Seit Jahrzehnten lautet die Botschaft von Gesundheitsbehörden, Dermatologen und der Kosmetikindustrie: Sonnencreme schützt vor Hautkrebs. Doch eine groß angelegte britische Studie auf Basis der UK Biobank sorgt nun für Diskussionen. Die Auswertung von mehr als 470.000 Teilnehmern ergab einen überraschenden Zusammenhang: Menschen, die angaben, regelmäßig Sonnenschutz zu verwenden, wiesen ein deutlich höheres Risiko für verschiedene Formen von Hautkrebs auf – selbst nachdem zahlreiche bekannte Risikofaktoren statistisch berücksichtigt worden waren.
Die Studie beweist nicht, dass Sonnencreme Hautkrebs verursacht. Sie wirft jedoch Fragen auf, die angesichts der Größe der Untersuchung kaum einfach beiseitegeschoben werden können.
Auffälliger Zusammenhang bei allen drei Hautkrebsarten
Die Wissenschaftler analysierten Daten von mehr als 470.000 Teilnehmern der UK Biobank und verglichen deren Angaben zum Sonnenschutz mit späteren Hautkrebsdiagnosen.
Das Ergebnis fiel überraschend aus:
- Das Risiko für ein malignes Melanom war bei regelmäßigen Anwendern statistisch um rund 292 Prozent höher.
- Beim Basalzellkarzinom lag der Zusammenhang bei rund 140 Prozent.
- Beim Plattenepithelkarzinom bei etwa 126 Prozent.
Dabei korrigierten die Forscher ihre Berechnungen unter anderem für Alter, Geschlecht, Hauttyp, Haarfarbe, Bräunungsfähigkeit, Sonnenbrände in der Kindheit, Solariumbesuche und die Zeit, die im Freien verbracht wurde. Dennoch blieb der statistische Zusammenhang bestehen.
Die Autoren sprechen nicht von einem Beweis
Die Wissenschaftler selbst betonen ausdrücklich, dass ihre Untersuchung keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen kann.
So könnte es sein, dass Menschen mit besonders empfindlicher Haut oder einem ohnehin erhöhten Hautkrebsrisiko häufiger zu Sonnenschutz greifen. Ebenso lässt sich aus den Daten nicht erkennen, welche Art von Sonnenschutz verwendet wurde. Die Kategorie „Sun/UV Protection“ umfasst verschiedene Schutzmaßnahmen und unterscheidet nicht zwischen mineralischen und chemischen Sonnenschutzmitteln oder anderen Formen des UV-Schutzes.
Dennoch bleibt die Frage bestehen, warum der Zusammenhang selbst nach umfangreichen statistischen Korrekturen weiterhin so deutlich sichtbar war.
Ein Thema, das seit Jahren kontrovers diskutiert wird
Der Epidemiologe Nicolas Hulscher sieht in der Studie einen Anlass, die bisherigen Empfehlungen kritisch zu hinterfragen. Er verweist darauf, dass viele konventionelle Sonnenschutzmittel chemische UV-Filter wie Oxybenzon, Octocrylen oder Homosalat enthalten. Einige dieser Stoffe wurden in anderen Untersuchungen im Blut, Urin oder sogar in der Muttermilch nachgewiesen und stehen seit Jahren wegen möglicher hormoneller Wirkungen in der wissenschaftlichen Diskussion.
Erhöht Sonnencreme tatsächlich das Risiko für Hautkrebs? Epidemiologe. Nicolas Hulscher analysiert eine neue Studie mit über 470.000 Personen, die ergab, dass Sonnencreme-Nutzer dramatisch höhere Raten aller großen Hautkrebsarten aufwiesen. Schauen Sie sich The Matt Gaetz Show heute auf YouTube TV an!
Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren bei einzelnen Sonnenschutzprodukten Benzolverunreinigungen festgestellt wurden. Benzol gilt als krebserregender Stoff, wobei es sich dabei um Produktionsverunreinigungen und nicht um einen regulären Bestandteil von Sonnenschutzmitteln handelt.
Diese Aspekte wurden in der britischen Studie allerdings nicht untersucht.
Wird ein wichtiges Thema zu wenig hinterfragt?
Seit Jahrzehnten konzentrieren sich öffentliche Kampagnen fast ausschließlich auf die Botschaft: Sonne vermeiden, Sonnenschutz verwenden, möglichst hoher Lichtschutzfaktor.
Deutlich seltener wird darüber gesprochen, dass Sonnenlicht gleichzeitig die wichtigste natürliche Quelle für die körpereigene Vitamin-D-Bildung ist oder dass ein gesunder Umgang mit der Sonne mehr umfasst als das bloße Auftragen von Sonnencreme.
Die neue Studie stellt die bisherigen Empfehlungen nicht auf den Kopf. Sie zeigt jedoch, dass das Zusammenspiel zwischen UV-Strahlung, individueller Genetik, Hauttyp und Sonnenschutz offenbar komplexer ist, als oft dargestellt wird.
Zeit für eine offene wissenschaftliche Debatte
Die britische Untersuchung liefert keinen Beweis dafür, dass Sonnencreme Hautkrebs verursacht. Sie liefert aber einen statistisch auffälligen Befund in einer der größten Datenauswertungen zu diesem Thema.
Gerade deshalb wäre es wissenschaftlich unredlich, die Ergebnisse zu ignorieren oder vorschnell abzutun. Ebenso unredlich wäre es allerdings, aus der Studie einen Beweis gegen Sonnenschutz abzuleiten.
Was die Untersuchung vor allem zeigt, ist etwas anderes: Ein seit Jahrzehnten als wissenschaftlich geklärt geltendes Thema verdient offenbar eine neue, offene und ideologiefreie Diskussion. Bei mehr als 470.000 ausgewerteten Datensätzen sollte die wissenschaftliche Reaktion nicht darin bestehen, unbequeme Ergebnisse reflexartig wegzuerklären, sondern sie sorgfältig zu prüfen und gegebenenfalls weitere unabhängige Studien auf den Weg zu bringen.
