Es ist ein Alarmsignal, das man nicht einfach abtun kann: 13 ehemalige Mitarbeiter von Palantir haben ihren einstigen Arbeitgeber öffentlich angeklagt. Nicht konkurrierende Unternehmen, keine politischen Gegner und keine Aktivisten – sondern Menschen, die das Unternehmen von innen kannten und mit aufgebaut haben.
In einem offenen Brief mit dem Titel The Scouring of the Shire werfen sie Palantir vor, „Autoritarismus unter dem Deckmantel einer von Oligarchen geführten Revolution zu normalisieren“. Sie warnen davor, dass das Unternehmen seine ursprünglichen Ideale verraten habe und zu einer Infrastruktur der Überwachung und staatlichen Repression geworden sei. (wbur.org)
Palantir wurde nach den Anschlägen vom 11. September gegründet und verstand sich einst als Werkzeug zur Terrorbekämpfung. Das Unternehmen versprach, Daten sinnvoll auszuwerten, ohne Bürgerrechte zu verletzen. Heute sehen ehemalige Mitarbeiter davon nur noch wenig.
Stattdessen liefert Palantir Software für Geheimdienste, Militärs, Polizeibehörden und Einwanderungsbehörden. Die Technologie wird genutzt, um Menschen zu identifizieren, Bewegungen nachzuverfolgen, Datenbanken zusammenzuführen und Entscheidungen mit Hilfe künstlicher Intelligenz zu unterstützen. In den USA arbeitet das Unternehmen seit Jahren mit der Einwanderungsbehörde ICE zusammen und entwickelt Systeme, die Abschiebungen effizienter machen sollen. Gleichzeitig baut Palantir seine Zusammenarbeit mit dem Militär weiter aus. (In These Times)
Die Kritik der ehemaligen Mitarbeiter richtet sich deshalb nicht gegen eine einzelne Software. Sie richtet sich gegen eine Unternehmensphilosophie.
Sie werfen der Führung um Alex Karp und Peter Thiel vor, jede ethische Grenze dem vermeintlich höheren Ziel westlicher Dominanz unterzuordnen. Technologien, die ursprünglich als Werkzeuge gedacht waren, würden zu Instrumenten einer Politik werden, die Überwachung ausweitet, Menschen kategorisiert und staatliche Macht effizienter macht.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Kritik aus dem Inneren des Konzerns kommt. Wer bei Palantir arbeitet, weiß, worauf er sich einlässt. Die Gehälter sind hoch, die Aufstiegschancen hervorragend und die Arbeit gilt als prestigeträchtig. Wenn dennoch Mitarbeiter öffentlich erklären, sie könnten diese Entwicklung nicht länger mittragen, dann sollte das zu denken geben.
Palantir weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen betont, seine Arbeit diene dem „Schutz westlicher Demokratien“ und sei unabhängig von politischen Mehrheiten. Die Gruppe ehemaliger Mitarbeiter stelle lediglich eine kleine Minderheit dar. Auch Palantir selbst erklärte, seine Mission bestehe darin, staatliche Institutionen bei legitimen Sicherheitsaufgaben zu unterstützen.
Doch die eigentliche Frage lautet nicht, ob Palantir sich im Rahmen geltender Gesetze bewegt. Die entscheidende Frage ist, welche Gesellschaft durch diese Technologien entsteht.
Wollen wir eine Zukunft, in der Regierungen mit Hilfe privater Konzerne riesige Datenmengen zusammenführen, Verhalten analysieren und Entscheidungen zunehmend automatisieren? Wollen wir akzeptieren, dass einige wenige Tech-Unternehmen zur digitalen Infrastruktur von Krieg, Grenzkontrolle und Überwachung werden?
Palantir ist längst mehr als ein Softwareunternehmen. Es ist ein Symbol für eine neue Machtkonzentration: eine Welt, in der Milliardäre, Technologie und Staatsgewalt immer enger miteinander verschmelzen.
Wenn selbst diejenigen, die diese Systeme mitentwickelt haben, davor warnen, dass hier Autoritarismus normalisiert wird, sollte die Öffentlichkeit genauer hinschauen.
Denn vielleicht ist die eigentliche Frage nicht mehr, was Palantir technisch leisten kann.
Sondern ob wir wirklich in einer Gesellschaft leben wollen, die es zulässt.
Palantir: Es ist schlimmer, als du denkst! (Double Down News – Deutsch) Direkt zum Video in Deutsch
