18. April 2026

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Colonel Douglas Macgregor: „Wir können die Straße von Hormus nicht kontrollieren“

 

In einem ausführlichen Gespräch mit dem Militäranalysten und ehemaligen Berater des Verteidigungsministeriums, Colonel Douglas Macgregor, analysiert der Moderator Daniel Davis die aktuelle US-Blockade der Straße von Hormus. Macgregor, hochdekorierter Kampfveteran und einer der schärfsten Kritiker der amerikanischen Außenpolitik, erklärt detailliert, warum diese Operation militärisch, strategisch und wirtschaftlich zum Scheitern verurteilt ist – und welche verheerenden Folgen sie für die USA und die Welt haben könnte.

Die Blockade und ihre historischen Vergleiche

Die Vereinigten Staaten haben eine Blockade der Straße von Hormus verhängt, um Iran unter Druck zu setzen. Präsident Trump hat diese Maßnahme angeordnet, obwohl sie historisch als Kriegsakt gilt.

Macgregor vergleicht die Situation mit der Kubakrise 1962: Damals standen acht Flugzeugträger, sechs bis zehn Kreuzer und eine riesige Flotte von Zerstörern bereit – alles in heimischen Gewässern, mit kurzen Versorgungswegen. Heute verfügt die US-Marine über deutlich weniger Schiffe. Der Flugzeugträger George Bush ist noch weit entfernt, und die aktuelle Präsenz beschränkt sich auf etwa ein Dutzend Kriegsschiffe.

Die Blockade wirkt auf dem Papier beeindruckend, in der Realität ist sie logistisch ein Albtraum.

Praktische Probleme der Umsetzung

Macgregor schildert die praktischen Probleme aus Sicht eines Schiffskommandanten: Welches Schiff stoppen? Welches ignorieren? Dürfen Marines ohne vorherigen Schusswechsel boarden? Die Regeln des Einsatzes sind unklar.

Hinzu kommt, dass bereits ein chinesisches Schiff, die „Rich Stari“, die Blockade durchbrochen hat, ohne dass die USA reagiert haben. Eine Konfrontation mit China – das über leistungsstarke U-Boote verfügt – wäre selbstmörderisch.

Macgregor erinnert daran, dass bereits in den 1990er-Jahren Neokonservative wie Richard Perle und Paul Wolfowitz den Nahen Osten als Hebel gegen China betrachteten, doch letztlich gehe es vor allem um die strategische Dominanz Israels in der Region.

Internationale Rechtslage und politische Ordnung

Die internationale Rechtslage ist nach Macgregors Einschätzung hohl geworden. Die USA haben das Konzept einer „liberalen Weltordnung“ selbst aufgegeben – in der Ukraine, im Irak und nun im Persischen Golf.

Xi Jinping sprach von „Dschungelrecht“. Macgregor stimmt zu: Internationale Normen gelten nur, wenn Washington sie durchsetzen will. Die Blockade ohne UN-Mandat unterstreicht diese Doppelmoral.

Militärische Lage und strategische Grenzen

Militärisch ist die Operation nach Macgregors Analyse unhaltbar. Die iranischen Küsten sind mit präzisionsgelenkten Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen übersät. Die Reichweite beträgt 500 bis 800 Kilometer.

Persistente Aufklärung aus dem All und mobile Abschusssysteme machen jeden Schiffsverkehr in der Enge zur Zielscheibe. Macgregor zieht den Vergleich zum Gallipoli-Feldzug 1915: Die britische Marine scheiterte damals nicht an feindlichen Schiffen, sondern an Minen, Küstengeschützen und unzugänglichem Gelände.

Die heutige iranische Verteidigung ist ungleich moderner. Selbst wenn NATO-Verbündete, Japan und Südkorea ihre Flotten schicken würden – was sie nicht tun –, bliebe die Straße nicht zu öffnen.

Um den Persischen Golf wirklich zu kontrollieren, müssten die USA die gesamte Küste und das Hinterland besetzen – ein Unterfangen, das Millionen Soldaten und Jahre dauern würde, ähnlich wie die japanische Expansion im Südpazifik im Zweiten Weltkrieg.

Logistische Überdehnung

Logistisch sind die USA überdehnt. Versorgungsschiffe, Helikopter, kleine Boote und Munitionsnachschub fehlen. Die Marine ist bereits überlastet.

Während der Kämpfe mussten die USA ihre Raketenbestände auffüllen – C-17- und C-5-Transportflugzeuge flogen ununterbrochen. Iran erhält parallel Unterstützung aus Russland und China. Die Pause dient beiden Seiten zum Aufrüsten.

Macgregor warnt: Die Vorräte reichen nur für wenige Wochen intensiver Kämpfe.

Wirtschaftliche Folgen

Wirtschaftlich droht eine Katastrophe. Der Petro-Dollar steht vor dem Ende. Iran fordert bereits Zahlungen in Yuan.

Wenn der Dollar seine dominante Rolle im Ölhandel verliert, bricht die Finanzierung des US-Staatshaushalts über Auslandsnachfrage nach Treasury-Bonds zusammen. Ölpreise sind bereits um 21 Prozent gestiegen – der höchste Anstieg seit 1967 –, Heizöl um 31 Prozent.

Chemikalien, Dünger, Kunststoffe und Mikrochips fehlen weltweit. In Asien stehen Fabriken still. In Europa, besonders in Irland, drohen Dieselknappheit und Lkw-Stillstand.

Macgregor bezeichnet Irland als „Kanarienvogel im Kohlebergwerk“: Dort wird der Mangel zuerst spürbar, dann folgen Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Die Folgen: Zusammenbruch von Lieferketten, Lebensmittelknappheit, steigende Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen, verstärkt durch die hohe Zahl von Migranten, die um knappe Ressourcen konkurrieren.

Kritik an der politischen Führung

Macgregor kritisiert scharf die Entscheidungsfindung im Weißen Haus. Präsident Trump habe keine Experten der Marine konsultiert, sondern einfach befohlen.

Die zweite Phase – Minenräumung, Sicherung der Straße und Eskortierung von Schiffen – sei unter feindlichem Feuer unmöglich. Die Behauptung, 90 Prozent der iranischen Raketen seien zerstört, sei falsch.

Tatsächlich seien noch Zehntausende Drohnen und Tausende Raketen vorhanden, und China und Russland liefern Nachschub schneller als die USA Schiffe versorgen können.

Verhandlungen und geopolitische Dynamik

Die Verhandlungen in Islamabad sind nach Macgregor eine Farce. Die US-Forderungen – Übergabe des angereicherten Urans und vollständiges Verbot der Urananreicherung – verletzen die iranische Souveränität.

Das JCPOA-Abkommen aus der Obama-Zeit wurde von Trump unter Druck der israelischen Lobby aufgekündigt. Nun verlangt Washington mehr als zuvor.

Iran hält die strategische Initiative: Es braucht keine großen Truppenverbände, um die Straße zu kontrollieren. Die Welt wendet sich gegen die USA. Eine Koalition gegen Washington ist denkbar.

Einfluss politischer Netzwerke

Macgregor geht noch weiter: Die eigentliche Triebkraft hinter der Politik sei nicht Trump selbst, sondern die Israel-Lobby und zionistische Milliardäre.

Beim Republikanischen Nationalkonvent 2024 wurde offen „Israel First“ skandiert. Wer in die Regierung wollte, musste sich diesem Primat unterwerfen.

Trump könne keine Niederlage eingestehen – eine Haltung, die er von seinem Mentor Roy Cohn übernommen habe: Nie etwas zugeben, nie scheitern. Deshalb werde die Fiktion aufrechterhalten, obwohl die Realität längst eine andere sei.

Globale Konsequenzen

Die Konsequenzen sind global. Der Übergang von Überfluss zu Knappheit hat begonnen. Wer heute noch glaubt, die USA könnten den Konflikt militärisch gewinnen oder wirtschaftlich durchstehen, ignoriert die Geschichte und die Logistik.

Macgregor schließt mit einem klaren Appell: Präsident Trump müsse als Präsident der Vereinigten Staaten handeln und die Interessen der Amerikaner vor die Israels stellen. Wenn er das nicht könne, solle er zurücktreten.

Die Welt könne den Zusammenbruch des globalen Energiesystems nicht verkraften – und die USA schon gar nicht.

Fazit

Colonel Douglas Macgregor zeichnet ein schonungsloses Bild: Die Blockade der Straße von Hormus ist nicht nur militärisch unhaltbar, sie beschleunigt den Niedergang der amerikanischen Vormachtstellung und treibt die Welt in eine neue Ära der Knappheit.

Ob Washington diese bittere Wahrheit noch rechtzeitig anerkennt, bleibt offen.