Milliardäre, Rohstoffe, Machtprojektion: Warum Grönland ins Zentrum eines geopolitischen Spiels rückt
Seit der ersten Amtszeit von Donald Trump investieren US-Milliardäre wie Bill Gates und Peter Thiel in KI-gestützten Bergbau und ambitionierte Zukunftsprojekte in Grönland. Trumps erneute Äußerung in dieser Woche, die USA sollten die zum Königreich Dänemark gehörende Insel erwerben – militärische Mittel schloss er dabei ausdrücklich nicht aus –, verleiht diesen Aktivitäten neue Brisanz.
Das wiederauflebende Interesse Washingtons an Grönland hat nicht nur diplomatische Spannungen verschärft, sondern auch einen bemerkenswerten Kapitalzufluss ausgelöst. Was 2019 als scheinbar exzentrische Idee eines US-Präsidenten begann, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Wettlauf um Rohstoffe, Einfluss und sicherheitspolitische Vorherrschaft im arktischen Raum.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Ronald Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Imperiums. Nach Angaben des ehemaligen US-Sicherheitsberaters John Bolton war es Lauder, der Trump Ende 2018 erstmals auf die Idee brachte, Grönland „zu kaufen“. Die langjährigen persönlichen und politischen Verbindungen zwischen beiden sind eng; Lauder zählt zudem zu den bedeutenden Geldgebern konservativer und trumpnaher Initiativen. Öffentlich plädiert er seitdem für einen stärkeren amerikanischen Einfluss auf der Insel.
Seine Aktivitäten blieben nicht auf politische Rhetorik beschränkt. Wie die dänische Zeitung Politiken berichtete, investierte Lauder in ein defizitäres grönländisches Mineralwasserunternehmen, das sich teilweise im Besitz eines einflussreichen Politikers der Regierungspartei Siumut befindet – zugleich Ehemann der grönländischen Außenministerin. Diese personellen und finanziellen Verflechtungen haben in Dänemark und Grönland Fragen nach möglicher politischer Einflussnahme aufgeworfen. Zudem ist Lauder über ein US-Konsortium an Plänen für ein Wasserkraftprojekt beteiligt, an dem auch ehemalige Spitzen-Diplomaten beteiligt sind.
Parallel dazu rückten Grönlands Vorkommen an seltenen Erden ins Visier globaler Investoren. Jeff Bezos, Gates und Michael Bloomberg beteiligten sich ab 2019 an KoBold Metals, einem Unternehmen, das mithilfe künstlicher Intelligenz nach strategisch wichtigen Mineralien sucht. Die Investitionen erfolgten über Breakthrough Energy, einen von Gates initiierten Fonds. KoBold wuchs rasch zu einem Milliardenunternehmen heran und wurde Ende 2024 mit knapp drei Milliarden US-Dollar bewertet.
Im selben Jahr stieg auch Sam Altman über seinen Investmentfonds ein. Interne Unterlagen deuten darauf hin, dass KoBold erneut Kapital aufnehmen will – zu einem Zeitpunkt, an dem Grönland zunehmend als strategischer Schlüsselraum für Versorgungssicherheit und geopolitische Machtprojektion gilt. Keiner der beteiligten Investoren wollte sich gegenüber Forbes inhaltlich äußern.
Neben rohstoffgetriebenen Engagements existieren auch ideologisch geprägte Projekte. Thiel finanzierte 2021 das Start-up Praxis, das den Bau einer technologisch hochgerüsteten „Freiheitsstadt“ in Grönland plant – ein Konzept, das staatliche Regulierung bewusst minimieren will.
Diese Investitionsdynamik fällt zeitlich mit einer neuen Eskalation in Trumps Rhetorik zusammen. Er erklärte jüngst, die Kontrolle über Grönland sei für die nationale Sicherheit der USA notwendig. Aussagen aus seinem Umfeld nährten sogar Spekulationen über militärische Optionen, was europäische Regierungen zu einer gemeinsamen Bekräftigung der grönländischen Souveränität veranlasste. Später versuchten US-Vertreter, die Lage zu beruhigen und militärische Szenarien als unrealistisch darzustellen.
Dennoch bleibt das Thema politisch hochsensibel. Elon Musk äußerte offen, eine Annexion könne legitim sein – sofern die grönländische Bevölkerung zustimme.
Was einst als provokante Randbemerkung begann, ist heute Teil eines komplexen Geflechts aus geopolitischen Interessen, Kapitalströmen und strategischen Rohstoffen. Grönland steht damit zunehmend im Brennpunkt globaler Machtkonkurrenz – und die Trennlinie zwischen wirtschaftlichem Engagement und politischem Einfluss wird immer schwerer zu ziehen.
