30. Juni 2026

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Seit 15 Jahren gilt ein internationales Moratorium gegen Geoengineering – warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon?

 

Der US-Autor und WHO-Kritiker James Roguski hat auf einen bemerkenswerten Sachverhalt aufmerksam gemacht, der in den großen Medien kaum Erwähnung findet: Bereits am 29. Oktober 2010 beschlossen nahezu alle Staaten der Welt im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) ein De-facto-Moratorium gegen großflächiges klimabezogenes Geoengineering. Dieses Moratorium wurde seitdem mehrfach – zuletzt 2024 – bekräftigt. Dennoch scheint die Existenz dieser internationalen Vereinbarung außerhalb von Fachkreisen nahezu unbekannt zu sein.

Dabei wirft genau diese Tatsache eine entscheidende Frage auf: Warum beschließen fast alle Regierungen der Welt ein Moratorium gegen eine Technologie, über deren Existenz oder Bedeutung öffentlich kaum gesprochen wird?

Was wurde 2010 tatsächlich beschlossen?

Auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz (COP10) im japanischen Nagoya verabschiedeten die Vertragsstaaten einstimmig den Beschluss X/33 Absatz 8(w). Darin heißt es, dass keine klimabezogenen Geoengineering-Maßnahmen stattfinden sollen, solange keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage, keine transparenten internationalen Kontrollmechanismen sowie keine umfassende Bewertung der ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen vorliegen. Lediglich kleine wissenschaftliche Forschungsprojekte unter streng kontrollierten Bedingungen bleiben ausgenommen.

Es handelt sich nicht um ein absolutes weltweites Verbot, wohl aber um ein international anerkanntes Vorsorgeprinzip, das großflächige Eingriffe in das Klimasystem ausdrücklich zurückstellt, bis ihre Risiken ausreichend geklärt sind.

Das Moratorium wurde mehrfach bestätigt

Entgegen der weit verbreiteten Annahme handelt es sich nicht um eine einmalige Erklärung aus dem Jahr 2010.

Die Vertragsstaaten bestätigten ihre Position erneut:

  • 2012 (COP11)
  • 2016 (COP13)
  • 2024 (COP16)

Damit besteht dieser internationale Konsens inzwischen seit mehr als 15 Jahren.

Was versteht die UNO überhaupt unter Geoengineering?

Besonders bemerkenswert ist die Definition.

Unter Geoengineering fallen nach den CBD-Dokumenten nicht nur Maßnahmen wie das Einbringen von Aerosolen in die Stratosphäre zur Verringerung der Sonneneinstrahlung (Solar Radiation Management), sondern grundsätzlich großangelegte Technologien, die gezielt in das Klimasystem eingreifen – etwa auch Verfahren zur massiven Entnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre, sofern sie Auswirkungen auf die biologische Vielfalt haben könnten.

Mit anderen Worten: Die Vereinten Nationen behandeln Geoengineering keineswegs als Science-Fiction, sondern seit Jahren als reales politisches und regulatorisches Thema.

Die USA gehen einen anderen Weg

Ein weiterer Aspekt verdient besondere Aufmerksamkeit.

Die Vereinigten Staaten gehören zu den wenigen Ländern, die das Übereinkommen über die biologische Vielfalt zwar unterzeichnet, aber nie ratifiziert haben. Damit sind sie keine Vertragspartei und nicht an die dort gefassten Beschlüsse gebunden.

Während nahezu alle anderen Staaten das Moratorium unterstützen, verfolgen die USA seit Jahren Forschungsprogramme zur Solar Radiation Modification (SRM). Die NOAA erhielt dafür ausdrücklich Bundesmittel. Gleichzeitig lehnten die USA auf internationaler Ebene wiederholt Initiativen für strengere globale Regelungen oder weitergehende Beschränkungen des Solar-Geoengineerings ab.

Selbst die US-Regierung spricht offen über Geoengineering

Besonders aufschlussreich ist, dass inzwischen sogar die US-Umweltbehörde EPA eigene Informationsseiten zum Thema veröffentlicht hat.

Dort wird ausdrücklich erklärt:

  • dass das Moratorium des CBD existiert,
  • dass NOAA Forschung zu Solar-Geoengineering betreibt,
  • dass Solar-Geoengineering nicht mit gewöhnlichen Kondensstreifen von Flugzeugen gleichzusetzen ist,
  • und dass der EPA nach eigenem Kenntnisstand derzeit kein großflächiger Einsatz durch die US-Regierung bekannt ist.

Allein diese Tatsache zeigt, dass Geoengineering längst Gegenstand offizieller Behörden und internationaler Regulierung ist – und nicht bloß ein Randthema öffentlicher Spekulationen.

Die eigentliche Frage lautet nicht mehr, ob Geoengineering existiert

Die öffentliche Diskussion kreist häufig um die Frage, ob Geoengineering überhaupt real sei.

Die internationalen Dokumente zeigen jedoch eine andere Realität.

Seit Jahren beschäftigen sich die Vereinten Nationen, Umweltbehörden, Wissenschaftsakademien und Regierungen mit der Frage, unter welchen Bedingungen Geoengineering überhaupt zulässig wäre. Die Existenz entsprechender Forschung, politischer Debatten und internationaler Beschlüsse wird von den beteiligten Institutionen selbst nicht bestritten.

Die eigentliche Kontroverse dreht sich daher längst nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie, Wann und Ob überhaupt jemals ein großflächiger Einsatz verantwortbar wäre.

Warum wird darüber kaum berichtet?

Genau hier setzt Roguskis Kritik an.

Wenn nahezu alle Staaten der Welt seit 2010 ein Moratorium gegen großflächiges Geoengineering beschlossen und dieses mehrfach bestätigt haben, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum dieser Sachverhalt in der öffentlichen Berichterstattung kaum eine Rolle spielt.

Während über Klimaziele, CO₂-Steuern oder Emissionshandel nahezu täglich berichtet wird, bleibt ein internationales Moratorium gegen gezielte Eingriffe in das Klimasystem weitgehend unbeachtet. Stattdessen wird die Debatte häufig auf den Gegensatz zwischen „Chemtrails“ und „Verschwörungstheorien“ reduziert.

Dadurch geht der eigentliche politische Kern verloren: Es existiert seit über 15 Jahren ein internationaler Vorsorgekonsens, der großflächige Geoengineering-Maßnahmen nur unter sehr strengen Voraussetzungen zulassen würde.

Fazit

James Roguskis Beitrag macht auf einen wenig bekannten, aber gut dokumentierten Sachverhalt aufmerksam: Fast die gesamte Staatengemeinschaft hat sich bereits 2010 darauf verständigt, großflächiges klimabezogenes Geoengineering vorsorglich nicht zuzulassen, solange zentrale wissenschaftliche, ökologische und regulatorische Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Dass dieses Moratorium bis heute mehrfach bestätigt wurde und dennoch kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhält, wirft berechtigte Fragen nach Transparenz und öffentlicher Debatte auf. Unabhängig davon, wie man Geoengineering politisch bewertet, ist die Existenz dieses internationalen Vorsorgebeschlusses ein relevanter Bestandteil der globalen Klimapolitik – und verdient eine wesentlich breitere öffentliche Diskussion.

 

Seit 15 Jahren gilt ein internationales Moratorium gegen Geoengineering – warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon?