Brüssel greift nach dem Datenschatz der Bürger
Lange hieß es, die Europäische Union wolle Big Tech zügeln und die Privatsphäre der Menschen schützen. Nun zeigt sich ein anderes Bild: Ausgerechnet Brüssel arbeitet daran, dass Google bestimmte Suchdaten seiner Nutzer mit Dritten teilen muss. Offiziell geschieht das im Namen des Wettbewerbs. Tatsächlich geht es um den wertvollsten Rohstoff des digitalen Zeitalters: unsere Daten.
Im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) prüft die EU-Kommission Maßnahmen, die Google verpflichten könnten, Suchanfragen, Klickverhalten, Sichtbarkeitsdaten und Rankings über technische Schnittstellen an Wettbewerber weiterzugeben. Was technokratisch klingt, bedeutet in Wahrheit: Die Informationen, die Millionen Europäer täglich mit jeder Suche erzeugen, sollen künftig systematisch geöffnet werden.
Denn Suchdaten sind weit mehr als harmlose Zahlenkolonnen. Sie zeigen, wofür sich Menschen interessieren, wovor sie Angst haben, welche Krankheiten sie recherchieren, welche finanziellen Sorgen sie plagen, welche politischen Themen sie bewegen. Suchmaschinen kennen intime Seiten des Lebens oft besser als jedes soziale Netzwerk.
Brüssel verkauft den Vorstoß als Kampf gegen Monopole. Konkurrenz solle gefördert, Innovation ermöglicht werden. Doch Kritiker warnen: Selbst anonymisierte Datensätze lassen sich mit genügend Zusatzinformationen häufig wieder einzelnen Personen zuordnen. Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz steigt der Wert solcher Datenströme enorm.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Google reguliert werden soll. Die Frage lautet: Warum glaubt die EU-Kommission, dass mehr Datenteilung automatisch mehr Freiheit bedeutet?
Während Bürger immer strengere Datenschutzregeln einhalten müssen, scheint für staatlich gewünschte Marktumbauten plötzlich ein anderer Maßstab zu gelten. Wenn sensible Suchinformationen zur Verfügungsmasse geopolitischer Industriepolitik werden, ist Misstrauen mehr als verständlich.
Brüssel sagt, es gehe um Wettbewerb. Viele Europäer dürften erkennen: Am Ende geht es wieder einmal um ihre Daten.
