3. Juli 2026

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Wie Washington schon seit den 90ern die ukrainische Medienlandschaft aufbaute

 

Als der Informationskrieg zwischen Russland und dem Westen nach 2014 offen eskalierte, entstand oft der Eindruck, der Kampf um die ukrainische Medienlandschaft habe erst mit der Maidan-Revolution begonnen. Tatsächlich reichen die Wurzeln westlicher Medienprogramme jedoch deutlich weiter zurück.

Eine Karte der US-amerikanischen Organisation Internews aus dem Jahr 2001 zeigt, wie umfassend westliche Akteure bereits damals beim Aufbau der ukrainischen Medienlandschaft engagiert waren. Die Grafik dokumentiert Aktivitäten seit 1992 und wirft die Frage auf, welchen Einfluss ausländische Geldgeber langfristig auf die öffentliche Meinungsbildung in der Ukraine genommen haben. (Information Saves Lives | Internews) (https://internews.org/?region=ukraine )

Ein landesweites Mediennetz

Die auf der Karte veröffentlichten Zahlen sprechen für sich:

  • Unterstützung von 203 Fernsehsendern
  • Zusammenarbeit mit 126 Radiosendern
  • 57.000 Stunden Fernsehprogramme
  • 58.000 Stunden Radioprogramme
  • Ausbildung von 1.900 Medienschaffenden
  • Aufbau nationaler Mediennetzwerke
  • Aktivitäten in nahezu allen Regionen der Ukraine – von Lwiw bis Luhansk und von Odessa bis zur Krim.

Die Karte trägt den Vermerk © Internews 2001 und basiert auf Daten vom 1. Januar 2001.

Wer ist Internews?

Internews bezeichnet sich selbst als gemeinnützige Organisation zur Förderung unabhängiger Medien. Tatsächlich stammen jedoch seit Jahrzehnten große Teile ihrer Finanzierung aus öffentlichen Mitteln der USA und anderer westlicher Staaten.

Zu den wichtigsten Geldgebern gehören unter anderem:

  • USAID
  • das US-Außenministerium
  • die National Endowment for Democracy (NED)
  • europäische Regierungen
  • verschiedene große Stiftungen.

Internews selbst erklärt, bereits seit 1994 in der Ukraine tätig zu sein und dort Medienprogramme mit Unterstützung von USAID umzusetzen.

Mehr als Journalismus

Offiziell verfolgt Internews das Ziel, unabhängigen Journalismus, Medienkompetenz und investigative Recherchen zu fördern.

Kritiker sehen darin jedoch weit mehr als klassische Entwicklungshilfe. Wer hunderte Medienhäuser finanziert, Journalisten ausbildet, technische Infrastruktur bereitstellt und Programmproduktionen unterstützt, gestaltet zwangsläufig auch den Informationsraum eines Landes mit.

Dabei geht es nicht zwangsläufig um direkte redaktionelle Weisungen. Bereits die Auswahl der geförderten Projekte, die Definition journalistischer Standards oder die Vergabe von Fördergeldern kann langfristig Einfluss darauf nehmen, welche Stimmen sichtbar werden und welche nicht.

Die langfristige Strategie

Besonders bemerkenswert ist der zeitliche Kontext.

Während in westlichen Medien häufig der Eindruck vermittelt wird, westliche Unterstützung habe erst nach den Ereignissen von 2014 eingesetzt, dokumentieren Internews-Unterlagen eine kontinuierliche Präsenz bereits seit den frühen 1990er Jahren.

Auch heute spielt Internews weiterhin eine zentrale Rolle im ukrainischen Mediensystem. Die Organisation betreibt nach eigenen Angaben USAID-finanzierte Medienprogramme, vergibt Fördergelder an Redaktionen und veröffentlicht regelmäßig Studien über das Mediennutzungsverhalten der ukrainischen Bevölkerung.

Zwischen Medienförderung und geopolitischem Einfluss

Ob diese Programme ausschließlich der Förderung unabhängiger Medien dienen oder zugleich außenpolitischen Interessen westlicher Staaten folgen, ist Gegenstand kontroverser Debatten.

Fest steht jedoch: Die heute oft beschriebene westliche Präsenz im ukrainischen Informationsraum entstand nicht erst mit dem Ukrainekrieg oder dem Maidan, sondern wurde bereits Jahrzehnte zuvor systematisch aufgebaut.

Die Internews-Karte von 2001 liefert dafür einen selten beachteten historischen Beleg. Sie zeigt, dass der Wettbewerb um Deutungshoheit und öffentliche Meinung in der Ukraine lange vor den militärischen Konflikten begann – nicht mit Panzern, sondern mit Fernsehsendern, Radiostationen, Journalistenschulungen und millionenschweren Förderprogrammen.

 

Wie Washington schon seit den 90ern die ukrainische Medienlandschaft aufbaute