25. März 2026

ddbnews.org

produced by ae-radiostation.com

Pentagon und Big Tech: Wie die Kontrolle über Satellitendaten die Wahrnehmung des Iran-Kriegs prägt

 

Ein internes Memo, das dem US-Journalisten Ken Klippenstein vorliegt, wirft ein neues Licht auf die Rolle des US-Militärs bei der Steuerung der öffentlichen Wahrnehmung des Krieges gegen den Iran. Demnach koordiniert das Pentagon gemeinsam mit privaten Technologie- und Satellitenunternehmen eine umfassende Strategie, um die Berichterstattung über militärische Operationen gezielt zu formen – und in entscheidenden Punkten zu begrenzen.

Im Zentrum der Vorwürfe steht eine Richtlinie, die laut Bericht am 28. Februar herausgegeben wurde – exakt an dem Tag, an dem die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels auf den Iran begannen. Diese Anweisung richtet sich an kommerzielle Satellitenbetreiber, deren Bildmaterial weltweit von Medien, Forschungseinrichtungen und sicherheitspolitischen Analysten genutzt wird.

Die Vorgaben sind eindeutig formuliert. Betreiber sollen jede Sprache vermeiden, die Rückschlüsse auf die Wirksamkeit militärischer Angriffe zulässt. Begriffe wie „Ziel zerstört“, „eliminiert“ oder „außer Betrieb gesetzt“ sind ausdrücklich untersagt. Ebenso sollen Formulierungen vermieden werden, die den Erfolg oder Misserfolg einer Operation implizieren.

Stattdessen wird eine neutrale, rein beschreibende Sprache vorgeschrieben. Ein Beispiel aus der Richtlinie verdeutlicht die Intention: Während die Aussage „Der Angriff hat die Einrichtung erfolgreich zerstört“ als unzulässig gilt, wird die Formulierung „Die Bilder zeigen, dass die Struktur weitgehend eingestürzt ist, und Trümmer bedecken den Grundriss des Gebäudes“ als konform eingestuft.

Insider berichten, dass nahezu alle relevanten kommerziellen Anbieter diese „beratenden“ Vorgaben erhalten haben. Besonders brisant ist dabei die Marktkonzentration: Rund 100 US-Unternehmen betreiben staatlich genehmigte Aufklärungssatelliten in einem Industriezweig mit einem Volumen von sechs bis sieben Milliarden Dollar. Der Großteil der Einnahmen stammt direkt aus Aufträgen des Pentagon und anderer Bundesbehörden.

Nur wenige Konzerne dominieren den Markt. Unternehmen wie Maxar, Planet, BlackSky und Spire kontrollieren gemeinsam etwa 350 Bildgebungs- und Signalsatelliten. Ihre starke Abhängigkeit von staatlichen Verträgen schafft ein strukturelles Ungleichgewicht, das die Bereitschaft zur Einhaltung solcher Vorgaben erheblich erhöht.

Die Auswirkungen dieser Politik sind offenbar bereits sichtbar. So führte Planet Labs, einer der weltweit führenden Anbieter kommerzieller Satellitenbilder, unmittelbar nach Beginn der Angriffe eine 96-stündige Verzögerung bei der Veröffentlichung von Aufnahmen aus dem Iran ein. Wenige Tage später wurde diese Sperrfrist auf 14 Tage ausgeweitet.

Die Kombination aus sprachlicher Kontrolle und zeitlicher Verzögerung verändert die Dynamik der Kriegsberichterstattung grundlegend. Wenn visuelle Beweise nur verzögert oder in entschärfter Form zugänglich sind, verlieren unabhängige Analysen an Schärfe, während offizielle Narrative an Gewicht gewinnen.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen über die Rolle privatwirtschaftlicher Akteure in militärischen Konflikten auf. Wenn kritische Infrastrukturen der Informationsgewinnung faktisch unter indirekter staatlicher Kontrolle stehen, verschwimmen die Grenzen zwischen unabhängiger Berichterstattung und strategischer Kommunikationslenkung.

Die Enthüllungen deuten darauf hin, dass moderne Kriegsführung längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld entschieden wird – sondern auch in der Kontrolle darüber, was überhaupt sichtbar wird.

 

Pentagon und Big Tech: Wie die Kontrolle über Satellitendaten die Wahrnehmung des Iran-Kriegs prägt