Während die Welt ohnehin schon unter den Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Öl- und Gasversorgung leidet, attackierte die Ukraine die Öl-Exporthäfen Russlands an der Ostsee. Damit wird das globale Angebot weiter verknappt. Wie lange wird es wohl dauern, bis die weltweite Versorgungskrise eskaliert?
Die globalen Ölmärkte leiden weiter. Nicht nur, dass der Transport von Erdöl durch die Straße von Hormus infolge des anhaltenden Iran-Krieges weiterhin stockt, auch die ständigen Angriffe der Ukraine auf die Energieinfrastrukturen Russlands sorgen für Probleme. So auch die jüngsten schweren Drohnenangriffe auf die Ostseehäfen Primorsk und Ust-Luga. Dabei flogen diese Drohnen auch über das Territorium der baltischen Staaten, was einige aggressivere Kommentatoren dazu veranlasste, die Frage zu stellen, ob diese Länder damit nicht auch zu legitimen Zielen des russischen Militärs avancieren.
Laut Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters wurden durch diesen Großangriff ganze 40 Prozent der russischen Öl-Exportkapazitäten vom Markt genommen. Für den russischen Pipeline-Giganten Transneft ist dies eine Katastrophe. Man versucht verzweifelt, die gigantischen Öl-Massen irgendwie umzuleiten. Doch das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Allein über Primorsk fließen normalerweise mehr als eine Million Barrel Rohöl pro Tag. Ust-Luga schlug letztes Jahr fast 33 Millionen Tonnen Ölprodukte um.
Eine rasche Lösung für die Umleitung dieser gigantischen Mengen an Öl gibt es nicht. Denn auch die Schwarzmeerhäfen haben nur eine limitierte Kapazität. Dann sind da noch die ständigen ukrainischen Angriffe auf die russischen Öltanker dort. Damit sinkt das globale Angebot an Erdöl und Ölprodukten noch weiter.
Zwar wurden diese Angriffe bislang noch nicht auf den Ölmärkten eingepreist, doch wie lange reichen die globalen Reserven noch? Die Lieferungen aus dem Nahen Osten stottern, nun fällt auch noch ein nicht unerheblicher Teil der russischen Lieferungen aus – das wird ein Versorgungs-Hammer. Denn jene Länder, die zuvor kein russisches Öl mehr kaufen wollten und sich angesichts der Hormus-Blockade dann (wie z.B. die Philippinen) umentschieden, können ebenfalls nicht mehr beliefert werden.
Der ukrainische Großangriff war damit jedoch nicht nur ein Angriff auf Russland, sondern auch ein Angriff auf die Weltwirtschaft, welche ohnehin schon extrem unter den hohen Ölpreisen leidet. Denn Länder wie zum Beispiel Indien oder China, die weiterhin russisches Erdöl kaufen (und dann raffinierte Produkte wie Benzin und Diesel weiterverkaufen) werden ebenfalls davon getroffen – und damit auch deren Abnehmer im Ausland. Das wird dann auch für die Europäer teuer.
Ukrainische Drohnen legen 40 Prozent von Russlands Öl-Exporten lahm
