Die KI-Flutwelle rollt auf uns zu.
Jordan Schachtel
Wir nähern uns rasch dem Punkt, an dem die KI-Flutwelle das Ufer erreicht – und die Welt für immer verändern wird.
Was vor wenigen Jahren als primitive Chatbots begann, ist inzwischen zum mächtigsten und weltveränderndsten technologischen Durchbruch unseres Lebens geworden.
KI hat ihren „Zero-to-One“-Moment erreicht, und diejenigen an der technologischen Front beginnen, die Auswirkungen auf die Menschheit zu kartieren.
Ein nachdenklicher Tech-Manager namens Matt Shumer veröffentlichte kürzlich auf X einen Beitrag mit dem Titel „Something Big Is Happening“, in dem er den aktuellen Moment mit jener kurzen Phase verglich, in der nur eine kleine Anzahl von Menschen wahrnahm, was später zur weltverändernden Covid-Hysterie werden sollte. Der Vergleich ist treffend – mit einem entscheidenden Unterschied: Anders als die Pandemie-Manie wird dieser Wandel keinen Reset-Knopf haben. Es gibt keine „Rückkehr zur Normalität“. Die Welt auf der anderen Seite dieser Welle wird kaum noch Ähnlichkeit mit der heutigen haben.
Im Wesentlichen haben die großen KI-Unternehmen (Anthropic, OpenAI, Google usw.) eine Reihe unglaublicher Durchbrüche erzielt, die es großen Sprachmodellen ermöglichen, entweder auf das gesamte Internet oder auf hochgradig individualisierte Datensätze zuzugreifen, die rund um die Uhr in ihrem virtuellen „Gehirn“ gespeichert sind. Das sind keine Spielereien oder glorifizierten Autovervollständigungen mehr. Sie verfügen über eine bemerkenswerte Fähigkeit zum Schlussfolgern und Planen. Mit der richtigen Anleitung können sie mehrstufige Aufgaben mit minimaler Aufsicht ausführen. Insider berichten vertraulich, dass selbst sie vom Tempo der Skalierung überrascht sind.
Hinzu kommt die jüngste Explosion von Open-Source-KI-Tools wie OpenClaw – ein autonomer KI-Agent, der sich mit Modellen wie Anthropics Claude verbinden lässt. Diese Fähigkeiten stehen nun jedem mit einem leistungsfähigen Computer zur Verfügung. Wer ambitioniert ist, kann sich innerhalb eines Wochenendes seine eigene KI-Armee aufbauen.
OpenClaw (früher Clawdbot und Moltbot), erst seit wenigen Wochen verfügbar, stellt einen Durchbruch im Bereich agentischer KI dar. Entwickelt vom österreichischen Softwareentwickler Peter Steinberger, ist es der Schritt von passiven Chatbots hin zu nahezu autonomen, handlungsfähigen KI-Assistenten. Das Tool läuft lokal auf eigener Hardware, integriert sich in verschlüsselte Messaging-Dienste wie WhatsApp und Signal und lässt sich mit führenden Sprachmodellen von Anthropic oder OpenAI verbinden.
Wir befinden uns in den allerersten Zügen eines massiven geopolitischen Wettbewerbs um autonome KI-Systeme – und der Großteil der Öffentlichkeit ahnt nichts davon.
Sowohl auf institutioneller als auch auf Open-Source-Ebene sind KI-Systeme inzwischen in der Lage, bei entsprechender Anleitung nahezu jede mit einem Computer verbundene Technologie rasch zu verbessern. Shumer wies darauf hin, dass OpenAIs neuestes Modell GPT-5.3 Codex „maßgeblich an seiner eigenen Entstehung beteiligt“ war. Lesen Sie diesen Satz noch einmal: Maschinen helfen nun dabei, Maschinen zu bauen. Es entsteht eine Selbstverbesserungsschleife mit immer weniger direkter menschlicher Beteiligung.
2026 entwickelt sich zum disruptivsten Technologiejahr unseres Lebens. Diese Disruption wird sich in massiver Innovation und gleichzeitiger Zerstörung ganzer Branchen zeigen – und zwar schneller, als Politik und Management in Washington, an der Wall Street oder in der Unternehmenswelt darauf vorbereitet sind.
Diese Fortschritte bergen enormes Potenzial. Eine neue Ära wissenschaftlicher Durchbrüche. Effizientere Energiesysteme. Optimierung landwirtschaftlicher Ressourcen. Medikamentenentwicklung in Monaten statt Jahrzehnten. Materialwissenschaftliche Innovationen, die die Produktion neu definieren. Anders als die leeren Versprechen der Covid-Ära oder der „Build Back Better“-Rhetorik werden KI-Systeme, die auf ersten Prinzipien beruhen, echte und wahrnehmbare Innovationen liefern.
Doch diese Technologie wird zwangsläufig ganze Berufsfelder und Industrien in rascher Folge zerstören. Und sie liefert autoritären Regimen wie China, Iran oder Nordkorea Werkzeuge, um noch repressiver zu werden.
Im Arbeitsmarkt werden Verwaltungsstellen durch KI-Agenten ersetzt. Einfache Produktionsprozesse werden Robotern mit integrierter KI überlassen. Softwareunternehmen werden bis auf ihre lizenzierten Schutzrechte verschwinden. Programmierung, Entwicklung und Software-Engineering werden weitgehend von einer kleinen Gruppe Menschen begleitet, die autonome Systeme trainieren und beaufsichtigen.
All diese Bereiche stehen vor radikalen Umbrüchen – ob sie es wissen oder nicht.
Während staatliche Ebenen noch über „KI-Sicherheitsrahmen“ diskutieren, rast die Technologie mit Warp-Geschwindigkeit davon. Bis der Kongress die nächste Anhörung abhält, könnten bereits ganze Industrien umgestaltet sein.
Auch die etablierten Medien wirken orientierungslos. KI bedroht ihre Jobs ebenso. Dadurch entsteht eine erhebliche Informationslücke zwischen dem tatsächlichen Stand der Technik und dem, was die breite Öffentlichkeit darüber glaubt.
Die unbequeme Frage lautet: Was geschieht mit Millionen Arbeitskräften, deren Jobs automatisiert werden? Technologische Optimisten verweisen darauf, dass neue Jobs entstehen werden – historisch stimmt das. Doch die Geschwindigkeit dieses Wandels ist beispiellos. Es geht nicht um Jahrzehnte, sondern um Jahre oder Monate. KI wird unsere wirtschaftlichen Grundüberzeugungen auf die Probe stellen und den Arbeitsmarkt zeitweise in einen Wilden Westen verwandeln.
Wer in dieser neuen Ära bestehen will, muss früh und intensiv mit der Technologie arbeiten. Nicht an einem einzelnen Modell festhalten, sondern das Feld als Ganzes verstehen und täglich damit interagieren.
Die Flutwelle ist da – und sie wartet nicht darauf, ob Sie bereit sind. Warten Sie nicht auf staatliche Hilfe. Warten Sie nicht auf Umschulungen Ihres Arbeitgebers. Warten Sie nicht auf Erklärungen der Medien. Wenn diese Institutionen aufholen, hat sich der Boden bereits verschoben.
Es ist Zeit, sich mit KI ernsthaft auseinanderzusetzen.
KI ist die nächste Disruption auf Covid-Niveau – nur ohne Rückweg
