16. Februar 2026

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Marco Rubios München-Rede entschlüsselt: Imperium, Niedergang und das neue westliche Jahrhundert

 

„Der Westen expandierte fünf Jahrhunderte“

Marco Rubios Münchner Rede und die Rückkehr der imperialen Erzählung

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hielt US-Außenminister Marco Rubio eine Rede, die in ihrer Wortwahl bemerkenswert war – und in ihrer historischen Rahmung politisch brisant.

Rubio erinnerte an eine Epoche, „in der der Westen expandierte“ – fünf Jahrhunderte lang. Missionare, Pilger, Soldaten, Entdecker seien „über Ozeane gezogen“, hätten „neue Kontinente besiedelt“ und „riesige Imperien aufgebaut, die sich über den gesamten Globus erstreckten“.

Diese Formulierung war kein beiläufiger historischer Verweis. Sie war programmatisch.

Denn Rubio stellte den späteren Niedergang dieser Imperien nicht als moralische Korrektur kolonialer Herrschaft dar, sondern als Verlustphase. Die „großen westlichen Imperien“, so sagte er, seien in einen „endgültigen Niedergang“ geraten – beschleunigt durch „gottlose kommunistische Revolutionen“ und „antikoloniale Aufstände“, die den roten Hammer und die Sichel über weite Teile der Welt trugen.

Damit verschiebt sich der Blickwinkel fundamental:
Antikoloniale Bewegungen erscheinen nicht als Emanzipation unterdrückter Völker, sondern als Teil eines ideologischen Angriffs auf den Westen.

„Decline was a choice“

Der zentrale Gedanke der Rede war dieser Satz:

„Decline was a choice.“

Niedergang sei eine Entscheidung gewesen – eine Entscheidung, die man heute erneut ablehnen müsse.

Rubio sprach davon, dass Amerika kein Interesse habe, „höfliche Verwalter des gemanagten Niedergangs des Westens“ zu sein. Stattdessen solle man „die größte Zivilisation der Menschheitsgeschichte erneuern“.

Die Botschaft ist klar:
Der Westen soll wieder dominant, selbstbewusst und machtpolitisch handlungsfähig werden.

Europa, so der Appell, solle sich nicht von „Schuld und Scham“ fesseln lassen, sondern stolz auf Kultur und Erbe sein – bereit, diese „große und edle Zivilisation“ zu verteidigen.

Das ist Wahnsinn. US-Außenminister Marco Rubio hat soeben eine der deutlichsten prokolonialistischen Reden gehalten, die ich im 21. Jahrhundert erlebt habe. Das US-Imperium wünscht sich, dass Europa ihm bei der Rekolonisierung des globalen Südens hilft. Rubio lobte die westlichen Kolonialisten dafür, dass sie „neue Kontinente besiedelten und riesige Reiche aufbauten, die sich über den ganzen Globus erstreckten“. Anschließend beklagte Rubio die Dekolonisierung des globalen Südens und bezeichnete sie als eine finstere kommunistische Verschwörung. Rubio beklagte: „Die großen westlichen Imperien befanden sich im Niedergang, beschleunigt durch gottlose kommunistische Revolutionen und antikoloniale Aufstände, die die Welt verändern und in den kommenden Jahren Hammer und Sichel über weite Teile der Landkarte legen würden.“ Rubio hielt diese Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz, umringt von europäischen Staats- und Regierungschefs, die ihm stehende Ovationen spendeten. Sie waren begeistert von seiner prokolonialen Tirade. Der US-Außenminister betonte, dass sich die nordamerikanischen und europäischen Imperialisten zusammenschließen müssten, um den „gesteuerten Niedergang des Westens“ umzukehren, das „Zeitalter der westlichen Vorherrschaft“ wiederzubeleben und die „größte Zivilisation der Menschheitsgeschichte“ zu erneuern. Dies ist ein unverhohlener Aufruf des US-Imperiums, den westlichen Kolonialismus wiederzubeleben und den globalen Süden (der die globale Mehrheit repräsentiert) erneut zu kolonisieren. Was das US-Imperium Gaza, Venezuela und aktuell Kuba angetan hat, ist das, was es dem gesamten globalen Süden antun will. Dies ist ein Auszug aus dem offiziellen Protokoll, das vom US-Außenministerium veröffentlicht wurde:

Rückkehr zur Zivilisationsrhetorik

Rubios Rede markiert einen ideologischen Bruch mit der post-kolonialen Selbstkritik der letzten Jahrzehnte.

Wo früher von „Vergangenheitsbewältigung“ und „globaler Verantwortung“ gesprochen wurde, ist nun von Expansion, Imperium, Erneuerung und Stärke die Rede.

Die koloniale Epoche wird nicht problematisiert.
Sie wird als Phase westlicher Vitalität beschrieben.

Der Niedergang wird nicht als historische Notwendigkeit oder moralische Korrektur gedeutet, sondern als strategischer Fehler.

Dominanz statt „regelbasierter Ordnung“

Rubio griff auch das Konzept der „regelbasierten internationalen Ordnung“ an – ein Begriff, der seit dem Ende des Kalten Krieges die westliche Außenpolitik prägte.

An seine Stelle tritt ein anderes Leitmotiv:

  • nationale Souveränität
  • strategische Selbstbehauptung
  • industrielle Wiederaufrüstung
  • militärische Stärke

Er sprach offen davon, Marktanteile im Globalen Süden zu gewinnen, Lieferketten unter westliche Kontrolle zu bringen und eine „neue westliche Jahrhundertagenda“ zu entwickeln.

Das klingt weniger nach multilateraler Kooperation – und mehr nach geopolitischem Wettbewerb um Einflusszonen.

Implizite Imperiumsnarrative

Rubio sagte nicht: „Wir wollen Kolonien zurück.“

Aber er sagte:

  • Der Westen expandierte und baute Imperien.
  • Der Niedergang dieser Imperien war negativ.
  • Niedergang ist eine Entscheidung.
  • Jetzt müsse man den Westen erneuern.

Die strukturelle Logik ist offensichtlich:
Expansion steht für Stärke.
Dominanz steht für Vitalität.
Rückzug steht für Verfall.

In diesem Sinne lässt sich die Rede durchaus als Rehabilitierung imperialer Geschichte lesen – nicht als territorialer Kolonialaufruf, aber als ideologische Abkehr vom postkolonialen Konsens.

Europa applaudiert

Bemerkenswert war auch die Szenerie:
Rubio sprach vor europäischen Staats- und Regierungschefs – und erhielt Applaus.

Ob dieser Applaus uneingeschränkte Zustimmung bedeutete oder lediglich diplomatische Höflichkeit war, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die transatlantische Allianz steht vor einer ideologischen Neuformierung.

Eine neue Phase des Westens?

Rubios Rede war kein technokratisches sicherheitspolitisches Statement.
Sie war eine zivilisatorische Grundsatzansprache.

Sie deutet auf:

  • Abkehr vom globalistischen Idealismus
  • Rückkehr zur Machtpolitik
  • Rehabilitierung westlicher Expansion
  • Betonung kultureller Überlegenheit
  • Ablehnung eines „gemanagten Niedergangs“

Ob daraus tatsächlich eine neue hegemoniale Phase entsteht, wird sich zeigen.

Fest steht:
Die Rhetorik des 21. Jahrhunderts wird wieder von Begriffen geprägt, die viele bereits im 19. vermutet hatten – Expansion, Imperium, Zivilisation.

Und genau deshalb wirkt diese Rede für manche wie ein Echo vergangener Epochen.