Der rote Teppich für einen verurteilten Sexualstraftäter – Wie die Deutsche Bank Jeffrey Epstein zum „Tier-1-Kunden“ machte
Als JPMorgan 2013 die Geschäftsbeziehung mit Jeffrey Epstein beendete, war dessen Vergangenheit längst kein Geheimnis mehr. Die Verurteilung von 2008 wegen Sexualdelikten war dokumentiert, öffentlich, international bekannt. Doch während eine Bank die Reißleine zog, öffnete eine andere die Türen.
Interne E-Mails zeigen, wie Epstein im August 2013 ankündigte, alle seine Konten zur Deutschen Bank zu verlagern. Die Reaktion war enthusiastisch. „Großartig!“ antwortete sein Banker. Wenige Wochen später flossen rund 180 Millionen Dollar. In interner Kommunikation wurde die Beziehung als „Tier-1“ eingestuft – eine strategische Priorität.
Das wirft eine grundlegende Frage auf: Wie wird ein verurteilter Sexualstraftäter zum Spitzenkunden einer global systemrelevanten Bank?
Laut Berichten hätte ein solcher Kunde eigentlich eine verschärfte Reputationsprüfung durchlaufen müssen. Ein spezielles Gremium für Hochrisikofälle existierte. Doch interne E-Mails legen nahe, dass dieser Schritt als nicht zwingend erforderlich betrachtet wurde. Statt Zurückhaltung dominierte Geschäftseifer.
Bis 2018 verwaltete die Deutsche Bank laut Dokumenten und späteren Ermittlungen rund 225 Millionen Dollar an Epstein-Vermögen – verteilt auf Dutzende Konten. Die Geschäftsbeziehung endete erst, nachdem Medienberichte den alten Nichtverfolgungsdeal von 2007 erneut ins öffentliche Bewusstsein rückten und der Druck wuchs.
Brisant ist nicht nur das Volumen. E-Mails zeigen, dass Epstein befugt war, Transaktionen im Umfeld von Leon Black vorzunehmen. Interne Notizen sprechen von weiteren potenziellen Hochvermögens-Kontakten. Epstein wurde nicht als Risiko gesehen, sondern als Türöffner zu noch größeren Vermögen.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Epstein schuldig war – das war gerichtlich festgestellt. Die Frage lautet: Warum überwog der Profit das Reputationsrisiko?
Die Deutsche Bank zahlte später eine hohe Geldstrafe wegen Versäumnissen im Zusammenhang mit Epstein. Doch Geldstrafen sind kalkulierbar. Vertrauen ist es nicht.
Der Fall zeigt ein Muster, das weit über eine einzelne Bank hinausgeht: Wenn Reichtum und Vernetzung groß genug sind, schrumpft die moralische Distanz. Compliance wird zur Formsache, solange die Bilanz stimmt.
Epstein war kein unbekannter Außenseiter. Er war ein verurteilter Straftäter mit enormem Vermögen – und wurde dennoch als Premiumkunde behandelt. Das wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, in der Risiko offenbar relativ wird, sobald genug Kapital im Spiel ist.
Die zentrale Frage bleibt: War es ein Versagen einzelner Banker – oder ein strukturelles Problem eines Systems, das Hochvermögen höher bewertet als Warnsignale?
Deutsche Bank und Epstein: Wie ein verurteilter Sexualstraftäter zum Spitzenkunden wurde
