Am 20. März 2015 erhielt Jeffrey Epstein einen Entwurf der Tagesordnung für ein Treffen mit dem Titel „Preparing for Pandemics“. Geplant war eine hochrangige Zusammenkunft mit dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Zwei Wochen später hielt Bill Gates seinen inzwischen berühmten TED-Talk mit dem Titel „The Next Outbreak? We’re Not Ready.“
Doch die internen Planungsdokumente zu dem Genfer Treffen liefen zuvor über Jeffrey Epstein.
Ein UN-naher Thinktank, eine Nacht-E-Mail und ein geschwärzter Empfänger
Die E-Mail mit dem Entwurf stammte vom International Peace Institute (IPI), einem UN-nahen Thinktank unter der Leitung von Terje Rød-Larsen, der Epstein selbst als seinen „besten Freund“ bezeichnete.
IPI-Mitarbeiter Walter Kemp schrieb an Rød-Larsen:
„Lass uns die nächsten Schritte besprechen, zum Beispiel wie wir WHO und IKRK offiziell einbinden können (d. h. Co-Branding).“
„Ich hoffe, wir kriegen das hin!“
Das entsprechende Dokument ist unter der Kennung EFTA00861674 in den veröffentlichten Epstein-Akten verzeichnet.
Um 2:33 Uhr morgens leitete Rød-Larsen die E-Mail an Epstein weiter. Zehn Stunden später leitete Epstein sie an einen geschwärzten Empfänger weiter.
Er war nicht nur Empfänger sensibler Planungsdokumente – er fungierte als Weiterleitungsstelle an bislang unbekannte Dritte.
Die angehängte Datei trug den Titel: „18032015_Geneva_meeting_on_pandemics_Agenda.docx“.
Das Genfer Treffen – und die Verbindung zur Gates Foundation
Das Treffen fand am 12. September 2015 im Palais des Nations in Genf statt, dem europäischen Hauptsitz der Vereinten Nationen.

Zu den Eröffnungsrednern gehörten der Präsident des IPI, der Generaldirektor der WHO und der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.
Auf der Website des IPI heißt es, die Veranstaltung „baut auf der Arbeit des IPI zu Frieden und Gesundheit auf, insbesondere auf der Zusammenarbeit mit der Bill and Melinda Gates Foundation.“
Damit wird eine institutionelle Verbindung zwischen IPI, WHO, Rotem Kreuz und der Gates Foundation explizit dokumentiert.
Ein fünfjähriger Geheimdienstkanal
Insgesamt 16 Dokumente aus den Epstein-Akten zeichnen ein wiederkehrendes Muster nach: Rød-Larsen leitete über mindestens fünf Jahre hinweg vertrauliche Polio-bezogene Informationen der Gates Foundation an Epsteins privates Gmail-Konto weiter.
Diese Dokumente waren keine gewöhnlichen Gesundheitsberichte. Sie enthielten politische und sicherheitsrelevante Geheimdienstinformationen:
– Verhandlungspläne mit den Taliban
– Einschätzungen des pakistanischen Militärs
– Analysen zu Auswirkungen von Drohnenangriffen
– Briefing-Notizen für Treffen mit Bill Gates
Ein Dokument, gekennzeichnet als „Streng vertraulich“ (EFTA02717812), wurde trotz entsprechender Einstufung weitergeleitet.

Ein weiterer Bericht über den ersten Selbstmordanschlag im Zusammenhang mit Polio – mit vier Toten – trug die Betreffzeile:
„Dringend, Vertraulich, bitte an Bill Gates weiterleiten.“
Statt direkt an Gates ging das Dokument an Jeffrey Epstein (EFTA00864113).
Material, das für Bill Gates bestimmt war, wurde über einen verurteilten Sexualstraftäter übermittelt.
Epsteins Anspruch auf Kontrolle
Epstein war dabei keineswegs passiv. Als Rød-Larsen die Zuschusskorrespondenz zwischen IPI und der Gates Foundation weiterleitete, antwortete Epstein:
„Schicke nichts mehr, absolut nichts! ohne dass ich es vorher sehe, nicht danach.“
Das Dokument EFTA00972411 legt nahe, dass Epstein redaktionelle Kontrolle über die Kommunikation zwischen IPI und der Gates Foundation einforderte.
Finanzströme und Ermittlungen
Auch die finanziellen Verbindungen werfen Fragen auf:
– 2,5 Millionen Dollar Zuschuss von der Gates Foundation an das IPI (Oktober 2013)
– 130.000 Dollar Privatdarlehen von Epstein an Rød-Larsen (2013)
– 250.000 Dollar Zahlung von Epstein an Rød-Larsen (2015)
– 10 Millionen Dollar aus Epsteins Testament an die Kinder von Rød-Larsen
Die norwegische Polizei ermittelt inzwischen gegen Rød-Larsen wegen des Verdachts auf „schwere Korruption“.
Von Polio zur Pandemiearchitektur
Die Pandemie-Planungs-E-Mail datiert vom 19.–20. März 2015.
Am 21. März – einen Tag später – leitete Rød-Larsen erneut ein vertrauliches Polio-Briefing an Epstein weiter. Das Dokument begann mit den Worten:
„BMGF [Bill and Melinda Gates Foundation] hat Informationen angefordert, hiermit.“
Innerhalb von 72 Stunden erhielt Epstein sowohl Planungsdokumente zur globalen Pandemiearchitektur als auch von der Gates Foundation angeforderte Geheimdienstinformationen (EFTA00670728).
Bereits im September 2014 hatte Rød-Larsen Epstein ein Konzeptpapier für ein „Nexus Centre for peace and health“ – aktualisiert im Kontext von Ebola – weitergeleitet (EFTA02683658).
Dieses Konzeptpapier gilt als Blaupause.
Das Treffen im März 2015 in Genf war die Umsetzung.
Die WHO-Veranstaltung im September 2015 war der offizielle Start.
Epstein war in jeder Phase eingebunden.
Von 2015 bis 2025 – institutionelle Kontinuität
Die Arbeit des IPI zur Pandemievorsorge setzte sich über COVID-19 hinaus fort. Das IPI unterstützte Verhandlungen zum WHO-Pandemieabkommen, das im Mai 2025 verabschiedet wurde.
Der institutionelle Rahmen, der 2015 geplant wurde – mit Dokumenten, die über Epstein liefen – prägte somit die globale Pandemie-Governance der folgenden Jahre.

Noch im Januar 2018 vermittelte Epstein Kontakte zwischen Rød-Larsen und Gates’ Umfeld in Davos:
„Terje Larsen fragte, ob Bill morgen in Davos ein paar Minuten erübrigen könnte. Erinnerung: arbeitete für ihn an Polio.“
Das Dokument EFTA02534783 belegt: Fünf Jahre nach Beginn des dokumentierten Kanals war Epstein weiterhin aktiv – und nutzte Polio als Referenz und Zugangspunkt.
Die offene Kernfrage
Öffentlich wird häufig gefragt: „Wusste Bill Gates von Epstein?“
Die Dokumente legen jedoch eine andere, strukturell tiefere Frage nahe:
Wie wurde ein verurteilter Sexualstraftäter zum nicht offengelegten Gatekeeper für vertrauliche Gesundheits- und Sicherheitsinformationen, für Pandemie-Planung und institutionelle Architektur unter Beteiligung der WHO, des Roten Kreuzes und der größten privaten Stiftung der Welt?
Und wer untersucht diese Frage umfassend?
