmen Cortical Labs Cluster menschlicher Gehirnzellen – im Labor gezüchtet – dazu gebracht, mit dem ikonischen Videospiel Doom zu interagieren.
Aufbauend auf früheren Experimenten, bei denen diese „Mini-Gehirne“ bereits das Spiel Pong gemeistert hatten, markiert der Schritt zu Doom einen raschen Fortschritt im Bereich des biologischen Rechnens. Kritiker befürchten, dass diese Technologie, unterstützt von Agenden, die Effizienz über Ethik stellen, den Weg für dystopische Szenarien ebnen könnte, in denen Werte wie Selbstbestimmung und menschliche Würde zunehmend in den Hintergrund treten.
Der Durchbruch basiert auf etwa 800.000 bis eine Million lebenden menschlichen Neuronen, die in einer Petrischale zu sogenannten „Mini-Gehirnen“ zusammengefasst sind. Diese Zellen werden durch elektrische Signale eines Computers stimuliert und lernen, auf eine Weise zu reagieren, die Aktionen im Spiel steuert.
Ingenieure von Cortical Labs übersetzten die digitale Umgebung von Doom in Muster, die die Neuronen verarbeiten können. Die Aktivitätsmuster der Zellen bestimmen anschließend Bewegungen wie Schießen oder Navigieren.
„Wir haben gezeigt, dass biologische Neuronen das Spiel Pong spielen können“, erklärte Brett Kagan, wissenschaftlicher Leiter von Cortical Labs, in einer Videoankündigung. „Das war ein gewaltiger Meilenstein, weil es adaptives, zielgerichtetes Lernen in Echtzeit demonstrierte.“
Aufbauend auf diesem Erfolg aus dem Jahr 2022 stellte sich das Team einer deutlich schwierigeren Herausforderung.
Niemand will das hören, aber es muss gesagt werden. Wissenschaftler haben menschliche Gehirnzellen in eine Petrischale gegeben. Ohne Körper. Nur Neuronen auf einem Chip. Es lernte in weniger als einer Woche, DOOM zu spielen. Mehr als 800.000 Neuronen haben herausgefunden, wie man in einem Videospiel navigiert, schießt und überlebt, ohne jemals lebendig gewesen zu sein. Dein Gehirn hat 86 Milliarden Neuronen und du schaffst es nicht einmal, ein Nebenprojekt zu beenden. Wir werden von Laborgeräten übertroffen.
„Doom war wesentlich komplexer“, fügte Kagan hinzu. „Es ist dreidimensional. Es gibt Gegner. Es erfordert Erkundung, es ist eine ganze Umgebung – und das macht es schwierig.“
Das System, das als CL1 biologischer Computer bezeichnet wird, ermöglicht über eine Online-Plattform die Ferninteraktion mit diesen lebenden Neuronen. Im Moment verhalten sich die Zellen noch wie Anfänger, doch die Lernkurve ist deutlich erkennbar.
„Wenn die Neuronen in einem bestimmten Muster feuern, schießt die Doom-Figur“, erklärte David Hogan, Chief Technology Officer von Cortical Labs. „Wenn sie in einem anderen Muster feuern, bewegt er sich nach rechts.“
Bereits 2022 sorgte Cortical Labs mit ihren Pong spielenden Neuronen für Schlagzeilen und zeigte, dass biologische Systeme sich in Echtzeit anpassen können. Vier Jahre später hat sich dieselbe Technologie weiterentwickelt, um die Anforderungen von Doom zu bewältigen. Berichten zufolge ermöglichen etwa 200.000 Neuronen, die mit Siliziumchips verbunden sind, das Spielen.
Andere Berichte beschreiben den CL1 als einen „biologischen Computer, auf den Code aufgespielt werden kann“. Das System wird seit dem vergangenen Jahr ausgeliefert und kombiniert menschliche Zellen mit klassischer Computertechnologie. Entwickler können aus der Ferne darauf zugreifen, was auf skalierbare Anwendungen hindeutet.
Doch mit der Weiterentwicklung dieser Technologie entstehen auch neue Fragen. Befürworter verweisen auf mögliche Anwendungen in künstlicher Intelligenz oder Robotik. Skeptiker hingegen sehen darin Anklänge an transhumanistische Visionen, wie sie von globalen Eliten auf Foren wie Davos propagiert werden.
Man stelle sich neuronale Netzwerke vor, die Drohnen oder Überwachungssysteme steuern – ein Traum für Akteure des Sicherheitsapparats, ein Albtraum für Verteidiger der Privatsphäre.
Cortical Labs betont, dass die Neuronen derzeit nur grundlegende Fähigkeiten lernen und weit vom Expertenniveau entfernt sind. Doch die Entwicklungslinie ist klar: von Spielen in der Petrischale hin zu realen Steuerungssystemen.
Während biologisches Rechnen an Bedeutung gewinnt, wird Transparenz immer wichtiger. Wer finanziert diese Labore? Und welche Schutzmechanismen verhindern einen Missbrauch – etwa im Bereich militärischer KI oder bei Technologien zur Kontrolle von Bevölkerungen?
Wissenschaftler trainieren im Labor gezüchtete menschliche Gehirnzellen, um Doom zu spielen
