Pentagon lässt KI neue Physik entdecken – nächste Generation von Drohnen und Kriegsmaschinen
Während die Öffentlichkeit über Chatbots und zivile KI diskutiert, arbeitet das US-Militär bereits an der nächsten technologischen Eskalationsstufe: künstliche Intelligenz soll künftig selbst neue physikalische Gesetze entdecken – und diese direkt für militärische Systeme nutzen.
Hinter dem Programm steht die US-Militärforschungsbehörde Defense Advanced Research Projects Agency, die ein Projekt mit dem Namen AutoDIDACTS (Automated Discovery for Designing and Controlling Turbulent Systems) gestartet hat. Ziel ist es, KI-Systeme darauf zu trainieren, aus experimentellen Daten automatisch neue Erkenntnisse über turbulente Strömungen zu gewinnen – eines der komplexesten Probleme der Physik.
Was auf den ersten Blick nach Grundlagenforschung klingt, hat in Wahrheit eine klare militärische Stoßrichtung.
Die Technologie soll vor allem dazu dienen, neue Generationen von Militärsystemen zu entwickeln, die heute an physikalischen Grenzen scheitern. Dazu gehören extrem widerstandsfähige Drohnen, autonome Kampfflugzeuge und Hyperschallwaffen, die auch in chaotischen Luftströmungen stabil bleiben. Gerade kleine militärische Drohnen – sogenannte Micro Air Vehicles – verlieren bei starkem Wind oder in urbaner Umgebung schnell die Kontrolle. KI-gestützte Turbulenzmodelle könnten dieses Problem lösen und damit Drohnen ermöglichen, länger, weiter und präziser zu operieren.
Noch brisanter ist ein zweiter Anwendungsbereich: autonome Flugsteuerung für Kampfsysteme. Militärische Flugzeuge oder Drohnen könnten mithilfe dieser Technologie extrem aggressive Manöver ausführen und trotzdem stabil bleiben – gesteuert von Algorithmen, die schneller reagieren als jeder menschliche Pilot.
Auch Hyperschallprogramme profitieren davon. Raketen und Flugkörper, die mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit fliegen, sind heute extrem schwer zu kontrollieren, weil die Luftströmungen um das Fluggerät chaotisch werden. Eine KI, die Turbulenz physikalisch „versteht“, könnte völlig neue Designs ermöglichen – und damit eine neue Generation von Hyperschallwaffen.
Ein weiterer Bereich betrifft militärische Kommunikation. Laserbasierte optische Kommunikationssysteme gelten als nahezu störungssicher im Vergleich zu Funk. Doch auch hier zerstören turbulente Luftströmungen oft die Signalqualität. KI-gestützte Modelle könnten dieses Problem lösen und damit militärische Kommunikationssysteme schaffen, die kaum noch gestört werden können.
Um diese Technologie zu entwickeln, veranstaltet DARPA sogenannte „Proposers Days“. Dabei werden Wissenschaftler, Universitäten, Start-ups und Unternehmen eingeladen, sich an militärischen Forschungsprogrammen zu beteiligen. Besonders bemerkenswert: Auch internationale Forscher können teilnehmen, sofern sie entsprechende Sicherheitsformulare ausfüllen.
Damit entsteht ein globales Netzwerk von Wissenschaftlern, die an militärischen KI-Projekten arbeiten – oft finanziert durch staatliche Förderprogramme.
Kritiker sehen darin eine gefährliche Entwicklung. Während KI im öffentlichen Diskurs oft als Werkzeug für Wirtschaft oder Medizin dargestellt wird, fließen enorme Ressourcen in militärische Anwendungen. Technologien, die ursprünglich als wissenschaftliche Durchbrüche präsentiert werden, landen am Ende in Drohnen, Raketen und autonomen Waffensystemen.
Die eigentliche Brisanz liegt jedoch in einem anderen Punkt: Wenn künstliche Intelligenz beginnt, selbst physikalische Prinzipien zu entdecken, verändert sich das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie grundlegend. Wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen dann nicht mehr nur durch Forscher, sondern durch Algorithmen, die experimentelle Daten analysieren und daraus neue Modelle entwickeln.
Für das Militär bedeutet das eine dramatische Beschleunigung der Waffenentwicklung.
Der Schritt von der KI-unterstützten Forschung zur KI-entwickelten Kriegsmaschine ist damit nur noch eine Frage der Zeit.
Quellen:
Automated Discovery for Design and Control of Turbulent Systems (AutoDIDACTS) Proposers Day
KI als Waffenschmied: Pentagon startet Programm, das neue Militärtechnologie automatisch entdeckt
