Mark van den Oever schlägt Alarm
Bert Weteringe
Die Preise für Lebensmittel werden durch den Krieg im Nahen Osten explodieren, prognostiziert Mark van den Oever. Laut dem Vorsitzenden von Farmers Defence Force ist das die unvermeidliche Folge der hohen Treibstoff- und Düngemittelpreise. Er ist der Meinung, dass die niederländische Bevölkerung und die Bauern – wie in Ireland – von der Regierung verlangen müssten, die Verbrauchssteuern zu senken, hat jedoch wenig Hoffnung, dass dies geschehen wird. „Die Basis ist bis auf die Knochen gespalten.“
Durch den Krieg im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus, die nun bereits sechs Wochen andauert, sind nicht nur die Treibstoffpreise stark gestiegen, auch Gas und Düngemittel sind deutlich teurer geworden. Der Preis des Düngemittels Harnstoff stieg sogar um 50 Prozent. Laut Mark van den Oever von der Bauerninteressenvertretung Farmers Defence Force werden all diese Preissteigerungen im nächsten Jahr einen starken Anstieg der Lebensmittelpreise verursachen. In einem aktuellen Vlog auf dem YouTube-Kanal von Farmers Defence Force spricht er von „explosiven Preissteigerungen“.
Seine Prognose wird im neuesten Bericht über Verbraucherlebensmittel von Rabobank Research, dem Wissenszentrum der Rabobank, bestätigt. In dem Bericht, der am 3. April erschien, heißt es, dass die höheren Preise für Treibstoff, Energie und Düngemittel „in einer Lebensmittelinflation von 5 bis 10 Prozent im Jahr 2027 münden werden“. Laut Van den Oever ist dies zu optimistisch. „Lebensmittel werden eher um 20 Prozent teurer werden, aber es könnten genauso gut 30 Prozent sein, weil die Preissteigerungen in allen Gliedern der Lebensmittelkette durchwirken.“
Ergänzend erhält die Warnung vor explodierenden Lebensmittelpreisen nun auch Rückendeckung aus dem etablierten Finanzsektor. Die Forschungsabteilung der Rabobank, einer der wichtigsten Agrarbanken Europas, erwartet in ihrer aktuellen Analyse, dass die Energiekrise infolge des Nahostkriegs spätestens Ende 2026 voll auf Supermärkte und Gastronomie durchschlagen wird. Für 2027 rechnet RaboResearch mit einer Lebensmittelpreisinflation von rund 7 Prozent – in schärferen Szenarien sogar mit deutlich höheren Belastungen. (Rabobank)
Besonders alarmierend ist die Begründung: Durch die anhaltenden Störungen rund um die Straße von Hormus seien Öl, Gas und Diesel massiv verteuert worden. Laut Rabobank liegt Brent-Öl inzwischen rund 60 Prozent über dem Niveau vor dem Konflikt, Gaspreise sogar etwa 70 Prozent höher. Diese Kosten treffen zuerst Transport, Kühlung, Düngemittelproduktion, Gewächshäuser und Verarbeitung – und landen mit zeitlicher Verzögerung direkt auf dem Kassenzettel der Verbraucher.
Damit bestätigt sich die Warnung von Mark van den Oever, der bereits vor „explosiven Preissteigerungen“ warnte. Während Rabobank noch von durchschnittlich 5 bis 10 Prozent ausgeht, hält der Bauernvertreter Preisaufschläge von 20 bis 30 Prozent für realistisch, weil sich die Verteuerung durch sämtliche Stufen der Nahrungskette frisst – vom Feld über Lagerung und Logistik bis ins Regal.
Besonders brisant: Laut Rabobank sind viele Haushalte bereits am Limit. Nach Jahren hoher Inflation seien Lebensmittel in den Niederlanden bereits rund 33 Prozent teurer als Anfang 2021. Weitere Preisschübe könnten dazu führen, dass Verbraucher nicht mehr auf günstigere Alternativen ausweichen können, sondern schlicht weniger kaufen.
Was derzeit im Nahen Osten geschieht, könnte damit schon bald in Europas Einkaufswagen ankommen. Der Krieg um Energie und Seewege droht sich in einen Krieg gegen die Kaufkraft zu verwandeln.
