3. März 2026

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Chinas Bestände an US-Staatsanleihen erreichen neuen Tiefstand

 

Von Alex Männer

Der gnadenlose Wirtschaftskrieg zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten, der unter anderem seit 2018 vor allem im Handelsbereich ausgetragen wird und mit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump weiter eskaliert ist, verschärft sich zunehmend.

Etwa im globalen Finanzbereich, wo die Chinesen für einen folgenreichen Rückgang bei ihren ausländischen Staatsanleihen in den USA sorgen, der die Amerikaner alarmiert haben dürfte. Laut Angaben des Branchenportal Trading Economics hat China seine Bestände an US-Staatsanleihen in den vergangenen Monaten weiter reduziert, sodass diese im Dezember auf den niedrigsten Stand seit der Zeit der Weltfinanzkrise 2008 gefallen sind. Demnach hielten sowohl die staatlichen als auch die privaten Geldinstitute Chinas Ende 2025 Wertpapiere der USA in Höhe von rund 683 Milliarden US-Dollar. Zur Erinnerung: Im November 2013 markierten diese Reserven einen Höchststand von knapp 1317 Milliarden Dollar.

Offenbar steht dieser Rückgang im Zusammenhang mit der Anweisung der chinesischen Regulierungsbehörden an die privaten Finanzinstitute in China, von weiteren Investitionen in US-Staatsanleihen abzusehen und die Bestände dieser Wertpapiere zu reduzieren. Dieses Vorgehen hat die Führung in Peking offiziell mit der Notwendigkeit begründet, Risiken zu diversifizieren und Vermögenswerte neu zu verteilen. Die staatlichen Bestände Chinas seien davon jedoch betroffen, heißt es.

Diesbezüglich weisen Finanzexperten darauf hin, dass dieser Schritt auch durch politische Überlegungen motiviert sei. Zum Beispiel durch die wachsende geopolitische Rivalität zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften. Daher könnte China das Ziel verfolgen, seine Abhängigkeit von den USA durch die Reduzierung seiner US-Wertpapierbestände weiter zu verringern. Außerdem könnte ein größerer Verkauf zum weiteren Anstieg der Renditen führen, die Finanzierungskosten der US-Regierung erhöhen und den Dollar dadurch zusätzlich belasten.

Allerdings spiegelt der schrittweise Rückzug Chinas aus dem US-Anleihemarkt nicht nur die zunehmenden Spannungen in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen wider, oder die Sorgen der Chinesen vor politischer und wirtschaftlicher Instabilität, die von Washington derzeit ausgehen, sondern in erster Linie eine langfristige Strategie in Bezug auf US-Anleihen. Denn dieser Prozess läuft nicht erst seit dem erneuten Amtsantritt von Trump 2025, sondern begann bereits 2018, nachdem Trump einen Handelskrieg gegen Peking angezettelt und Zölle auf unzählige chinesische Waren verhängt hatte. Im weiteren Verlauf hat die Administration von Joe Biden die US-Investitionen in strategische Sektoren Chinas verboten und etwa umfangreiche Subventionen für die inländische Halbleiterproduktion auf den Weg gebracht, von denen die in den USA tätigen chinesische Unternehmen ausgeschlossen wurden.

Ein weiterer Aspekt, der den Chinesen Sorgen bereitet, ist die westliche Sanktionspolitik gegenüber Russland. Im Rahmen dieser – zumindest fragwürdigen – Vorgehensweise haben Washington und seine Verbündeten einen bedeutenden Teil russischen Gold- und Devisenreserven 2022 eingefroren und damit gezeigt, dass die sich im Westen befindenden Finanzmittel zu jeder Zeit und ohne rechtlichen Grund blockiert werden können. Für die chinesische Führung war damit klar, dass ihre Dollarreserven im Falle einer möglichen Eskalation mit dem Westen ebenfalls blockiert werden könnten. Aus diesem Grund und um ihre Währungsreserven breiter aufzustellen, setzen die Chinesen zunehmend auf alternative Investitionsmöglichkeiten, die viel schwieriger einzufrieren sind. Deshalb greift man bereits seit Jahren massiv zum Goldkauf.

So haben die chinesische Zentralbank sowie die chinesischen Privatanleger in den vergangenen drei Jahren Gold in Rekordmengen erworben. Dadurch konnte die Zentralbank ihre Goldreserven im Januar sogar auf einen neuen Höchststand von 369 Milliarden Dollar beziehungsweise etwa 2.300 Tonnen aufstocken. Allerdings verweist das Portal des Wirtschaftsmagazins Capital diesbezüglich auf eine Schätzung von Analysten der französischen Großbank Société Générale, wonach die tatsächlichen Goldkäufe Chinas die offiziellen Zahlen um das Zehnfache übersteigen dürften.

Des Weiteren wird das sinkende Interesse Chinas bei den US-Investitionen mit den in den vergangenen Jahren deutlich gestiegenen Zinsen in den USA erklärt. Dies hat dazu geführt, dass US-Staatsanleihen weniger rentabel für Investoren wurden. Im Jahr 2020 lag der Leitzins noch bei 0,25 Prozent. Doch seit 2022 hat die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen massiv angehoben, um die Folgen der Coronapandemie und die hohe Inflation zu bekämpfen. Mitte 2023 wurde der Leitzins sogar auf ein unerwartet hohes Niveau von 5,5 Prozent angehoben. Seitdem wurde eine Senkung vorgenommen – inzwischen liegt der Basiswert bei 3,75 Prozent. Im Übrigen gelten die Zinsen für US-Wertpapiere seit jeher als ein zentrales Indiz für die Lukrativität der US-amerikanischen Wirtschaft. Die Tatsache, dass sie zwischenzeitlich so stark gestiegen sind, könnte auch die negativen Erwartungen Anleger hinsichtlich so mancher fragwürdigen politischen und ökonomischen Initiativen Washingtons auf der internationalen Bühne widerspiegeln.

Titelbild: US-amerikanische Flagge und die Flagge der Volksrepublik China © Björn Trotzki/imago images

 

https://alexmaenner1986.substack.com/p/chinas-bestande-an-us-staatsanleihen