Die Kraftstoffpreise in Deutschland erreichen immer neue Höhen – die Zwei-Euro-Marke wurde längst geknackt. Dies führt dazu, dass viele Autofahrer zum Tanken in Nachbarländer wie Polen oder Tschechien fahren, denn dort ist der Sprit dank bürgerfreundlicherer Steuerpolitik um einiges günstiger. Der Zoll hat die sogenannten Tank-Touristen nun ins Visier genommen und die Kontrollen an den Grenzen verstärkt.
Seit Beginn des Iran-Krieges steigen die Spritpreise vor allem in Deutschland immer weiter an – Superbenzin kostet mittlerweile im Schnitt über 2 Euro pro Liter, Diesel zum Teil schon rund 2,11 Euro. In Polen liegt der Preis derzeit teilweise 30–60 Cent, manchmal sogar um die 65 Cent pro Liter niedriger. Dies hat zu einem Boom des “Tank-Tourismus” geführt, mit langen Schlangen an polnischen Tankstellen und nun zu verstärkten Zollkontrollen an den Grenzen – besonders an den Grenzübergängen in Brandenburg, Sachsen und Bayern nach Polen und Tschechien werden Stichproben gemacht.
Dabei gilt, dass zusätzlich zur Tankfüllung nur ein Reservekanister bis 20 Liter desselben Kraftstoffs (also passend zum Fahrzeug) erlaubt ist. Alles darüber hinaus gilt als gewerbliche Einfuhr und muss verzollt werden. Wenigstens hier funktionieren die “Grenzkontrollen”, könnte man meinen.
Doch warum sind Benzin und Diesel in Nachbarländern so viel billiger, obwohl alle vom selben Ölmarkt abhängen? Da es zurzeit keine Knappheit gibt und der aktuell an den Zapfsäulen verkaufte Sprit aus Lagerbeständen stammt und lange vor dem Iran-Krieg eingekauft wurde, sind die ständig steigenden Preise der Habgier der Mineralölkonzerne und des Staats geschuldet. Entsprechende Vorwürfe von Autofahrern, Tankstellenbetreibern und Politikern wurden bereits laut – von “Abzocke” ist die Rede. Dass Berlin etwas gegen die Preistreiberei unternimmt, ist unwahrscheinlich, verdient der Staat daran durch horrende Steuern doch fleißig mit. Den Vogel abgeschossen hat bereits SPD-Umweltminister Carsten Schneider: Er riet Bürgern, die sich den Sprit nicht mehr leisten können dazu, sich ein E-Auto zu kaufen (wir berichteten).
Diese hohe Abgabenlast ist eine bewusste politische Entscheidung. In Deutschland schlägt die Energiesteuer (ehemalige Mineralölsteuer plus Ökosteuer) bei Benzin mit 65,45 Cent pro Liter zu Buche, bei Diesel sind es 47,04 Cent. Die nationale CO2-Abgabe in Deutschland liegt in diesem Jahr bei 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid. Damit beträgt die CO2-Steuer derzeit 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent pro Liter Diesel. Die Preissteigerungen, die die CO2-Steuer in den vergangenen Jahren verursacht hat, sind da noch nicht eingerechnet.
Auf den gesamten Preis, inklusive dieser Steuern, wird dann noch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent erhoben. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte des Endpreises in Deutschland besteht aus Steuern und Abgaben. Im Vergleich dazu sind die Belastungen in Nachbarländern aufgrund niedrigerer Steuern und geringerer CO2-Abgaben deutlich niedriger. Für Verbraucher lohnt sich eine Fahrt nach Polen sogar noch mit 80 Kilometern Anfahrt, der Tank-Tourismus wird daher anhalten. Dass die Behörden hier mit Erziehungsmethoden und Kontrollen eingreifen, damit dem Staat kein Geld entgeht, wirkt bezeichnend.
Deutschland kann plötzlich doch Grenzkontrollen: Zoll kontrolliert Tank-Touristen
