14. April 2026

ddbnews.org

produced by ae-radiostation.com

Jede E-Mail ein Spion: So schützt man sein Postfach vor Überwachung

 

Wir leben in einer Welt, in der „Der leise Aufstieg eines umfassenden Überwachungsstaates“ nicht mehr nur eine Warnung ist – sondern Realität. Predictive Policing, Zero-Click-Smartphone-Hacks, gigantische Datensammlungen und behördenübergreifendes Tracking verschmelzen zu einem einzigen, allgegenwärtigen System. Jahre nachdem investigative Journalist*innen wie Whitney Webb Alarm geschlagen haben, beginnt einer der unmittelbarsten Schritte zum Selbstschutz dort, wo viele es nicht erwarten: im Posteingang.

Proton Mail, ein in der Schweiz ansässiger E-Mail-Dienst, bietet einen einfachen Ausweg. Mit dem Easy-Switch-Tool kann man Nachrichten und Kontakte von Gmail oder anderen Anbietern in wenigen Minuten übertragen – ein Neuanfang, ohne sein digitales Leben zu verlieren.

Die meisten unserer digitalen Alltagsaktivitäten basieren auf US-Technologien – doch Bequemlichkeit hat oft ihren Preis. Gmail beispielsweise liest und scannt alle Nachrichten, um Werbung zu personalisieren, KI-Modelle zu trainieren und gibt Daten unter bestimmten Umständen an die US-Regierung weiter.

Proton Mail kehrt dieses Modell um: In der Schweiz entwickelt und durch kostenpflichtige Abonnements statt durch Datenverwertung finanziert, bietet der Dienst verschlüsselte E-Mails, VPN, Passwortverwaltung und Cloud-Speicher. Es gibt auch eine kostenlose Version – ein Beweis dafür, dass Privatsphäre nicht teuer sein muss. Allerdings gibt es wichtige Einschränkungen, auf die wir später noch warnend eingehen werden.

Gleichzeitig zeigt die digitale Landschaft, wie aggressiv Nutzerdaten gesammelt werden. LinkedIn, seit 2016 im Besitz von Microsoft, geriet kürzlich ins Zentrum einer Untersuchung der deutschen Non-Profit-Organisation Fairlinked e.V. Der Bericht mit dem Titel BrowserGate beschreibt einen der weitreichendsten Fälle von unternehmerischer Datenerfassung, die bisher aufgedeckt wurden.

Laut den Ergebnissen scannt ein versteckter Code jedes Mal, wenn einer der rund eine Milliarde LinkedIn-Nutzer die Plattform besucht, den Browser nach installierten Erweiterungen, verschlüsselt diese Informationen und sendet sie nicht nur an LinkedIn, sondern auch an externe Unternehmen – darunter eine US-israelische Cybersecurity-Firma. Dadurch entsteht die Möglichkeit, dass sowohl US- als auch israelische Regierungsstellen indirekt auf diese Daten zugreifen könnten. Nutzer*innen werden weder darüber informiert noch um Zustimmung gebeten, und LinkedIns Datenschutzrichtlinie erwähnt diese Praxis nicht.

In einer Zeit, in der unser digitaler Fußabdruck ständig – oft lautlos – verfolgt wird, ist der Wechsel des E-Mail-Dienstes nicht nur eine Vorliebe. Er ist ein kleiner, aber bedeutender Akt der Selbstbestimmung.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Schweizer Datenschutz

Proton Mail bietet sichere E-Mails mit integrierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) und einer Zero-Access-Architektur. E-Mails werden auf dem Gerät des Absenders verschlüsselt, bevor sie übertragen werden. Im Gegensatz zu Gmail kann Proton den Inhalt von Nachrichten nicht lesen. Vollständige E2EE greift, wenn sowohl Absender als auch Empfänger Proton Mail verwenden.

Der Dienst blockiert automatisch E-Mail-Tracker (wie Spypixel und Tracking-Links), verfügt über Phishing-Erkennung und zeigt keine Werbung – selbst für kostenlose Nutzer*innen. Proton Mail ist über eine Web-Oberfläche sowie Apps für Android und iOS verfügbar.

Migration mit Easy Switch

Easy Switch ist ein integriertes Tool, das es Nutzer*innen ermöglicht, Daten von anderen E-Mail-Konten zu übertragen. Unterstützt werden:

  • Automatische Weiterleitung neuer Gmail-Nachrichten an ein Proton-Postfach, ohne dass Google die Proton-Adresse sieht.
  • Import bestehender E-Mails, Kontakte und Kalender.

Der Importvorgang läuft im Hintergrund auf Proton-Servern, und alle Daten werden bei der Ankunft verschlüsselt. Nutzer*innen können bestimmte Ordner oder Zeiträume auswählen. Easy Switch funktioniert nicht nur mit Gmail, sondern auch mit Outlook, Yahoo und anderen IMAP-kompatiblen Diensten.

Speicherüberlegungen

Die kostenlose Version von Proton Mail enthält bis zu 1 GB Speicherplatz. Neue Nutzer*innen beginnen typischerweise mit 500 MB und können durch ein paar onboarding-Schritte die volle Kapazität erreichen. Für Menschen mit sehr großen Gmail-Archiven könnte dies jedoch nicht ausreichen; es kann helfen, alte Nachrichten in Gmail zu bereinigen, zu löschen oder nur ausgewählte Ordner zu importieren.

Kostenpflichtige Pläne bieten mehr Speicher und zusätzliche Funktionen:

  • Mail Plus: 15 GB Speicher (geteilt mit Proton Drive); 4,99 €/Monat oder 3,99 €/Monat jährlich.
  • Proton Unlimited: 500 GB Gesamtspeicher (über alle Proton-Dienste verteilt); ca. 12,99 €/Monat oder 9,99 €/Monat jährlich.

Bezahlpläne beinhalten außerdem Alias-Verwaltung (Hide-My-Email), Unterstützung für Desktop-Clients via Proton Mail Bridge sowie die Nutzung eigener Domains.

Fazit

Die Fähigkeit der US-Regierung, Google zur Herausgabe von Gmail-Daten zu zwingen, hat viele Nutzer*innen dazu bewegt, nach Alternativen mit stärkeren Datenschutzmerkmalen zu suchen. Proton Mail – mit Sitz in der Schweiz und mit robuster Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – ist eine Option, die man in Betracht ziehen sollte. Das Easy-Switch-Tool erleichtert zudem den Wechsel von Gmail und anderen Anbietern erheblich.

Vorsicht und größerer Kontext

Ein weiteres Schweizer Unternehmen, Crypto AG, wurde jahrzehntelang heimlich von der CIA und dem deutschen BND kontrolliert. Ich habe dies bereits in einem Artikel im CovertAction Magazine beschrieben – einem Magazin, das von ehemaligen CIA-Offizieren gegründet wurde und dessen Redaktionsbeirat auch den Whistleblower John Kiriakou umfasst, der das Folterprogramm der CIA aufgedeckt hat.

Covert Action Magazine’ Schlagzeile (Screenshot Felix Abt)

Crypto AG verkaufte über Jahrzehnte manipulierte Verschlüsselungsgeräte an rund 120 Länder, was US-Geheimdiensten Zugang zu vermeintlich sicheren Kommunikationskanälen verschaffte. Nur Länder wie China, Russland und Nordkorea entgingen der Falle, indem sie eigene Verschlüsselungssysteme entwickelten.

Der Fall zeigt, dass globale Überwachung häufig Schwachstellen in Geräten und Infrastrukturen ausnutzt – nicht nur in Algorithmen. Cybersicherheit ist oft weniger zuverlässig, als viele glauben.

Die Enthüllungen des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden machten zudem das Ausmaß weltweiter Überwachung deutlich. Smartphones können Audio aufzeichnen, selbst wenn sie ausgeschaltet sind, und Haushaltsgeräte – von Fernsehern bis zu Sprachassistenten – lassen sich zu Überwachungsinstrumenten umfunktionieren. Überwachungssysteme wie Palantir sammeln und analysieren riesige Mengen persönlicher Daten, um detaillierte Profile zu erstellen.

Angesichts der anhaltenden Bemühungen der US-Regierung und anderer Staaten, Überwachungsbefugnisse massiv auszuweiten, ist Vorsicht geboten. Es ist unmöglich, mit Sicherheit vorauszusagen, wer Proton Mail in Zukunft kontrollieren wird oder ob der Dienst jemals durch Geheimdienste oder Überwachungs- und Spionageplattformen wie Palantir kompromittiert werden könnte.

Nutzer*innen sollten sich daher bewusst sein, dass kein E-Mail-Dienst – unabhängig von Standort oder technischer Schutzmaßnahmen – vollständig gegen zukünftigen politischen, rechtlichen oder technologischen Druck immun ist.

+++

Felix Abt ist ein in Asien lebender Unternehmer, Reiseblogger und Autor auf Substack: https://felixabt.substack.com

 

https://uncutnews.ch/jede-e-mail-ein-spion-so-schuetzt-man-sein-postfach-vor-ueberwachung/