11. Februar 2026

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UK-Biobank-Daten: Hohe Sonnenexposition ist mit deutlichen Reduktionen bei Krebs- und Herz-Kreislauf-Todesfällen verbunden …

 

bei lediglich geringen Zunahmen tödlicher Hautkrebserkrankungen.

Jonathan Engler

Die Studie analysiert Daten von über 400.000 einzelnen Teilnehmern der UK-Biobank-Studie.

Was ist die UK Biobank?

Über die Geschichte der UK Biobank kann man hier nachlesen. Kurz gesagt wurde diese Initiative 2003 durch eine Zusammenarbeit zwischen dem Wellcome Trust und einer Reihe öffentlicher Einrichtungen ins Leben gerufen. Ziel war es, durch langfristige Nachverfolgung und Analyse einer sehr großen Bevölkerungsgruppe (>500.000 Personen) eine frei zugängliche Großdatenquelle zu schaffen, um die Ursachen komplexer Erkrankungen im mittleren und höheren Lebensalter zu identifizieren.

Jeder Freiwillige durchlief zunächst eine ausführliche persönliche Eingangsuntersuchung. Verschiedene Teilkohorten wurden anschließend zu Nachuntersuchungen eingeladen, bei denen eine Vielzahl von Messungen durchgeführt wurde. Alle Teilnehmer stimmten zu, dass ihre individuellen Daten langfristig über das NHS-Datensystem sowie über Krebs- und Sterberegister nachverfolgt werden dürfen.

Hier ist eine Zusammenfassung der geplanten Nachuntersuchungen.

Was haben die Autoren in dieser Studie gemacht?

In der hier zitierten Arbeit versuchten die Forscher (alle von der University of Edinburgh), den Zusammenhang zwischen Sonnenexposition und gesundheitlichen Ergebnissen zu untersuchen.

Die Wissenschaftler entwickelten einen neuen Index zur UV-Exposition, den sie Sun-BEEM-Score (Behavioral and Environmental Exposure Model–UV) nannten. Dieser reichte von 0 bis 4 und setzte sich wie folgt zusammen:

(Die UV-Exposition am Wohnort wurde anhand der Adresse der Teilnehmenden berechnet.)

Die Gesamtpunktzahl wurde in folgende Kategorien übersetzt:

  • Niedrige UV-Exposition: Gesamtpunktzahl 0–1
  • Mittlere UV-Exposition: Gesamtpunktzahl 2
  • Hohe UV-Exposition: Gesamtpunktzahl 3–4

Die Autoren liefern gute Belege dafür, dass der Sun-BEEM-Score tatsächlich die Sonnenexposition widerspiegelt:

  • eine starke statistische Korrelation zwischen den Sun-BEEM-Kategorien und den Serum-Vitamin-D-Spiegeln (also eine Dosis-Wirkungs-Beziehung);
  • ein „biologischer Gradient“ mit einer zunehmenden Häufigkeit von Keratinozyten- (Nicht-Melanom-) Hautkrebsen, die bekanntermaßen primär durch UV-Strahlung verursacht werden.

Zentrale Ergebnisse

Nachfolgend die wichtigsten Resultate. Die Gruppe mit niedriger UV-Exposition dient als Referenzgruppe, mit der die anderen Kategorien verglichen werden. So war beispielsweise eine hohe UV-Exposition mit einem um 16 % geringeren Sterberisiko (Gesamtmortalität) im Vergleich zur niedrigen UV-Exposition verbunden.

Kernaussagen

  • Der Netto-Überlebensvorteil: Während eine höhere Sonnenexposition die Häufigkeit nicht tödlicher Hautkrebserkrankungen (wie Basalzellkarzinome) erhöhte, war sie mit einer deutlich stärkeren Reduktion der Todesfälle durch Herzkrankheiten und innere Krebserkrankungen verbunden.
  • Herz-Kreislauf-Gesundheit: Die Daten zeigten, dass eine hohe UV-Exposition besonders vorteilhaft für die Herzgesundheit war. Die Forscher vermuten als Ursache nicht-Vitamin-D-abhängige Mechanismen, etwa die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, das den Blutdruck senkt.
  • Nicht-Hautkrebs: Höhere Expositionsniveaus korrelierten durchgängig mit niedrigeren Sterberaten durch „innere“ Krebserkrankungen (z. B. Lungen-, Darm- oder Brustkrebs).
  • Das Hautkrebs-Paradox: Interessanterweise führte eine hohe UV-Exposition zwar zu mehr Hautkrebsdiagnosen, jedoch nicht zu einem statistisch signifikanten Anstieg der Hautkrebstodesfälle im Vergleich zur Gruppe mit niedriger Exposition.

Anschließend modellierten die Autoren, wie die Ergebnisse ausgesehen hätten, wenn die gesamte Kohorte entweder einen Lebensstil mit hoher UV-Exposition oder einen Lebensstil mit konsequenter Sonnenvermeidung verfolgt hätte.

Die Resultate sind bemerkenswert:

Im Kern ist eine hohe UV-Exposition mit ziemlich deutlichen Reduktionen bei Herz-Kreislauf- und Krebstodesfällen verbunden – bei dem Preis lediglich eines sehr kleinen Anstiegs von Hautkrebstodesfällen.

Wofür haben die Autoren angepasst, um „gleiche Ausgangsbedingungen“ zu schaffen?

Eine naheliegende Kritik an Beobachtungsstudien dieser Art ist, dass UV-Exposition lediglich ein Stellvertreter für andere gesundheitsfördernde Gewohnheiten oder Lebensstilfaktoren sein könnte.

Beispielsweise könnten Personen mit hoher UV-Exposition häufiger in den (vergleichsweise) wohlhabenderen südlichen Teilen Großbritanniens leben, wo Gesundheit und Gesundheitsversorgung besser sind als im Norden.

Ebenso könnte häufiges Draußensein – und damit mehr Sonnenexposition – einfach ein Indikator für mehr körperliche Aktivität sein.

Um solche Faktoren zu berücksichtigen, verwendeten die Autoren ein Modell, das Anpassungen für eine offenbar recht umfassende Liste möglicher Störfaktoren enthielt.

Es muss jedoch betont werden, dass ein grundsätzliches Problem aller Beobachtungsstudien darin besteht, dass es unbekannte Störfaktoren geben kann, die – weil sie unbekannt sind – nicht berücksichtigt wurden. Beobachtungsstudien zeigen im Wesentlichen Korrelationen, weshalb oft gesagt wird, nur randomisierte Interventionsstudien (bei denen eine Gruppe gezielt anders behandelt und mit einer anderen verglichen wird) könnten Kausalität beweisen.

Dieser puristische Ansatz berücksichtigt jedoch nicht, dass es praktisch – geschweige denn ethisch – unmöglich ist, Studien durchzuführen, die jede plausible Hypothese testen. Manchmal reichen Beobachtungsdaten aus, um bestimmte Hypothesen voranzubringen – etwa Richard Dolls Arbeiten zum Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs.

Es sollte außerdem darauf hingewiesen werden, dass die viel gepriesenen sogenannten „Real-World-Studien“, die zur Unterstützung der Wirksamkeit der „Covid-Impfstoffe“ (insbesondere der Booster) herangezogen wurden, ebenfalls beobachtend waren. Sie verglichen eine Gruppe mit der Neigung, sich impfen zu lassen, mit einer Gruppe, die dies nicht tat – ohne zufällige Zuteilung. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht grundlegend.

Ein Weg, solche Unterschiede statistisch auszugleichen, besteht darin, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Wie oben beschrieben, wurde im Fall dieser UV-Expositionsstudie eine recht umfassende Palette an Faktoren berücksichtigt.

Ein weiterer Punkt, der die Argumentation für einen kausalen Zusammenhang stärkt, ist die Frage, ob es weitere biologisch plausible Beobachtungen gibt, die die aufgestellten Behauptungen unterstützen.

Die Vorteile wurden durch andere plausible biologische Mechanismen gestützt

Die Autoren zeigten Veränderungen zirkulierender Proteine im Blut, die UV-Exposition mit einer geringeren Sterblichkeit in Verbindung bringen. (Dies wurde in einer Untergruppe von etwa 44.000 Personen durchgeführt.)

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die gesundheitlichen Vorteile überwiegend durch Mechanismen entstehen, die weitgehend unabhängig vom Vitamin-D-Signalweg sind. Allerdings wurden diese Messungen nur einmal zu Beginn vorgenommen; um eine kausale Rolle zu belegen, müssten zukünftige Studien Veränderungen über die Zeit hinweg untersuchen.

Fazit

Diese Studie liefert Hinweise darauf, dass eine erhöhte Sonnenexposition deutlich mehr gesundheitliche Vorteile als Nachteile hat.

Der Nutzen einer Reduktion der Sonnenexposition – nämlich eine Verringerung tödlicher Hautkrebserkrankungen – ist tatsächlich recht gering, dennoch wurde ein mächtiges Gedankengebäude rund um das Vermeiden der Sonne und das großzügige Eincremen mit Sonnenschutz aufgebaut.

Vielleicht ist es an der Zeit, diesen Ansatz neu zu bewerten.

 

 

UK-Biobank-Daten: Hohe Sonnenexposition ist mit deutlichen Reduktionen bei Krebs- und Herz-Kreislauf-Todesfällen verbunden …