Bargeld ist Freiheit – und Freiheit ist heute “rechts”. Wer sich also für den Erhalt des Bargelds einsetzt, begibt sich auf dünnes Eis, so scheint es. Hansjörg Stützle hatte eine viel beachtete Petition an die EU zum Bargeld-Schutz gestartet, die Hunderttausende Unterschriften erreichte. Das brachte ihm vom Establishment und dem Finanzsektor einige Kritik ein. Nun hat die Fyrst-Bank, eine Marke der Deutschen Bank, ihm sein Spendenkonto gekündigt.
Der nachfolgende Artikel ist eine Übernahme einer Meldung vom Multipolar-Magazin:
Frankfurt am Main. (multipolar) Der Bargeld-Aktivist Hansjörg Stützle verliert sein Spendenkonto bei der Fyrst-Bank, einer Marke der Deutschen Bank. Stützle ist Initiator einer Petition zum Erhalt des Bargeldes, die bundesweit mediale Aufmerksamkeit erregte. Die Geschäftsverbindung sei „störungsfrei verlaufen“, das Konto immer im Plus gewesen, so Stützle. Die Deutsche Bank äußerte sich auf Multipolar-Anfrage nicht und nannte auch Stützle keinen Grund.
Die im Juli 2024 gestartete Bargeldpetition, die Stützle initiierte, richtet sich an EU-Parlament und EU-Ministerrat. Sie wurde bislang 315.000 Mal unterzeichnet. Ziel ist eine Überarbeitung der geplanten Bargeld-Verordnung. Die Initiative steht dazu laut eigener Aussage im Austausch mit EU-Politikern und Sozialverbänden. Stützle fordert, dass die Annahme von Bargeld durch Unternehmen und staatliche Stellen zwingend vorgeschrieben wird. Zudem sollten laut Petition 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von zwei Kilometern um ihren Wohnsitz Zugang zu Bargeld erhalten.
Wie Stützle gegenüber Multipolar mitteilt, seien die Kosten für die verschiedenen Aktionen im vergangenen Jahr „in den sechsstelligen Bereich gerutscht“. Ohne Spenden gehe es nicht. Bargeld habe „praktisch keine Lobby, während die Finanzindustrie auf europäischer Ebene mit enormen Ressourcen für digitale Zahlungen“ werbe, erklärt Stützle. Der Bargeld-Aktivist trat als Experte im SWR-Fernsehen, im MDR und in der ARD auf.
Die ZEIT veröffentlichte Anfang Januar eine Reportage, in der Stützles Aktivitäten kritisiert wurden. Der Artikel attestierte seiner Initiative besonderen Zuspruch aus dem politisch rechten Spektrum. Eine Gegendarstellung auf Stützles Webseite zeigt auf, dass die „ZEIT“ Einnahmen durch Werbeanzeigen der Kreditwirtschaft erzielt. Stützle kritisiert, Großbanken ließen sich mit Milliardengeldern vom Staat auffangen, seien aber nicht bereit, für jeden Bürger ein Geschäftskonto zu führen. Der langjährige Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring schreibt auf seiner Webseite, der „ZEIT“-Beitrag würde die Positionen von Stützle und seinen Mitstreitern „verfälscht“ darstellen und spricht von einem „unausgegorenen Stück Gegenpropaganda“ der Zeitung. Stützle selbst hält einen Zusammenhang zwischen dem „ZEIT“-Beitrag und der Kontokündigung für möglich.
Im Juli 2025 lief eine Kooperation unter anderem der Deutschen Bank mit Shell aus, die es Kontoinhabern ermöglicht hatte, Bargeld an der Tankstelle zu beziehen. Im Juni 2022 zitierte die „Tagesschau“ einen Manager der Deutschen Bank mit den Worten: „In der Zukunft möchte ich kein Bargeld mehr in den Filialen anbieten“. Auf dem Weltwirtschaftsforum 2016 sagte der damalige Deutsche Bank-Vorstandsvorsitzende John Cryan, Bargeld solle „entmaterialisiert werden“. Cryan war damit einer der Ersten, die einen Ersatz des Bargelds durch eine Digitalwährung forderten.
Multipolar publizierte in den vergangenen Jahren mehrfach über die Hintergründe der steigenden Zahl von offenbar politisch motivierten Kontokündigungen. Eine Chronik listet auch Fälle bei der Deutschen Bank auf: Betroffen waren unter anderem das Medium „Israel heute“, der Blogger Hadmut Danisch, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands und der AfD-Politiker Nicolaus Fest.
Er initiierte eine Petition zum Bargeld-Erhalt: Deutsche Bank kündigt ihm das Konto
