Nuklearer Brennstoff, in erster Linie Uran, ist angesichts des globalen Energiehungers nicht nur begehrt, sondern auch eine knappe Ressource. Ein US-Startup will nun abgebrannte Reaktorbrennstäbe recycleln – und bis zu 100 Mal mehr Energie daraus gewinnen. Dies würde viele Probleme lösen.
Die Anti-Atomkraft-Lobby verliert vielleicht bald eines ihrer Hauptargumente – nämlich die schwierige Endlagerung von abgebrannten Uranbrennstäben der Atomkraftwerke. Denn ein US-amerikanisches Startup-Unternehmen, das in New York ansässige BLSK Energy, will das Recycling des Atommülls zur Wiederaufbereitung kommerzialisieren. Dabei soll mit Hilfe der fortschrittlichen Pyroprozess-Technologie die Energieausbeute deutlich erhöht werden.
Pyroprocessing (oder pyrochemische Verarbeitung) ist ein metallurgisches Hochtemperaturverfahren, das die Wiederverwendung von Kernbrennstoff ermöglichen könnte. In Verbindung mit schnellen Reaktoren soll damit bis zu 100-mal mehr Energie aus Uran gewonnen werden. Damit könnten die Vereinigten Staaten (und andere Länder, die auf Kernenergie setzen) im Grunde genommen für lange Zeit energieunabhängig werden. Um das einmal in Relation zu setzen: Sollte tatsächlich dieses Maximum erreicht werden, würde alleine schon der bereits vorhandene Atommüll ausreichen, um den aktuellen Stromverbrauch der Vereinigten Staaten für ein Jahrhundert zu sichern.
Wahrscheinlicher als die theoretische Energieausbeute ist jedoch eine realistische Brennstoffausnutzung um den Faktor 20 bis 50 – zu verträglichen Kosten. Das heißt, wenn solche „schnellen Brüter“ auch nur 20 Prozent des heutigen Strombedarfs der Vereinigten Staaten decken, würde schon der bereits vorhandene Atommüll eine solche Basisversorgung für 100 bis 250 Jahre sicherstellen. Plus den jährlich zusätzlich anfallenden Atommüll aus dem laufenden Betrieb der US-amerikanischen Leichtwasserreaktoren.
Auch wenn man hier von Jahrzehnten an Entwicklung und Infrastruktur-Aufbau, sowie von vielen Milliarden Dollar an Investitionen sprechen muss, eröffnen sich hier neue Möglichkeiten. Immerhin besteht der Atommüll weiterhin zu etwa 96 Prozent aus Uran, sowie Plutonium und anderen radioaktiven Abfallprodukten. BLSK Energy will deshalb in Zusammenarbeit mit dem Argonne National Laboratory, welches diese Technologie entwickelte, eine Pilotanlage für dieses pyrochemische Verfahren errichten, welche bis zum Jahr 2034 fertiggestellt werden soll.
Für die Vereinigten Staaten wäre dies eine strategisch wichtige energiepolitische Entwicklung. Neben der massiven Reduktion des nuklearen Abfalls könnten die Amerikaner so auch einen erheblichen Anteil des im eigenen Land benötigten (und vor allem grundlastfähigen) Stroms quasi durch die „Resteverwertung“ sicherstellen. Während die Deutschen also lieber ihre eigenen Atomkraftwerke sprengen, fokussiert man sich in Übersee auf mehr Effizienz bei einer Technologie, die durchaus eine Zukunft hat.
