Im Herbst 1784 trieb der Markscheider Andreas Wendt einen neuen Entwässerungsstollen durch das Gestein des Oberharzes — und brach durch eine Wand, die aus massivem Fels hätte bestehen müssen. Dahinter lag kein Hohlraum und keine Höhle, sondern ein Bergwerk: ein ausgezimmerter, entwässerter Stollen, dessen Erzgang sauber herausgeschnitten und abtransportiert war, lange bevor irgendein Amt in Clausthal davon wusste. Auf dem Boden lagen, in Reihen abgelegt, Hunderte steinerner Schlägel.
Das Bergamt hatte ein Wort dafür: „der Alte Mann“ — ausgebeutetes Gelände, das jemand vor einem hinterlassen hat. Der Bericht wurde nummeriert, abgelegt und nie wieder gelesen. Doch dieser Alte Mann war nicht wie die anderen. Die Wände waren durch Feuersetzen geschwärzt und gespalten, eine Technik, die man auch in den ältesten Kupferminen des Sinai und den Silberbergwerken des antiken Griechenlands findet. Die Stollen waren geplant, gezimmert, entwässert — organisierte Arbeit über Generationen. Und das Erz, das hier herauskam, ist nicht im Harz: nicht in den Schatzfunden, nicht in den Gräbern, in keinem Verzeichnis, das die Lehrbücher kennen.
