Epstein, Berlin und 900 Millionen Euro
Neue aufgetauchte E-Mails aus dem Jahr 2009 werfen eine bemerkenswerte Frage auf: Welche Rolle spielte Jeffrey Epstein während der europäischen Finanzkrise – und warum taucht sein Name im Zusammenhang mit Gesprächen über die angeschlagene deutsche Privatbank Sal. Oppenheim auf?
Die Dokumente datieren vom 28. August 2009. In einer der Mails heißt es:
„Spoke to German ministry of finance – view is that Oppenheim management caused the mess (probably +900m EUR required).
Would our solution involve management changes? Or would we work with existing management to save them + independence and have a structure that makes it secure for us despite weak management?“
Übersetzt:
Es wurde mit dem deutschen Finanzministerium gesprochen; dort sei die Ansicht, dass das Oppenheim-Management das Problem verursacht habe – vermutlich seien über 900 Millionen Euro erforderlich. Diskutiert wird, ob eine Lösung Managementwechsel beinhalten sollte oder ob man mit dem bestehenden Management eine Struktur schaffen könne, die trotz „schwacher Führung“ Sicherheit biete.
Die Antwort, die unter dem Namen Jeffrey Epstein verschickt wurde, lautet knapp:
„we would do what is right. no more no less“ („Wir würden das Richtige tun. Nicht mehr und nicht weniger.“)
Der Wortlaut ist unspektakulär. Der Kontext ist es nicht.
Der Hintergrund: Sal. Oppenheim in der Krise
2009 befand sich Sal. Oppenheim, eine der traditionsreichsten deutschen Privatbanken, in massiven Schwierigkeiten. Infolge riskanter Immobiliengeschäfte und der globalen Finanzkrise stand das Institut vor dem Zusammenbruch. Wenig später wurde es von der Deutschen Bank übernommen.
Die nun aufgetauchte Korrespondenz legt nahe, dass es Gespräche mit dem deutschen Finanzministerium gab – und dass Jeffrey Epstein in diese Diskussion eingebunden war oder zumindest als Ansprechpartner fungierte.
Das wirft eine zentrale Frage auf:
In welcher Funktion war Epstein an Überlegungen zur Restrukturierung oder Stabilisierung einer deutschen Großbank beteiligt?
Zugang zu staatlichen Stellen
Die E-Mail spricht explizit von einem Gespräch mit dem „German ministry of finance“. Sollte diese Darstellung zutreffen, bedeutet das:
– Es existierte ein direkter Draht zwischen den beteiligten Akteuren und dem deutschen Finanzministerium.
– Es wurden interne Bewertungen über Managementversagen und Finanzbedarf diskutiert.
– Es ging um Summen im Bereich von mindestens 900 Millionen Euro.
Die Dokumente enthalten zudem eine Signatur mit Bezug auf „Asia Gateway Ltd.“ in London – eine Struktur, die im Umfeld Epsteins auftauchte.
Ob Epstein selbst formelle Mandate hatte, als Berater fungierte oder Investoren repräsentierte, bleibt aus den vorliegenden Screenshots nicht ersichtlich. Klar ist jedoch: Er war nicht nur ein gesellschaftlicher Netzwerker – er bewegte sich in Kreisen, in denen über systemrelevante Finanzfragen gesprochen wurde.
Ein größeres Muster
Die Oppenheim-Mails fügen sich in ein breiteres Bild: In zahlreichen veröffentlichten Dokumenten und Zeugenaussagen taucht Epstein als jemand auf, der Zugang zu Bankiers, Politikern, Finanzministern und Milliardären hatte.
Die öffentliche Darstellung Epsteins konzentrierte sich lange auf sein Doppelleben als Sexualstraftäter mit Kontakten zur Elite. Doch diese E-Mail-Korrespondenz deutet auf eine weitere Dimension hin:
Epstein bewegte sich offenbar im Umfeld hochsensibler finanzpolitischer Entscheidungen – auch in Europa.
Offene Fragen
Die zentrale investigative Linie lautet daher nicht nur:
„Mit wem war Epstein befreundet?“
Sondern:
– Welche Rolle spielte er in internationalen Finanzstrukturen?
– Wen repräsentierte er tatsächlich?
– Hatte er Zugang zu staatlichen Entscheidungsprozessen?
– War er Vermittler, Investor, Lobbyist – oder etwas anderes?
Und vor allem:
Warum taucht sein Name in Zusammenhang mit Gesprächen über eine deutsche Großbank während einer systemischen Krise auf?
Fazit
Sollten die Dokumente authentisch sein – was technisch nur über vollständige Header-Analyse und offizielle Freigaben verifiziert werden kann – zeigen sie, dass Jeffrey Epstein 2009 nicht nur gesellschaftlich, sondern auch finanzpolitisch operierte.
Nicht als Randfigur.
Sondern als Gesprächspartner in Fragen, die staatliche Stellen und dreistellige Millionenbeträge betrafen.
Der Skandal um Epstein war nie nur moralischer Natur.
Die Oppenheim-Mails deuten darauf hin, dass die eigentliche Geschichte möglicherweise im Finanzsystem selbst liegt.
