Thomas Kolbe
Donald Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum wurde von den deutschen Medien vor der makellos weißen Kulisse des Davoser Schnees als die personifizierte Verkörperung des Bösen inszeniert. Politiker wie von der Leyen, Merz und Macron dagegen als die „guten“ Gegenpole darzustellen, entlarvt dieses Medienspektakel lediglich als das, was es ist: eine Farce.
Zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und der deutschen Presse hat sich eine Hassliebe entwickelt. Fast jedes Mal, wenn er öffentlich auftritt – was de facto täglich geschieht –, reagieren die Bürokraten in den Redaktionen mit einem Pawlowschen Reflex. Selbst seine Davos-Rede am Mittwoch beim Weltwirtschaftsforum, die trotz der spürbar skeptischen Haltung Europas gegenüber den USA ohne Groll gehalten wurde, löste eine maximale Abwehrreaktion aus.
Den Kontrast herstellen
Der Stern stellt Trump als Isolator des Westens dar, als Machtpolitiker, der in Davos „kleine Brötchen gebacken“ habe, und bezeichnet seine Rede zugleich als eine Bankrotterklärung der NATO. Um den deutschen Kampf gegen Trump offenbar um jeden Preis am Leben zu halten, warnte die Frankfurter Rundschau davor, sich vom moderaten Ton des US-Präsidenten einlullen zu lassen. Die Überschrift martialisch – Trump verkauft sich zuverlässig gut.
Die deutschen Medien irritiert zudem, dass Trump europäische Spitzenpolitiker wie Emmanuel Macron regelmäßig öffentlich der Lächerlichkeit preisgibt. Selbstverständlich schickt auch die Tagesschau ihre Faktenchecker gegen ihn ins Feld. Seine Rede sei angeblich gespickt mit Ungenauigkeiten und Falschaussagen gewesen.
Wenn sie doch nur ebenso genau und aufmerksam wären, wenn Macron, Merz und von der Leyen eine Lüge auf die nächste stapeln – sei es in Bezug auf ihre Innenpolitik, den Zustand der Wirtschaft, den Ukraine-Krieg oder die gescheiterte Energiewende, die Europa inzwischen in eine Armutsspirale treibt.
Dass sich vor unseren Augen ein orwellscher Überwachungsstaat erhebt, maßgeblich von Deutschland unterstützt, beunruhigt deutsche Journalisten ebenfalls nicht. Kurz gesagt: Wir sind die Guten, das Böse sitzt im Weißen Haus. Und wir, die Guten, schützen Europas folgsame Lämmchen lediglich vor dem toxischen Gift patriotischen Geistes, das die Amerikaner mit ihrer virilen Obsession für „Can-do“-Regieren zu injizieren versuchen.
Sie verachten gesunden Patriotismus, einen schlanken Staat, den demonstrativen Kampf für Meinungsfreiheit und den Rückbau des NGO-Molochs – all jene Errungenschaften einer reifen Zivilisation, die der Brüsseler Zentralismus im europäischen Hyper- und Kontrollstaat zum „Gemeinwohl“ auflösen will.
Gemeinsam mit der Politik haben die deutschen Medien ein manichäisches Weltbild etabliert. Jeder überzeichnete Auftritt des US-Präsidenten, der für den europäischen Geschmack schwer verdaulich sein mag, erleichtert lediglich die Tarnung. Die machtpolitischen Interessen der Amerikaner – geprägt durch innenpolitischen Druck, von außen finanzierte Protestwellen, die Fentanyl-Krise und die kostspielige Pax Americana, die Europa stillschweigend akzeptiert – spielen in den strategischen Überlegungen der deutschen Medien keine Rolle.
Man schlägt sich auf die Seite des vermeintlich Guten – jener, die mit Klimaapokalypse, Euro-Protektionismus und dem systematischen Abbau bürgerlicher Freiheitsrechte operieren. Man muss es nur lange genug betonen, den öffentlichen Zorn über die wachsenden Krisen des Landes auf eine Hassfigur projizieren, und schon kann das Mediensystem von seinen eigenen Versäumnissen ablenken. Diese Figur ist Donald Trump.
Wachsende Distanz
Muss man angesichts Europas Migrationskrise und der desaströsen Energiewende Trump nicht recht geben? Die arrogante Herablassung der deutschen Kommentare spiegelt lediglich die Abgehobenheit ihrer politischen Kaste wider. Aus der Perspektive eines deutsch geprägten Euro-Sozialismus werden der amerikanische Geist, die vermeintliche Cowboy-Mentalität und Spontaneität verhöhnt. Zuhören ist nicht mehr gewollt; die amerikanische Position gilt als feindlich und im woken Zeitgeist als moralisch verwerflich.
Ein Reflex so töricht, dass es beinahe körperlich schmerzt, diesem Journalismus zu folgen. Wäre es nicht Aufgabe der Medien, Europas tatsächliche geopolitische Lage und die Herausforderungen durch Energieknappheit und Ressourcenmangel zu erklären?
Die europäischen Staaten täten gut daran, sich an die Amerikaner anzulehnen, Frieden mit Russland zu schließen und zur politischen Vernunft zurückzukehren. Für die Westdeutsche Zeitung jedoch war Trumps Davos-Rede bloße Selbstbeweihräucherung. Er habe Lügen und Verleumdungen über den alten Kontinent verbreitet.
Über allem schwebt die Hoffnung, dass in drei Jahren ein proeuropäischer, globalistischer Präsident Trump beerbt – eine Figur im Stile Barack Obamas, die den roten Faden des Klima-Sozialismus wieder aufnimmt und die Europäer vor ihrem eigentümlichen Isolationismus und dessen Folgen schützt.
Sollte das klima-sozialistische Projekt der EU in absehbarer Zeit kollabieren, wäre eine starke, autonome USA das Ziel einer panischen Kapitalflucht – ein potenzielles Ende des Brüsseler Zentralapparats. Eine Rückkehr in den klima-sozialistischen Stall ließe sich dann nur noch über digitale Währungskontrollen und Kapitalverkehrsbeschränkungen erzwingen, was Europas Angriffe auf Trumps Präsidentschaft erklärt. Dass der ehemalige Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, nun kanadischer Premierminister, sich der europäischen Politik verschrieben hat, verleiht dem US-Versuch, seine Hemisphäre politisch zu kontrollieren, zusätzliche Brisanz.
Das Scheitern von Trumps patriotischem Projekt liegt exakt im Interesse der Euro-Sozialisten. Die deutschen Medien haben über ein Jahrzehnt hinweg mit großem Erfolg das Bild eines erratischen, irrationalen, intellektuell beschränkten Chauvinisten gepflegt. Die ständige Wiederholung identischer Deutungen seines Handelns, deren moralische Bewertung und die dramatische Zuspitzung unter dem Mantra einer regelbasierten Weltordnung haben ein Narrativ geschaffen, das keinerlei Ambivalenz mehr zulässt – rein manichäisch.
Auf der einen Seite: Trump, die Personifikation des Bösen, der mit seinen Zöllen europäische Humanisten in die Enge treibt und nun sogar mit einem aggressiven Landraub in Grönland liebäugelt. Er ist Luzifer im Weißen Haus. Auf der anderen Seite: Licht, das Gute – die EU, das große Friedensprojekt, ursprünglich lediglich ein Bollwerk gegen die Sowjetunion, über Jahrzehnte hinweg neu interpretiert als Klimaretter und letzte moralische Instanz des Westens.
Falsches Spiel
Genau diese Macht hält seit vier Jahren den verheerenden Abnutzungskrieg im Donbass am Leben. Und nicht Trump, sondern europäische Politiker pflanzen den Bürgern mit zunehmend schrillen Tönen über sämtliche Medien hinweg das Gespenst einer unmittelbar bevorstehenden russischen Invasion in Kopf und Seele. Tag für Tag, Woche für Woche wird ein Szenario maximaler Bedrohung beschworen, jede Abweichung moralisch diskreditiert und Verhandlungsbereitschaft als Schwäche – oder gar als Verrat – gebrandmarkt.
Das Massensterben in der Ukraine offenbart Europas ethischen Verfall schonungslos. Darüber hinaus ist eine Eskalation gegen eine Atommacht militärisch aussichtslos, ökonomisch ein Selbstmordkommando und ethisch nicht zu rechtfertigen. Macron, Merz und von der Leyen wissen längst, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist – unabhängig von den Geldern, die in die Ukraine fließen.
Es geht inzwischen nur noch darum, den Bankrott der Ukraine hinauszuzögern, in der Hoffnung auf ein militärisches Wunder – eines, das nur die Amerikaner erzwingen könnten. Und dafür braucht es, wie erwähnt, einen neuen proeuropäischen US-Präsidenten.
Staaten und europäische Banken sind massiv in der Ukraine engagiert. Ein unkontrollierter Zusammenbruch könnte das europäische Finanzsystem so heftig erschüttern, dass selbst die große Schuldenkrise vor 15 Jahren wie ein bloßes Vorspiel erscheinen würde.
Trump strebt weiterhin eine Verhandlungslösung in diesem Konflikt an – was Europas Traum vom Regimewechsel in Moskau und einer kontrollierten Ausbeutung russischer Ressourcen beenden würde, die für die Rekapitalisierung europäischer Staaten und Banken von zentraler Bedeutung sind.
Der manichäische Medieneffekt gegen die amerikanische Politik wird angesichts des wachsenden europäischen Zensurapparats noch gefährlicher. Viele erkennen nicht, dass Trumps Scheitern den letzten einflussreichen Fürsprecher für Meinungsfreiheit, freie Märkte und rationale Deregulierung politisch ausschalten würde.
Es waren Amerikaner – Vizepräsident J. D. Vance und Außenminister Marco Rubio –, die in den vergangenen Monaten wiederholt in Brüssel intervenierten, als die digitale Freiheit auf Plattformen wie X, Telegram und Meta akut bedroht war.
Die Liste der europäischen Verteidiger der Freiheit ist dagegen alarmierend kurz geworden.
Wie deutsche Medien Trump als das Böse und die Davos-Eliten als moralische Retter darstellen
