Deutsche Systemmedien geben nicht einmal mehr vor, bürgernah zu sein: Im Duktus eines enttäuschten Lehrers, der mit seinen Maßnahmen nicht die erwünschte Verhaltensänderung bei seinen Schülern erreicht hat, wunderte man sich jüngst beim “Stern”, dass die hohen Spritpreise bei den Deutschen nicht zum Fahrverzicht geführt hätten.
Ein Kommentar von Vanessa Renner
“Obwohl Autofahrer in ganz Deutschland über die hohen Spritpreise klagen, fahren sie offenbar nicht messbar weniger.” So beginnt der Artikel vom 14. März, in dem der “Stern” über eine Tomtom-Analyse von Verkehrsdaten berichtet. Für das Medium scheint das unfassbar: Warum bleiben die Menschen angesichts gestiegener Spritpreise nicht einfach zu Hause? Vielleicht, weil man trotz hoher Spritpreise nicht messbar weniger zur Arbeit fahren muss. Lastenrad und ÖPNV sind eben keine geeigneten Alternativen, sonst bräuchten die Menschen ja kein Auto.
Beim “Stern” will man davon wohl nichts wissen. Obwohl die Spritpreise dank des Irankriegs, der Gier der Konzerne und horrender Abgaben in der Bundesrepublik explodiert sind wie kaum irgendwo sonst, fand man in einer Untersuchung von zurückgelegten Strecken von mehreren Millionen Fahrzeugen keinen relevanten Rückgang der Fahrleistung. Skandalös: “Es wurde sogar noch etwas mehr gefahren”, so der Stern.
Ein Sprecher von Tomtom beschrieb die Ergebnisse: “Unsere Daten liefern keinen Hinweis darauf, dass die Fahrleistung in der Hochpreisphase spürbar zurückgegangen ist. Stattdessen lag sie in den betrachteten Zeiträumen tendenziell höher. Das könnte mit der typischen saisonalen Belebung der Mobilität im Frühjahr zusammenhängen. Falls die höheren Spritpreise überhaupt einen kleinen dämpfenden Effekt hatten, ist er in den Daten jedenfalls nicht erkennbar.“
Der Bericht des “Sterns” fährt regelrecht betrübt fort: “Offenbar reiche der Anstieg der Preise nicht aus, um eine echte Veränderung im Verhalten auszulösen.” Man fragt sich fast, ob man hier einen Wink an die Politik sendet: Wenn die bösen Deutschen endlich vom klimaschädlichen Auto wegkommen sollen, dann müsst ihr die Preise weiter nach oben treiben! Wie wär’s mit einer Verdopplung der ohnehin beispiellos hohen Abgaben?
Abschließend zieht man außerdem einen Vergleich zu Daten aus der Zeit kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs: “Damals hatte sich auch in den auf der Autobahn gefahrenen Geschwindigkeiten kein relevantes spritsparendes Verhalten erkennen lassen.” Komisch, dass die Menschen nicht noch mehr Zeit im Auto verbringen wollten, nicht?
In den sozialen Netzen kam der Bericht des Mediums schlecht an. Ein Nutzer kommentierte trocken: “Und demnächst im Stern: Obwohl die Bürger in ganz Deutschland unter den hohen Lebensmittelpreisen leiden, essen sie offenbar nicht messbar weniger.”
Darauf wiederum kommentierte ein Nutzer: “Aber sie lesen immer weniger Stern. Muss wohl an Schlagzeilen wie dieser liegen.”
Stern wundert sich: Warum fahren Menschen trotz hoher Spritpreise noch Auto?
