17. März 2026

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Krieg am Golf bedroht Ernten: Dünger-Lieferketten geraten weltweit unter Druck

 

Während die Welt über Ölpreise, Militärstrategien und Raketenangriffe spricht, könnte sich die eigentliche Krise still und unsichtbar zusammenbrauen – in den Lieferketten für Dünger, dem unscheinbaren Fundament der globalen Nahrungsmittelproduktion. Der Krieg im Persischen Golf bedroht nicht nur den Energiehandel, sondern auch einen der zentralen Stoffströme, ohne die moderne Landwirtschaft kaum existieren kann.

Ein erheblicher Teil der petrochemischen Rohstoffe, die für die Herstellung von Stickstoffdüngern benötigt werden, stammt aus der Golfregion oder wird über die Straße von Hormuz transportiert. Diese Meerenge ist einer der wichtigsten Engpässe der Weltwirtschaft. Täglich passieren dort große Mengen an Öl, Flüssiggas und petrochemischen Produkten. Gerät diese Route dauerhaft unter militärischen Druck, steigen nicht nur die Energiepreise – auch die Kosten für Dünger könnten weltweit explodieren.

Für die Landwirtschaft ist dabei nicht nur der Preis entscheidend, sondern vor allem der Zeitpunkt. Die Produktion von Mais, Reis und Weizen folgt strikten saisonalen Zyklen. Bauern müssen Dünger in engen Zeitfenstern einsetzen. Werden diese Wochen verpasst, lässt sich der Ertragsverlust später kaum noch ausgleichen. Genau deshalb sehen Agrarökonomen in möglichen Lieferstörungen ein Risiko, das weit über kurzfristige Marktverwerfungen hinausgeht.

In vielen Regionen der Welt arbeiten Landwirte ohnehin mit minimalen Mengen an Stickstoffdünger. Während wohlhabende Länder ihre Böden oft überversorgen, nutzen Bauern im globalen Süden teilweise nur einen Bruchteil der durchschnittlichen Menge. Sinkt dort der Einsatz auch nur geringfügig, können Erträge dramatisch einbrechen. Die Erfahrung Sri Lankas im Jahr 2021, als ein kurzfristiges Verbot von Kunstdünger zu einem massiven Rückgang der Reisproduktion führte, gilt vielen Experten als warnendes Beispiel.

Mehrere Länder spüren bereits Druck auf ihre Versorgungssysteme. Staaten mit großer Bevölkerung und hohem Importbedarf beobachten die Entwicklung der Düngemittelpreise mit wachsender Nervosität. Gleichzeitig steigen weltweit die Kosten für Erdgas, den wichtigsten Rohstoff für die Produktion von Ammoniak und Harnstoff. Damit wird die Herstellung von Dünger selbst in Ländern mit eigener Industrie immer teurer.

Hinzu kommen klimatische Risiken. In wichtigen Agrarregionen melden Meteorologen bereits zunehmende Trockenheit, während gleichzeitig über mögliche Wetterphänomene wie El Niño spekuliert wird, die Monsunzyklen verändern könnten. In einer Situation, in der Dünger knapp oder extrem teuer wird, können solche klimatischen Faktoren die Ernteerträge zusätzlich unter Druck setzen.

Trotzdem steht diese Entwicklung bislang kaum im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit. Finanzmärkte reagieren vor allem auf Ölpreise, und politische Debatten konzentrieren sich auf militärische Eskalationsrisiken. Doch für die globale Ernährungssicherheit könnte ein möglicher Düngemittelschock ebenso folgenreich sein wie ein Energieschock.

Die moderne Landwirtschaft basiert zu einem großen Teil auf einem einzigen industriellen Prozess: der Herstellung von Stickstoffdünger aus Erdgas. Dieser Prozess ernährt heute Milliarden Menschen. Gerät die Versorgung mit den notwendigen Rohstoffen oder Transportwegen ins Wanken, kann sich die Wirkung entlang der gesamten Nahrungskette ausbreiten – von steigenden Produktionskosten bis hin zu höheren Lebensmittelpreisen in Supermärkten rund um den Globus.

Der Krieg im Nahen Osten entscheidet daher nicht nur über geopolitische Machtverhältnisse oder Energiepreise. Er könnte auch darüber bestimmen, wie viel Nahrung in der kommenden Erntesaison tatsächlich produziert wird. Denn während Diplomaten über Waffenstillstände verhandeln und Militärs ihre Operationen planen, läuft für Landwirte weltweit eine andere Uhr – die der Pflanz- und Düngefenster. Und diese Uhr lässt sich nicht anhalten.

Quellen:

The Oil and Gas Industry in Energy Transitions

World Food Situation

A global food crisis