Golf-Milliardär greift Washington frontal an: „Wer hat Ihnen das Recht gegeben, unsere Region in einen Krieg zu ziehen?“
Die Kritik kommt nicht von Aktivisten oder oppositionellen Stimmen – sondern aus dem Herzen des Establishments der Golfstaaten. Der einflussreiche VAE-Milliardär und Unternehmer Khalaf Ahmad Al Habtoor hat einen offenen Brief an den US-Präsidenten Donald Trump veröffentlicht, der in ungewöhnlich scharfen Worten die amerikanische Militärpolitik im Nahen Osten verurteilt.
Schon die ersten Zeilen lassen keinen Zweifel daran, wie tief der Unmut in Teilen der Golfelite inzwischen sitzt:
„Wer hat Ihnen die Autorität gegeben, unsere Region in einen Krieg mit dem Iran zu ziehen? Wer hat Ihnen die Erlaubnis gegeben, unsere Region in ein Schlachtfeld zu verwandeln?“
Al Habtoor ist kein Außenseiter. Der Unternehmer gehört zu den prominentesten Geschäftsleuten der Vereinigten Arabischen Emirate, ist politisch gut vernetzt und gilt als einflussreiche Stimme im Golf. Dass ausgerechnet er Washington öffentlich zur Rede stellt, zeigt, wie stark die Spannungen zwischen den regionalen Verbündeten der USA und der amerikanischen Kriegsstrategie inzwischen geworden sind.
Offene Fragen an Washington
In seinem Brief stellt Al Habtoor eine Reihe von Fragen, die direkt auf die Legitimität der US-Militäroperationen zielen. Er fragt, ob die Eskalation gegen den Iran tatsächlich eine souveräne Entscheidung der USA gewesen sei – oder ob sie unter dem Druck des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu zustande kam.
„War das Ihre Entscheidung – oder der Druck von Netanjahu?“
Ebenso stellt er die Frage nach den Konsequenzen für die Staaten des Golfkooperationsrates:
„Sie haben die GCC-Länder in das Herz einer Gefahr gestellt, die sie nicht gewählt haben.“
Damit spielt Al Habtoor auf die zunehmenden iranischen Gegenangriffe gegen militärische Einrichtungen und Infrastruktur im Golf an – eine direkte Folge der militärischen Eskalation, in die die Region nun hineingezogen wurde.
Milliarden für Krieg – während Frieden versprochen wurde
Besonders scharf kritisiert der Unternehmer die Diskrepanz zwischen den politischen Versprechen aus Washington und der Realität militärischer Operationen.
Trump habe im Wahlkampf wiederholt versprochen, keine neuen Kriege zu beginnen. Doch laut Al Habtoor sei genau das Gegenteil eingetreten.
„Sie haben versprochen, keine Kriege zu führen. Doch Sie haben Operationen in sieben Ländern durchgeführt – Somalia, Irak, Jemen, Nigeria, Syrien, Iran und Venezuela.“
Der Milliardär verweist zudem auf das Ausmaß der militärischen Aktivitäten: hunderte Luftangriffe sowie gewaltige Kosten, die letztlich von den amerikanischen Steuerzahlern getragen würden.
„Den Amerikanern wurde Frieden versprochen. Stattdessen bekommen sie Krieg – finanziert aus ihren eigenen Steuern.“
Angriff auf die Glaubwürdigkeit Washingtons
Eine der schärfsten Passagen des Briefes richtet sich gegen die sogenannten Friedensinitiativen, die zuvor gemeinsam mit Golfstaaten angekündigt worden waren.
„Bevor die Tinte auf Ihrer Initiative des Friedensrates getrocknet ist, befinden wir uns bereits in einer militärischen Eskalation, die die gesamte Region gefährdet. Also wo sind diese Initiativen geblieben?“
Mit dieser Frage stellt Al Habtoor indirekt die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Außenpolitik infrage. Für viele Beobachter ist genau das der brisanteste Punkt des Schreibens: Nicht nur Gegner der USA äußern Kritik – sondern zunehmend auch Verbündete.
Ein Warnsignal aus den eigenen Reihen
Der offene Brief endet mit einer Botschaft, die zugleich Mahnung und Vorwurf ist:
„Wahre Führung wird nicht an Kriegsentscheidungen gemessen, sondern an Weisheit, Respekt für andere und dem Streben nach Frieden.“
Dass diese Worte ausgerechnet aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen – einem der engsten Partner Washingtons im Nahen Osten – dürfte in politischen Kreisen aufmerksam registriert werden.
Denn wenn selbst Vertreter der Golfelite beginnen, öffentlich die strategischen Entscheidungen der USA infrage zu stellen, deutet das auf eine tiefere Verschiebung im Machtgefüge der Region hin.
Die Botschaft aus dem Golf ist klar: Viele der engsten Verbündeten Amerikas fühlen sich zunehmend in Konflikte hineingezogen, die sie selbst nicht gewählt haben.
