„Ein Lebensmittel, das mein Leben rettete“ – Mikhaila Peterson Fuller an der Oxford Union
Als Mikhaila Peterson Fuller den Saal der Oxford Union betritt, weiß kaum jemand, welche Geschichte sie gleich erzählen wird. Acht Minuten später herrscht absolute Stille. Die kanadische Podcasterin und Autorin spricht nicht über Politik, nicht über Ethik – sondern über ihren eigenen Körper. Und darüber, wie eine radikal vereinfachte Ernährung ihr Leben verändert habe.
Direkt zum Video mit deutschen Untertiteln:
Ein Leben voller Schmerzen – mit sieben Jahren beginnt der Kampf
Bereits im Alter von sieben Jahren wird bei Peterson Fuller juvenile rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Die Symptome beginnen sogar noch früher – mit zwei Jahren.
„37 Gelenke waren betroffen“, sagt sie. Sechzehn Jahre lang spritzt sie sich Immunsuppressiva, nimmt weitere Medikamente gegen chronische Erschöpfung, gegen Hautprobleme, gegen schwere Depressionen.
Mit 17 verliert sie Hüfte und Sprunggelenk – ersetzt durch Prothesen. Der medizinische Weg, so sagt sie, brachte ihr keine Linderung.
Der radikale Schritt: Alles weglassen – außer Fleisch
Mit 23 verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch: Hautausschläge, Gelenkschmerzen, psychische Zusammenbrüche. Während eines Biomedizin-Studiums beginnt sie, ihre Ernährung aus reinem Ausschlussprinzip zu reduzieren – erst auf Fleisch und unverarbeitete Lebensmittel, später ausschließlich auf Fleisch.
Nach zwei Monaten, so berichtet sie, verschwinden nahezu alle Symptome. Sie setzt SSRIs, Stimulanzien und Immunsuppressiva ab. Kurzzeitig.
Denn nach einer Schwangerschaft und einem abrupten Absetzen ihrer Medikamente kehren die Symptome zurück – Autoimmunreaktionen genauso wie Depressionen. In der Verzweiflung reduziert sie ihre Ernährung erneut auf ein Minimum: Rindfleisch, Salz, Wasser.
Sechs Monate später, sagt sie, sei sie wieder in Remission.
Der Versuch, wieder normal zu essen – und das Scheitern
Peterson Fuller beschreibt, wie sie versucht habe, Kuchen, Obst oder andere Pflanzen wieder in ihre Ernährung einzuführen. Doch jedes Mal seien die Symptome zurückgekehrt.
„Ich möchte nicht für immer so essen“, sagt sie. „Aber ich kann es nicht ändern, ohne wieder krank zu werden.“
Von der Einzelperson zur Community
Zunächst, so berichtet sie, hätten Medien und Kritiker ihre Erfahrung abgetan: als Einzelfall, als Kuriosität. Doch inzwischen betreibe sie eine Facebook-Gruppe mit 7.000 Menschen, die ähnliche Wege eingeschlagen hätten – viele davon ebenfalls nach langen, erfolglosen medizinischen Behandlungen.
Ein Blick in die Geschichte und Wissenschaft – aus ihrer Perspektive
In ihrer Rede ordnet Peterson Fuller ihre Erfahrung in größere Zusammenhänge ein. Sie verweist auf:
- die ketogene Ernährung als historische Therapieform gegen Epilepsie
- die steigende Prävalenz von Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit und Autoimmunerkrankungen
- die Annahme, dass bestimmte Ernährungsempfehlungen wissenschaftlich überholt seien
Zentral ist dabei ihre These: Der menschliche Körper sei evolutionär an eine fleischlastige Ernährung angepasst, während viele moderne Lebensmittel erst in jüngster Zeit existierten.
Sie betont dabei immer wieder: In ihrer Sichtweise sei Fleisch das „gesündeste und am stärksten zu Unrecht verteufelte Lebensmittel“.
Die Harvard-Befragung – und der Streit um die Interpretation
Ein wichtiges rhetorisches Element ihrer Rede ist eine Befragungsstudie, die 2020/21 von Forschern der Harvard Medical School unter Anhängern der Carnivore-Diät durchgeführt wurde (veröffentlicht bei Oxford University Press).
Die Teilnehmer berichteten subjektiv von:
- deutlichen Verbesserungen bei Autoimmunerkrankungen, Stimmung, Stoffwechsel und Hautproblemen
- hoher Zufriedenheit
- geringen Nebenwirkungen
- einer überraschend hohen Quote an Menschen, die Diabetesmedikamente abgesetzt hatten
Peterson Fuller betont diese Zahlen – und fordert mehr wissenschaftliche Forschung. Auch die Autoren der Studie selbst weisen darauf hin, dass solche Selbstberichte nicht als Beweis für eine medizinische Wirksamkeit gelten können, sondern lediglich als Ausgangspunkt für zukünftige Forschung.
Ethik, Entwicklung, Ernährung – und ein Appell
Im letzten Teil ihrer Rede schlägt Peterson Fuller den Bogen zur globalen Ernährungssicherheit. In vielen Ländern, sagt sie, sei Fleisch ein unverzichtbarer Bestandteil der Versorgung, besonders für Frauen, die keine Landwirtschaft betreiben dürfen, aber Vieh halten können.
Ihr Schlussappell: Die Gesellschaft solle nicht vorschnell das Lebensmittel aufgeben, das – nach ihrer persönlichen Erfahrung – lebensverändernd gewesen sei, bevor nicht mehr Forschung betrieben wurde.
„Wie können wir Fleisch verurteilen“, fragt sie, „wenn es für manche Menschen das Einzige ist, das funktioniert?“
Ein polarisierender Auftritt – und viele offene Fragen
Mikhaila Peterson Fullers Rede in der Oxford Union ist eindrucksvoll, emotional und provokant. Ihre Geschichte ist außergewöhnlich – und für viele Betroffene faszinierend, für andere kritisch zu betrachten.
Sie selbst fordert nicht, dass alle Menschen ihre Ernährung kopieren sollen.
Ihr Anliegen ist ein anderes: Leid zu mindern, wo es möglich ist – und wissenschaftliche Fragen zu stellen, die bislang nicht ausreichend beantwortet wurden.
Oxford Union verstummt: Mikhaila Peterson Fuller enthüllt ihre Heilung durch radikale Fleisch-Diät
