3. Februar 2026

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Epstein und das World Economic Forum

Freigegebene E-Mails werfen Licht auf informelle Einflussnahme im Programm „Young Global Leaders“

Aus freigegebener E-Mail-Korrespondenz aus dem Jahr 2014 entsteht ein detailliertes Bild davon, wie Jeffrey Epstein sich als Vermittler innerhalb des Netzwerks des World Economic Forum (WEF) präsentierte – insbesondere im Zusammenhang mit dem prestigeträchtigen Programm Young Global Leaders (YGL).

Die E-Mails zeigen, wie Epstein seine persönlichen Kontakte zu einflussreichen Akteuren nutzte, um die Nominierung der deutschen Unternehmerin und Investorin Nicole Junkermann für das YGL-Programm voranzubringen.

Das Young-Global-Leaders-Programm des WEF hat zum Ziel, jährlich eine ausgewählte Gruppe junger, einflussreicher Persönlichkeiten zu identifizieren, auszuzeichnen und miteinander zu vernetzen. Kandidaten werden in der Regel über Nominierungen vorgeschlagen, denen ein Auswahlverfahren folgt. In der vorliegenden Korrespondenz erweckt Epstein jedoch den Eindruck, nicht nur Zugang zu diesem Prozess zu haben, sondern auch Einfluss auf dessen Ausgang ausüben zu können.

Eine gescheiterte Nominierung – und eine bemerkenswerte Zusage

Am 9. Januar 2014 schreibt Junkermann an Epstein, dass sie bereits von zwei Personen für das YGL-Programm nominiert worden sei. Sie fragt ihn ausdrücklich, ob er „ein wenig nachhelfen“ und der Nominierung zusätzlichen Nachdruck verleihen könne.

Einige Wochen später wird deutlich, dass Junkermann in diesem Jahr nicht ausgewählt wurde. Als sie Epstein am 21. Februar 2014 darüber informiert, reagiert dieser auffallend bestimmt:
„Ok, dieses Jahr überlasse es mir. Ich kann es garantieren.“

Mit dieser Aussage suggeriert Epstein, er sei in der Lage, ihre Aufnahme in das Programm im darauffolgenden Jahr sicherzustellen.

Einladung auf Epsteins Privatinsel

Im gleichen Zeitraum erkundigt sich Epstein danach, wo sich Junkermann gerade aufhält, und lädt sie ein, Ende März seine Privatinsel zu besuchen. Kurz darauf bestätigt Junkermann das Vorhaben mit den Worten: „Island good.“

Der zeitliche Zusammenhang zwischen dieser Einladung und Epsteins Zusage, ihre YGL-Nominierung „zu regeln“, wirft Fragen nach der Natur und dem Kontext dieser Kontakte auf.

Larry Summers als Schlüsselfigur

Im Juli 2014 geht Epstein einen Schritt weiter. Er kontaktiert Larry Summers, den ehemaligen US-Finanzminister und früheren Präsidenten der Harvard University, mit der Bitte um einen Gefallen. In einer E-Mail ersucht Epstein Summers um eine zweite Nominierung sowie um eine positive Empfehlung für Junkermann, die er als „sehr gute Freundin“ bezeichnet.

Epstein hebt dabei Junkermanns wirtschaftlichen Erfolg hervor: Sie habe einen Hedgefonds gegründet und damit Hunderte Millionen Dollar verdient. Summers reagiert mit Rückfragen zum YGL-Programm und zur vorherigen Nominierung, stellt jedoch zugleich explizite Fragen zu Junkermanns Intelligenz und ihrem äußeren Erscheinungsbild.

In den folgenden E-Mails bestätigt Epstein, dass das YGL-Programm eine Untereinheit des World Economic Forum ist und dass eine frühere Nominierung von Boris Nikolic stamme, einem früheren Mitarbeiter von Bill Gates, der später mit dem Investor Vinod Khosla zusammenarbeitete.

Summers macht in seinen Antworten mehrfach sexuell konnotierte Bemerkungen über Junkermanns Aussehen und bezeichnet sie unter anderem als „sehr attraktiv“. Epstein reagiert darauf mit dem Hinweis, dass derartige Einschätzungen besser nicht in einer formellen Empfehlung erscheinen sollten. Summers entgegnet anschließend, er glaube, Junkermann von einem früheren Treffen in Gabun zu kennen.

Fragen zur Elitekultur

Die Korrespondenz wirft grundsätzliche Fragen über die Kultur innerhalb elitärer Netzwerke wie dem Young-Global-Leaders-Programm auf. Sie legt nahe, dass persönliche Beziehungen, Reputation und sogar äußere Erscheinung eine Rolle in Empfehlungsprozessen spielen könnten, die offiziell auf Führungsqualitäten, Leistung und gesellschaftlichem Engagement basieren sollen.

Gleichzeitig bieten die E-Mails einen seltenen Einblick in informelle Machtstrukturen und soziale Dynamiken an den Rändern internationaler Elite-Netzwerke – und in die Rolle, die Jeffrey Epstein in diesem Umfeld einzunehmen wusste.