Löbau (Sachsen) – AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla (50) hatte im Vorfeld des Parteitages seines sächsischen Heimatlandesverbandes eine Ansage angekündigt. Und die Ansage kam – zwar auch an seine eigenen Leute („Müssen uns zur Regierungspartei entwickeln!“) – vor allem aber in der Außenpolitik. „Regieren bedeutet auch riskieren. Wer nichts riskiert, wird auch nichts gewinnen“, sagte Chrupalla zu Beginn vor den Delegierten. Seine zentrale Botschaft: Die AfD dürfe sich nicht länger mit der Rolle als Protestpartei zufriedengeben – sie müsse den nächsten Schritt gehen und zur echten Machtoption werden.

Dafür brauche es aus seiner Sicht eine neue Haltung innerhalb der Partei. „Die richtige Mischung aus Geduld und auch Ungeduld“ sei entscheidend. Gleichzeitig forderte er mehr Entschlossenheit: Wer gestalten wolle, müsse auch bereit sein, Risiken einzugehen und Verantwortung zu übernehmen.

Das große Ziel: das Jahr 2029! Spätestens dann solle die AfD den Durchbruch schaffen – auf allen Ebenen und am besten dreifach regieren – im Land, im Bund und in den Kommunen. „Gewinnen und den Ministerpräsidenten stellen, (…) den Kanzler stellen“, mit Sachsen als entscheidendem Ausgangspunkt, so Chrupalla.

US-Truppen raus aus Deutschland!

Brisant wurde es dann bei der Außenpolitik. Immer wieder hatte der Sachse Chrupalla zuletzt außenpolitische Vorstöße unternommen und dabei selbst bei den eigenen Leuten für Augenrollen gesorgt. So sei etwa Putin keine Gefahr, weil der ihm persönlich nichts getan habe, oder die Nato diene zu stark amerikanischen Interessen.

Während im Parteiprogramm noch vom „Abzug aller alliierten Truppen und Atomwaffen“ aus Deutschland die Rede ist, forderte Chrupalla in Löbau nun auch konkret den Abzug amerikanischer Truppen. „Fangen wir an, das umzusetzen – mit dem Abzug der US-Truppen aus Deutschland“, sagte er. Deutschland solle sich nicht länger in internationale Konflikte hineinziehen lassen und eine eigenständigere Rolle einnehmen. Als Beispiel führte er Spanien an. Das sperre seine US-Basen für Einsätze gegen den Iran. Für Chrupalla ein Modell, an dem sich Deutschland orientieren müsse. Zugleich kritisierte er internationale Militäreinsätze scharf und stellte sich grundsätzlich gegen Einmischung in Konflikte wie im Nahen Osten.

Damit ging Chrupalla erneut auf Konfrontationskurs zur aktuellen US-Regierung, nachdem er 2025 noch zur Amtseinführung von Trump reiste und dort posierte.

Auch innenpolitisch teilte der AfD-Chef in seiner Rede kräftig aus. Er warf der Bundesregierung vor, mit Schuldenpolitik, Steuerplänen und Sozialausgaben die falschen Prioritäten zu setzen. Besonders die arbeitende Bevölkerung werde belastet, während staatliche Mittel aus seiner Sicht falsch verteilt würden. Chrupalla kritisierte unter anderem Diskussionen über Steuererhöhungen sowie Sozialleistungen für ausländische Empfänger.

Das Thema Migration verschwindet Stück für Stück aus den Schlagzeilen. Chrupalla scheint mit der Energiepolitik das nächste große AfD-Thema ausgemacht zu haben. Energiepolitik sei die „Mutter aller Probleme“, so der Sachse. Die Regierung müsse jetzt handeln, sich an Österreich, Polen oder Italien ein Beispiel nehmen und die Mehrwertsteuer auf Sprit senken sowie die CO₂-Bepreisung abschaffen.