14. Juni 2026

ddbnews.org

produced by ae-radiostation.com

Seyed M. Marandi: EILMELDUNG: USA und Iran stehen kurz vor einem endgültigen Abkommen – das wissen wir bisher

 

Der iranische Professor Seyed Mohammad Marandi sieht die USA und den Iran näher an einem Abkommen als je zuvor. In einem ausführlichen Interview erklärte er, die Wahrscheinlichkeit eines Deals liege erstmals bei über 50 Prozent. Gleichzeitig warnte er: Noch sei nichts endgültig, denn mit Donald Trump und dem „Irrenhaus Weißes Haus“ könne jederzeit alles wieder kippen.

Im Zentrum steht nach Marandis Darstellung ein mögliches Memorandum, das nicht bei einer großen Zeremonie, sondern elektronisch unterzeichnet werden könnte. Genau das sei auch aus iranischer Sicht sinnvoll: Teheran müsse nicht mit amerikanischen Vertretern gemeinsam in einem Raum stehen. Auch Reuters berichtet, dass Verhandler der USA und Irans einem möglichen Abkommen nähergekommen seien, während Iran offiziell betont, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei.

Marandi beschreibt die Lage so: Vor zwei bis drei Wochen sei man bereits nahe an einer Einigung gewesen. Dann hätten die USA neue Forderungen gestellt, insbesondere in Richtung „Null-Anreicherung“. Der Iran habe dies abgelehnt. Danach hätten Washington und Israel militärischen Druck aufgebaut – Angriffe, Drohungen, Eskalation in der Straße von Hormus. Doch laut Marandi habe der Druck nicht funktioniert. Katarische Vermittler hätten Teheran schließlich mitgeteilt, dass Washington die zusätzlichen Forderungen zurückgezogen habe. Damit sei man im Grunde wieder an dem Punkt angelangt, an dem die Gespräche bereits vor Wochen standen.

Besonders wichtig ist für Marandi die Straße von Hormus. Nach seiner Darstellung sei sie zwar offiziell „offen“, praktisch aber unter iranischer Kontrolle. Er widerspricht amerikanischen Behauptungen, man habe Schiffe heimlich aus der Meerenge herausgebracht. Wenn das stimme, so Marandi, könnten die USA einfach die Namen dieser Schiffe nennen. Dass sie das nicht täten, zeige, dass die Darstellung nicht belastbar sei. Aus iranischer Sicht ist Hormus das zentrale Druckmittel: Wenn Washington oder Israel Vereinbarungen brechen, könne Teheran den Schiffsverkehr erneut blockieren oder kontrollieren.

Der mögliche Deal würde nach Marandis Einschätzung mehrere Punkte umfassen: Freigabe eines Teils eingefrorener iranischer Gelder, Aufhebung der Blockade, Lockerung oder Aussetzung von Energiesanktionen und eine spätere Verhandlungsphase über Nuklearfragen und Sanktionen. Besonders brisant: Die Frage des hochangereicherten Urans soll offenbar im Iran selbst gelöst werden. Das würde bedeuten, dass Washington faktisch akzeptieren müsste, dass iranische Anreicherungsanlagen weiter eine Rolle spielen – ein klarer Rückschlag für die amerikanische Forderung nach „Null-Anreicherung“.

Marandi betont außerdem, dass der Iran die Lage nach dem Krieg völlig anders einschätze als der Westen. In Teheran sehe eine Mehrheit den Konflikt als iranischen Sieg. Die USA und Israel hätten Iran nicht brechen können, weder militärisch noch psychologisch. Im Gegenteil: Viele Iraner seien nach den Angriffen selbstbewusster geworden, weil sie gesehen hätten, dass die USA nicht mehr unantastbar seien. Auch die Drohkulisse amerikanischer Flugzeugträger habe ihren Schrecken verloren.

Der Libanon bleibt laut Marandi ein entscheidender Teil des Pakets. Ein Abkommen könne es nur geben, wenn Israel seine Angriffe einstellt und sich vollständig aus dem Libanon zurückzieht. Iran werde nicht akzeptieren, dass Washington in einem Atemzug Frieden mit Teheran sucht und gleichzeitig Israel freie Hand in Libanon und Gaza lässt. Marandi formuliert es hart: Wenn Israel weiter bombardiert, bleibt Hormus geschlossen oder unter iranischer Kontrolle.

Damit zeichnet Marandi ein Bild, das Washington kaum gefallen dürfte: Nicht Trump diktiert die Bedingungen, sondern der Iran nutzt Hormus, Raketen, Drohnen und regionale Allianzen als Hebel. Die USA brauchen aus seiner Sicht einen Deal, weil der wirtschaftliche Druck der Hormus-Krise wächst und die militärische Option nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Das Fazit: Ein Deal ist möglich, vielleicht sogar näher als je zuvor. Aber er wäre kein amerikanischer Triumph, sondern ein Eingeständnis, dass Iran nicht militärisch niedergerungen werden konnte. Für Marandi beginnt damit eine neue Ära in Westasien: Die Zeit, in der USA und Israel angreifen konnten, ohne ernsthafte Folgen zu spüren, sei vorbei.

 

Seyed M. Marandi: EILMELDUNG: USA und Iran stehen kurz vor einem endgültigen Abkommen – das wissen wir bisher