19. März 2026

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Die unterschätzte Eskalation: Warum Unterseekabel im Golf zum nächsten strategischen Ziel werden könnten

 

Während sich die Aufmerksamkeit im Konflikt rund um die Straße von Hormus auf Öl, Schifffahrt und militärische Präsenz richtet, bleibt eine zentrale Verwundbarkeit weitgehend unbeachtet: die digitale Infrastruktur unter dem Meer.

Ein Szenario, in dem Unterwasser-Internetkabel im Persischen Golf oder im Roten Meer gezielt beschädigt werden, wird bislang kaum öffentlich diskutiert. Dabei könnten die Folgen weit über die Region hinausreichen.

Ein unsichtbarer Engpass

Die Datenverbindungen zwischen Europa, Asien und Teilen Afrikas verlaufen zu großen Teilen durch wenige maritime Korridore. Der Persische Golf und das Rote Meer gehören zu diesen kritischen Engpässen. Ein erheblicher Anteil des internationalen Datenverkehrs wird über dort verlaufende Glasfaserkabel abgewickelt.

Diese Infrastruktur ist physisch angreifbar. In der Vergangenheit kam es bereits zu Kabelschäden – meist durch Anker, Unfälle oder regionale Konflikte. Die Reparatur erwies sich regelmäßig als aufwendig und zeitintensiv.

Begrenzte Redundanz

Zwar ist das globale Internet grundsätzlich redundant aufgebaut, doch diese Redundanz hat geografische Grenzen. Fällt ein zentraler Korridor aus, kann der Datenverkehr umgeleitet werden – allerdings zu deutlich schlechteren Bedingungen.

Die Folge wären nicht globale Blackouts, wohl aber:

  • stark erhöhte Latenzen
  • eingeschränkte Kapazitäten
  • instabile Verbindungen in betroffenen Regionen

Besonders anfällig wären Staaten im Golf, deren internationale Anbindung stark von wenigen Routen abhängt.

Regionale Auswirkungen, globale Wellen

Ein Ausfall mehrerer Kabel würde sich zunächst regional bemerkbar machen. In den Golfstaaten könnten zentrale Dienste – von Cloud-Anwendungen bis zu internationalen Kommunikationsplattformen – erheblich beeinträchtigt werden.

Die Auswirkungen würden sich jedoch global fortsetzen:

  • Verzögerungen im internationalen Zahlungsverkehr
  • Störungen in Lieferketten und Logistiksystemen
  • Einschränkungen bei Cloud- und Plattformdiensten
  • Probleme bei Echtzeit-Anwendungen wie Handel oder Luftverkehrskoordination

Die globale Wirtschaft ist auf stabile Datenverbindungen angewiesen – nicht nur auf Energieflüsse.

Reparatur als geopolitisches Problem

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Wiederherstellung beschädigter Kabel. Diese erfordert spezialisierte Schiffe, Zugang zu betroffenen Gebieten und ein Mindestmaß an Sicherheit.

In einem aktiven Konfliktgebiet könnten Reparaturen erheblich verzögert werden. Erfahrungen aus dem Roten Meer zeigen, dass selbst einzelne Schäden Monate zur Behebung benötigen können. In einer militärisch angespannten Lage könnten diese Zeiträume deutlich länger ausfallen.

Eine neue Eskalationsstufe

Ein gezielter Angriff auf Unterseekabel würde eine neue Qualität der Eskalation darstellen. Anders als Angriffe auf Energieinfrastruktur hätte er unmittelbare Auswirkungen auf mehrere Kontinente gleichzeitig.

Zugleich wäre die Attribution – also die eindeutige Zuordnung eines Angriffs – schwierig. Das macht diese Infrastruktur aus strategischer Sicht besonders sensibel.

Fazit

Die Straße von Hormus gilt als neuralgischer Punkt der globalen Energieversorgung. Weniger beachtet wird, dass sie zugleich ein Knotenpunkt digitaler Verbindungen ist.

Sollte dieser Bereich in den Fokus militärischer Strategien geraten, könnte dies nicht nur regionale Konfliktdynamiken verändern, sondern auch die Stabilität globaler Kommunikations- und Wirtschaftssysteme beeinträchtigen.

Die Verwundbarkeit ist bekannt.
Die Konsequenzen sind es bislang nicht.

Quellen:

Internet slowdown: Why the Red Sea’s SMW4 and IMEWE cables matter

Hiden Livelines

Red Sea Cable Cuts Disrupt Connectivity and Expose Global Infrastructure Risks

Internet slowdown: Why the Red Sea’s SMW4 and IMEWE cables matter

To keep the world’s data flowing, countries need to quickly fix broken undersea cables

PEACE Cable Cut in the Red Sea, Repair to be Prolonged

Protecting Undersea Cables and South Korea’s Role