Während westliche Medien die Konflikte gegen Russland, Iran und China meist getrennt behandeln, argumentiert der geopolitische Analyst Brian Berletic, dass all diese Krisen Teil einer einzigen langfristigen Strategie seien. In einem ausführlichen Interview beschreibt der ehemalige US-Marine und Betreiber des Kanals The New Atlas den aktuellen geopolitischen Konflikt als eine moderne Version des „Great Game“ – eines globalen Machtkampfes um Handelsrouten, Energie, Einflusszonen und die Zukunft der Weltordnung.
Seine zentrale These:
Die USA versuchen nicht mehr primär, Frieden oder Stabilität aufrechtzuerhalten — sondern den Aufstieg konkurrierender Machtzentren zu sabotieren, bevor die amerikanische Vorherrschaft endgültig zerbricht.
„Das eigentliche Ziel ist China“
Berletic macht gleich zu Beginn klar:
Iran, Russland und China seien keine getrennten Konflikte — sondern Teile eines einzigen geopolitischen Gesamtbildes.
Seiner Ansicht nach richtet sich die gesamte US-Strategie letztlich gegen China.
Russland solle geschwächt werden:
- durch Sanktionen,
- NATO-Ausweitung,
- Angriffe auf Energieinfrastruktur,
- und den Ukrainekrieg.
Iran wiederum werde:
- militärisch,
- wirtschaftlich
- und geopolitisch
unter Druck gesetzt, um Chinas Energieversorgung zu destabilisieren.
Denn:
China ist massiv von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig.
Berletic argumentiert:
Die Konflikte in Eurasien seien daher kein Zufall —
sondern Teil eines umfassenden Versuchs, Chinas langfristigen Aufstieg zu bremsen.
Diplomatie als Werkzeug der Eskalation
Besonders scharf kritisiert Berletic die amerikanische Diplomatie.
Die USA würden Gespräche nicht führen, um Konflikte zu lösen —
sondern um Zeit zu gewinnen, Narrative aufzubauen und weitere Eskalationen vorzubereiten.
Er verweist dabei:
- auf die Ukraine,
- auf Iran,
- und auf Taiwan.
Immer wieder würden westliche Politiker öffentlich von „Verhandlungen“ sprechen,
während gleichzeitig:
- Waffen geliefert,
- Militärallianzen ausgebaut,
- Sanktionen verschärft
- und Konflikte vertieft würden.
Berletic beschreibt dies als eine Strategie des „Doppelspiels“:
Nach außen Diplomatie —
im Hintergrund Eskalation.
„Die USA wollen keine Balance – sie wollen Dominanz“
Ein zentraler Punkt des Interviews:
Die Vereinigten Staaten würden keine multipolare Welt akzeptieren.
Berletic erklärt:
Washington strebe keine Balance der Mächte an —
sondern globale Vorherrschaft („primacy“).
Er verweist dabei auf:
- US-Strategiepapiere,
- RAND-Studien,
- Thinktank-Analysen
- und offizielle Regierungsdokumente,
in denen immer wieder offen über die Sicherung amerikanischer Dominanz gesprochen werde.
Die eigentliche Angst der USA sei laut Berletic:
Dass Eurasien wirtschaftlich zusammenwächst.
Vor allem:
- China,
- Russland,
- Iran,
- Zentralasien
- und Teile Europas
könnten gemeinsam einen Wirtschaftsraum bilden, der sich der amerikanischen Kontrolle entzieht.
Die Kontrolle der Handelsrouten
Besonders alarmierend ist Berletics Analyse der globalen Seewege.
Er argumentiert:
Die USA versuchen systematisch:
- Energieflüsse,
- Handelsrouten,
- Meerengen
- und maritime Knotenpunkte
unter Kontrolle zu halten.
Er nennt dabei:
- die Straße von Hormus,
- die Straße von Malakka,
- den Indischen Ozean,
- das Südchinesische Meer
- und sogar die Ostsee.
Laut Berletic wird derzeit faktisch eine globale maritime Druckstrategie aufgebaut:
- gegen russische Energie,
- gegen iranische Exporte,
- und indirekt gegen China.
„Die USA schaffen bewusst Instabilität“
Berletic geht noch weiter:
Washington versuche nicht mehr unbedingt, die Welt zu stabilisieren —
sondern sie kontrolliert zu destabilisieren.
Seiner Ansicht nach lautet die Logik:
Wenn die USA China wirtschaftlich nicht mehr einholen können,
dann müsse man:
- Lieferketten zerstören,
- Handelswege gefährden,
- Energiepreise destabilisieren
- und globale Unsicherheit erzeugen.
Das Ziel sei:
Den Aufstieg Chinas zu verlangsamen —
selbst wenn dies die Weltwirtschaft beschädigt.
Berletic formuliert es drastisch:
Die USA seien bereit,
„alles in Brand zu setzen“,
wenn dadurch ihre Vorherrschaft verlängert werden könne.
Die neue Energiekriegsführung
Ein großer Teil des Interviews dreht sich um Energie.
Berletic beschreibt,
wie Europa bereits durch:
- Sanktionen,
- Pipeline-Krisen,
- LNG-Abhängigkeit
- und die Zerstörung von Nord Stream
strategisch enger an die USA gebunden worden sei.
Nun werde dieselbe Strategie auf Asien übertragen.
Er verweist auf:
- die Krise in Hormus,
- Angriffe auf Schifffahrt,
- Druck auf Indonesien,
- militärische Präsenz rund um Malakka
- und den Versuch, asiatische Staaten stärker von US-Energieexporten abhängig zu machen.
Taiwan als „asiatische Ukraine“
Besonders brisant sind Berletics Aussagen zu Taiwan.
Er glaubt nicht,
dass Washington jemals ernsthaft an einer friedlichen Lösung interessiert war.
Vielmehr werde Taiwan systematisch:
- militärisch aufgerüstet,
- politisch instrumentalisiert
- und als Druckmittel gegen China benutzt.
Er bezeichnet Taiwan faktisch als:
eine potenzielle „asiatische Ukraine“.
Gemeinsam mit:
- Japan,
- Südkorea
- und den Philippinen
solle Taiwan in eine regionale Anti-China-Front eingebunden werden.
Der globale „schmutzige Krieg“
Berletic spricht mehrfach von einem bereits laufenden „Dirty War“ gegen China.
Damit meint er:
- Sabotage,
- Wirtschaftskrieg,
- politische Einflussoperationen,
- Unterstützung bewaffneter Gruppen,
- Angriffe auf Infrastrukturprojekte der Belt-and-Road-Initiative,
- sowie Destabilisierung entlang chinesischer Handelsrouten.
Er nennt Beispiele aus:
- Myanmar,
- Pakistan,
- Afghanistan
- und Zentralasien.
Insbesondere chinesische Infrastrukturprojekte würden laut ihm gezielt unter Druck gesetzt.
Die eigentliche Angst Washingtons
Berletic beschreibt die größte amerikanische Sorge so:
China könnte dauerhaft stärker werden als die USA —
und eine multipolare Ordnung schaffen, in der Washington nicht mehr dominieren kann.
Genau deshalb versuche man:
- Russland zu schwächen,
- Iran zu isolieren,
- Handelswege zu kontrollieren,
- Bündnisse zu militarisieren
- und Eurasien gespalten zu halten.
„Wie viel Schaden wird die USA noch anrichten?“
Das düsterste Element des Interviews ist jedoch Berletics Schlussfolgerung.
Er glaubt:
Das amerikanische Imperium befinde sich bereits in einer Phase strukturellen Niedergangs.
Die entscheidende Frage sei nicht mehr,
ob die US-Vorherrschaft endet —
sondern:
Wie viel Schaden dabei noch angerichtet wird.
Berletic warnt ausdrücklich davor,
die Eskalationsbereitschaft Washingtons zu unterschätzen.
Er verweist:
- auf Diskussionen über Atomwaffen,
- auf die massive Militarisierung Asiens,
- auf die zunehmende Konfrontation mit Russland,
- und auf die Bereitschaft, globale Wirtschaftskrisen in Kauf zu nehmen.
Das eigentliche Fazit
Zwischen den Zeilen beschreibt Berletic eine Welt am Übergang:
- vom amerikanisch dominierten Unipolarismus,
- hin zu einer multipolaren Ordnung.
Doch dieser Übergang verlaufe nicht friedlich.
Seiner Einschätzung nach versucht Washington:
- den Wandel zu verzögern,
- Rivalen zu schwächen,
- Handelsrouten zu kontrollieren,
- Eurasien gespalten zu halten
- und geopolitische Konkurrenten gegeneinander auszuspielen.
Der Konflikt gegen Iran,
die Eskalation gegen Russland
und die Einkreisung Chinas
seien deshalb keine getrennten Krisen —
sondern Fronten desselben globalen Machtkampfes.
