27. Juni 2026

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Burkina Faso stoppt Gates-finanzierte Genmücken-Forschung

 

Burkina Faso hat ein von westlichen Stiftungen (darunter der Gates Foundation) finanziertes umstrittenes Forschungsprojekt mit gentechnisch veränderten Mücken abrupt beendet. Wenige Tage nach einer kontrollierten Freisetzung in einem Dorf nahe Bobo-Dioulasso wurden die Labore versiegelt und sämtliche Aktivitäten von Target Malaria untersagt.

Seit 2012 arbeitete Target Malaria in Burkina Faso am staatlichen Institut de Recherche en Sciences de la Santé, kurz IRSS. Das international vernetzte Projekt, an dem unter anderem das Imperial College London beteiligt ist und das Gelder der Gates Foundation sowie von Open Philanthropy erhielt, verfolgte ein weithin scharf kritisiertes Ziel: Die Übertragung von Malaria sollte durch eine „Gene Drive“-Technologie genetisch veränderte Anopheles-Mücken langfristig eingedämmt werden.

Am 11. August 2025 kam es im Dorf Souroukoudingan zu einer zweiten Freisetzung, nachdem man bereits im Jahr 2019 mehrere tausend Moskitos in die freie Wildbahn freiließ – darunter 6.400 genetisch veränderte sterile Männchen und etwa 8.500 nicht veränderte Vergleichsmücken. Freigesetzt wurden dabei erneut genetisch veränderte männliche Mücken, jedoch aus einer sogenannten „male-bias“-Linie. Diese sollten überwiegend männliche Nachkommen erzeugen und dadurch langfristig die Zahl der weiblichen Mücken reduzieren, denn nur Weibchen stechen Menschen und übertragen Malaria und andere Krankheiten.

Diese Versuche waren Vorbereitungen auf die Freisetzung von genetisch manipulierte Mücken, mit langfristigen Einflüssen auf den Genpool der Insekten. Ein solcher „Gene Drive“ ist darauf ausgelegt, ein genetisches Merkmal besonders effektiv durch eine Wildpopulation weiterzugeben. Eine solche Technik könnte sich über Generationen ausbreiten und wäre kaum wieder stoppen, sobald sie einmal in der Natur etabliert ist. Die damals freigesetzten Mücken waren nach Angaben des Projekts allerdings nicht selbstverbreitend. Nur eine Woche später griffen die Behörden durch. Am 18. August wurden die Anlagen des Projekts versiegelt. Vier Tage danach verkündete das Ministerium für Hochschulbildung, Forschung und Innovation das endgültige Aus aller Target-Malaria-Aktivitäten auf dem gesamten Staatsgebiet. Verbliebene Proben wurden nach einem festgelegten Protokoll mit Insektiziden vernichtet.

Berichte über einen Einsatz der Justizpolizei am IRSS-Labor schildern eine harte Vorgehensweise mit Durchsuchungen und versiegelten Büros. Aus Sicht der Wissenschaftler war dies ein demütigender Zugriff auf ein Projekt, das nach ihrer Darstellung über Jahre hinweg mit den zuständigen Behörden (jedoch unter der pro-westlichen Vorgängerregierung) zusammengearbeitet hatte. Target Malaria verwies darauf, dass die Freisetzung im Juli 2025 von der nationalen Biosicherheitsbehörde, der Umweltbehörde und einem Ethikkomitee genehmigt worden sei. Doch irgendwelche Genehmigungen auf dem Papier bedeuten nicht automatisch gesellschaftliche Akzeptanz.

Kritiker warnten seit Jahren vor unklaren ökologischen Langzeitfolgen, möglichen Auswirkungen auf Nahrungsketten und einer Forschung, deren Risiken vor allem die lokale Bevölkerung tragen müsste. Der Begriff des „wissenschaftlichen Neokolonialismus“ fiel nicht zufällig. Denn die Technologie wurde maßgeblich in westlichen Forschungszentren entwickelt und von großen Stiftungen finanziert. Erprobt werden sollte sie jedoch in einem der ärmsten und von Malaria am stärksten betroffenen Länder der Welt. Entscheidungen, Geld und technische Kontrolle liegen außerhalb Afrikas, die möglichen Nebenwirkungen jedoch treffen Menschen und Ökosysteme vor Ort.

Burkina Faso geht nun wieder den klassischen Weg der Malariabekämpfung, mit insektizidbehandelten Moskitonetzen und präventiven Maßnahmen. Diese Maßnahmen sind nicht perfekt. Moskitonetze können reißen, Insektizide verlieren durch Resistenzen an Wirkung, Impfungen schützen nicht vollständig und die Gesundheitsversorgung ist vielerorts schwach. Doch sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind kontrollierbar. Eine sich selbst verbreitende genetische Manipulation in der Natur wäre dagegen kaum mehr zurückzudrängen. Das arme afrikanische Land hat eine rote Linie gezogen.

 

Burkina Faso stoppt Gates-finanzierte Genmücken-Forschung