6. März 2026

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Krieg gegen den Iran: BRICS-Staaten legen Schritt für Schritt ihre Position offen – Endspiel zwischen dem Westen und der aufsteigenden multipolaren Ordnung zeichnet sich ab

 

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran wird in vielen westlichen Medien als plötzlich eskalierender regionaler Konflikt dargestellt. Raketenangriffe, Luftschläge und militärische Drohungen dominieren die Schlagzeilen. Doch diese Darstellung greift zu kurz.

Eine Analyse von Don:

Was sich heute entfaltet, ist ein Konflikt, der seit Jahren erwartet wurdeund auf den sich mehrere Staaten strategisch vorbereitet haben. Es ist nicht nur ein Krieg im Nahen Osten. Es ist Teil eines viel größeren geopolitischen Machtkampfes zwischen der bisherigen westlich dominierten Ordnung und einer neuen multipolaren Struktur rund um Russland, China, Iran und das wachsende Netzwerk der BRICS-Staaten.

Der brasilianische Analyst Pepe Escobar beschreibt die iranische Militärstrategie als „Mosaik-Verteidigung“. In ihrer Wirkung lässt sie sich jedoch auch als ein Krieg der tausend Schnitte verstehen: eine langfristige Strategie, die darauf abzielt, das amerikanische Imperium und das gesamte westliche System nicht durch einen einzelnen militärischen Schlag zu besiegen, sondern es langsam wirtschaftlich, politisch und finanziell auszubluten.

Karte der US-Militärstützpunkte rund um den Iran. Darauf haben sie sich jahrzehntelang vorbereitet.

Ein Konflikt, der lange erwartet wurde

In Teheran galt ein direkter Konflikt mit den Vereinigten Staaten oder Israel seit vielen Jahren als mögliches Szenario. Deshalb hat der Iran über Jahrzehnte hinweg eine Strategie entwickelt, die auf langfristige Widerstandsfähigkeit setzt.

Diese Strategie basiert auf mehreren Elementen:

  • asymmetrische Kriegsführung
  • regionale Bündnisse und Stellvertreterstrukturen
  • Raketen- und Drohnentechnologie
  • Cyber- und elektronische Kriegsführung
  • strategische Geduld

Der Kern dieser Doktrin besteht nicht darin, einen schnellen militärischen Sieg zu erringen. Stattdessen geht es darum, einen überlegenen Gegner über Zeit zu erschöpfen und seine Ressourcen dauerhaft zu binden.

Iran als Teil einer größeren geopolitischen Achse

Der Iran ist heute nicht mehr isoliert. In den letzten Jahren hat sich das Land zunehmend in ein größeres geopolitisches Netzwerk integriert.

Russland, China und mehrere BRICS-Staaten haben ihre Zusammenarbeit mit Teheran deutlich vertieft. Dazu gehören wirtschaftliche Kooperation, Energiepartnerschaften, technologische Zusammenarbeit und eine wachsende militärische Abstimmung.

Russland liefert militärische Technologien und strategische Kooperation.
China investiert massiv in Infrastruktur und Energieprojekte.
Gemeinsam arbeiten diese Staaten daran, alternative Handels- und Finanzsysteme aufzubauen.

In dieser Perspektive ist der Iran nicht nur ein regionaler Akteur im Nahen Osten. Er ist Teil einer größeren eurasischen Strategie, die darauf abzielt, die westliche Dominanz im globalen System zu begrenzen.

Der Petrodollar – das Fundament amerikanischer Macht

Die BRICS-Staaten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate signalisieren laut Berichten mit diplomatischer Rhetorik eine zunehmende Distanz zu Washington und prüfen, Investitionen in den USA im Zuge des Iran-Kriegs zu reduzieren.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar diskutieren laut Financial Times, Verträge mit den USA zu überprüfen und künftige Investitionen zu reduzieren, um die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs abzufedern. Quelle

Im Zentrum dieses geopolitischen Konflikts steht nicht nur militärische Macht, sondern auch das internationale Finanzsystem.

Die US-Märkte werden zusammenbrechen. Absolut.

Seit den 1970er Jahren basiert ein großer Teil der amerikanischen globalen Macht auf dem sogenannten Petrodollar-System. Öl wird überwiegend in US-Dollar gehandelt, wodurch weltweit eine permanente Nachfrage nach Dollar entsteht.

Dieses System ermöglicht es den Vereinigten Staaten:

  • enorme Haushaltsdefizite zu finanzieren
  • eine globale Militärpräsenz zu unterhalten
  • ihre Staatsanleihen weltweit zu platzieren
  • Sanktionen als geopolitisches Druckmittel einzusetzen

Solange Öl überwiegend in Dollar gehandelt wird, bleibt der Dollar die zentrale Währung des globalen Wirtschaftssystems.

Doch genau dieses System gerät zunehmend unter Druck.

China, Russland und mehrere BRICS-Staaten versuchen, internationale Handelsstrukturen schrittweise vom Dollar zu lösen. Energiegeschäfte werden zunehmend in anderen Währungen abgewickelt, während alternative Finanzinstitutionen entstehen.

Die Straße von Hormus – ein strategischer Hebel

Eine der empfindlichsten Schwachstellen der globalen Wirtschaft ist die Straße von Hormus.

Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels passiert diese Meerenge. Schon geringe Störungen können globale Märkte erschüttern.

Dabei muss die Route nicht einmal vollständig blockiert werden. Bereits Unsicherheit genügt.

Steigende Versicherungsprämien für Tanker, längere Transportwege und steigende Energiekosten können eine wirtschaftliche Kettenreaktion auslösen:

  • höhere Ölpreise
  • Inflation
  • gestörte Lieferketten
  • wirtschaftliche Instabilität

Diese Dynamik trifft nicht nur den Nahen Osten. Sie trifft vor allem die großen Industriestaaten.

Europas Energieproblem – ein weiterer Druckpunkt

Besonders verwundbar ist in diesem Zusammenhang Europa.

Viele europäische Staaten haben in den letzten Jahren ihre günstigen Energieimporte aus Russland verloren oder stark reduziert. Gleichzeitig steigen durch geopolitische Spannungen die globalen Energiepreise. Europa versucht zwar, diese Lücke durch neue Energieverträge mit Golfstaaten wie Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien zu schließen, doch genau diese Region steht nun selbst im Zentrum des Konflikts. Damit geraten auch diese neuen Lieferketten unter Risiko – ein Umstand, der die ohnehin angespannte Energieversorgung Europas zusätzlich destabilisieren könnte.

Damit gerät die europäische Wirtschaft zunehmend unter Druck.

Vor diesem Hintergrund sorgte eine jüngste Aussage des russischen Präsidenten Wladimir Putin für Aufmerksamkeit. Er deutete an, dass Russland im Falle weiterer Eskalationen seine Energielieferungen weiter reduzieren oder sogar vollständig einstellen könnte.

Eine solche Entwicklung könnte für Europa gravierende Folgen haben.

Industrie, Transport und Stromversorgung vieler europäischer Staaten sind stark von stabilen Energieimporten abhängig. Ein weiterer massiver Energieschock könnte zu:

  • steigender Inflation
  • Industrieproblemen
  • Produktionsstopps
  • wirtschaftlicher Instabilität

führen.

Damit würde der Konflikt indirekt auch die wirtschaftliche Stabilität der EU- und NATO-Staaten treffen.

Der Krieg gegen ein System

Aus dieser Perspektive erscheint der Konflikt in einem anderen Licht.

Es handelt sich nicht nur um einen Krieg gegen den Iran. Es ist ein Konflikt zwischen zwei globalen Machtstrukturen.

Auf der einen Seite steht das westliche System aus USA, EU und NATO – aufgebaut auf Dollar-Dominanz, militärischer Präsenz und globaler Finanzarchitektur.

Auf der anderen Seite formiert sich zunehmend ein eurasisches Netzwerk rund um Russland, China, Iran und die BRICS-Staaten, das alternative Strukturen entwickelt.

Der Konflikt im Nahen Osten wird damit zu einem geopolitischen Brennpunkt dieses Systemkampfes.

Die Logik der tausend Stiche

Genau hier entfaltet sich die strategische Logik der iranischen Doktrin.

Der Iran muss die Vereinigten Staaten nicht militärisch besiegen. Es reicht, das bestehende System so teuer und instabil zu machen, dass es sich langfristig selbst erschöpft.

Jede Eskalation erhöht:

  • Energiepreise
  • Transportkosten
  • Inflation
  • finanzielle Belastungen für westliche Staaten

Damit wird der Krieg zu einem wirtschaftlichen Abnutzungskonflikt.

Nicht eine einzelne Schlacht entscheidet den Ausgang, sondern die langfristige Belastung des Systems.

Ein möglicher Wendepunkt der Weltordnung

Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran könnte sich deshalb als ein historischer Wendepunkt erweisen.

Er ist nicht nur ein regionaler Krieg. Er könnte zum Katalysator eines globalen Machtwandels werden.

Wenn der Petrodollar an Bedeutung verliert, wenn alternative Finanzsysteme entstehen und wenn eurasische Kooperationen weiter wachsen, könnte die bisherige globale Ordnung unter Druck geraten.

Dann würde sich eine Realität herausbilden, die lange als undenkbar galt:

Eine Welt, in der ein Imperium nicht durch eine militärische Niederlage endet.

Sondern durch den langsamen Verschleiß seiner wirtschaftlichen Grundlagen – Stich für Stich.