12. Januar 2026

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Die Geburt einer “islamischen NATO”? Ankara, Riad und Islamabad formen eine Allianz

 

Die Türkei will dem kürzlich zwischen Saudi-Arabien und Pakistan geschlossenen Sicherheitspakt beitreten. In Zukunft könnte daraus eine Art “islamische NATO” entstehen und die geopolitischen Realitäten im Nahen Osten und in Südasien verändern.

Im Nahen Osten und in Südasien gibt es tiefgreifende militärpolitische Entwicklungen. Erst im vergangenen September unterzeichneten Saudi-Arabien und die Atommacht Pakistan einen gegenseitigen Beistandspakt. Wie auch beim Artikel 5 der NATO wird ein Angriff auf eines der beiden Länder auch als Angriff auf das andere Land gewertet. Mit einem potenziellen Beitritt der Türkei würde ein neues Machtdreieck entstehen, welches einen enormen sicherheitspolitischen Einfluss auf die ganze Region hätte.

Die Türkei – immerhin zweitgrößte Militärmacht der NATO – nutzt die Mitgliedschaft in der transatlantischen Militärallianz seit Jahren eher als Verhandlungsmasse denn als Loyalitätsversprechen. Der mögliche Beitritt zu einem explizit nichtwestlichen Verteidigungsbündnis würde diese Entwicklung konsequent fortschreiben. Die Türkei signalisiert damit offen, dass sie ihre Sicherheitsinteressen zunehmend außerhalb des transatlantischen Rahmens definiert. Das ist keine spontane Laune Erdogans, sondern Ausdruck eines langfristigen strategischen Kurswechsels.

Saudi-Arabien liefert dabei Kapital, geopolitisches Gewicht in der arabischen Welt und den Zugriff auf zentrale Energieachsen. Pakistan bringt etwas ein, das in der islamischen Welt einzigartig ist: nukleare Abschreckung und eine große, kampferprobte Armee. Die Türkei wiederum ergänzt das Paket mit moderner Militärtechnik, Drohnenkriegsführung, realer Einsatzerfahrung in Syrien, Libyen und im Kaukasus sowie einer rasant wachsenden Rüstungsindustrie.

Die Bildung einer solchen “islamischen NATO” als kollektiver Beistandspakt würde die eigenen Interessen – und zwar kompromisslos – vertreten, während die westlichen Werte und Interessen hier keine Rolle spielen. Ein solches Bündnis hätte auch gravierende Auswirkungen auf die Sicherheitspolitik Israels, des Irans und Indiens, die besonders im Fokus der drei Länder stehen.

Und dann ist da noch die NATO selbst. Wenn mit der Türkei ein NATO-Mitglied parallel Teil eines externen Beistandspakts mit einem nuklear bewaffneten Staat (Pakistan) wird, stellt dies auch die Bündnislogik in Frage. Ankara würde damit faktisch mehrere Sicherheitsgarantien übereinanderlegen – je nach Lage und Vorteil. Mehr noch verdeutlichen die türkischen Bemühungen, dass sich Ankara zusehends vom Westen abwendet und sich sicherheitspolitisch neu orientiert.

Angesichts dessen, dass die NATO bereits jetzt interne Differenzen (u.A. wegen der Ukraine und in Bezug auf Grönland) zwischen den Vereinigten Staaten auf der einen und den Europäern und Kanada auf der anderen Seite aufweist, ist diese Entwicklung an der südöstlichen Peripherie eine zusätzliche Belastung. Heute, rund 35 Jahre nach der Auflösung des Warschauer Paktes, könnte auch das verbleibende Relikt des Kalten Krieges, die NATO, ihr eigenes Ende einläuten.

 

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