Deutschland fällt im neuen Weltbank-Ranking nach Kaufkraftparität auf Platz sechs zurück – sogar Russland liegt weiter vorne. Wie konnte das passieren?
as neue Juli-Update der Weltbank zeigt: Deutschland ist 2024 im Ranking der größten Volkswirtschaften nach Kaufkraftparität (Englisch: PPP) von Platz fünf auf sechs zurückgefallen. Laut aktuellen Zahlen betrug das PPP-BIP Deutschlands rund 6,04 Billionen US-Dollar. Japan platzierte sich mit etwa 6,41 Billionen US-Dollar knapp davor.
Die Kaufkraftparität misst die reale Kaufkraft einer Volkswirtschaft und erlaubt es, Länder realistischer miteinander zu vergleichen als das nominale Bruttoinlandsprodukt. Dabei berücksichtigt PPP Unterschiede im Preisniveau und den Lebenshaltungskosten – kurz gesagt, sie zeigt, wie viel sich ein Durchschnittsbürger in jedem Land leisten kann.
Kaufkraft: Deutschland fällt zurück – Japan zieht vorbei
2023 hatte Deutschland noch den fünften Platz inne – damals lag das Land mit einem PPP-BIP von rund 5,75 Billionen US-Dollar knapp vor Japan. Obwohl die deutsche Wirtschaft 2024 real um 0,2 Prozent geschrumpft ist, erscheint das PPP-BIP im Weltbank-Ranking dennoch höher als im Vorjahr. Dies liegt nicht an tatsächlichem Wachstum, sondern unter anderem an Inflationseffekten und Veränderungen der Wechselkurse zwischen Euro und Dollar.
Lebenshaltungskosten steigen weiter – Druck auf Haushalte wächst
Dieser Abstieg auf Platz sechs verdeutlicht jedoch eine tiefere Problematik: Deutschlands steigende Lebenshaltungskosten schmälern zunehmend die reale Kaufkraft der Bürger und machen das Leben im internationalen Vergleich immer teurer. Laut Statistischem Bundesamt erreichte die Inflation im Jahresdurchschnitt 2024 nach den höheren Anstiegen in der Vergangenheit etwa 2,5 Prozent. Besonders in Großstädten wie Berlin, Hamburg, München und Köln haben sich Dienstleistungen und Wohnkosten deutlich verteuert und belasten die Haushalte zunehmend. Allein in Berlin stiegen die Mieten zwischen 2022 und 2024 laut dem IW-Wohnindex um 27 Prozent.
Das Weltbank-Ranking nutzt für seine Berechnungen international harmonisierte Daten des International Comparison Program (ICP), darunter Verbraucherpreise, Einkommen, Wechselkurse und Konsumausgaben. Die Vergleichsbasis bilden standardisierte internationale Warenkörbe, sogenannte „PPP-Baskets“, die definierte, vergleichbare Güter und Dienstleistungen enthalten. Zwar entspricht der jetzige Rang sechs der Position Deutschlands vor der Corona-Pandemie, dem Ukrainekrieg und der Energiekrise, doch der erneute Abstieg zeigt, dass Deutschland in den vergangenen Jahren keine nennenswerten strukturellen Fortschritte erzielen konnte.
Diese anhaltende Preissteigerung mindert nicht nur die reale Kaufkraft der Bürger, sondern verschlechtert auch die Wettbewerbsposition Deutschlands im internationalen Vergleich nachhaltig. Auch laut den aktuellen Daten des IWF World Economic Outlook (April 2025) belegt Deutschland auf Grundlage der Kaufkraftparität (PPP) weiterhin nur Platz sechs weltweit.
China vorne, Russland auf Platz vier – trotz Sanktionen und Inflation?
Vor Deutschland im Ranking der Weltbank liegen China (38,19 Billionen US-Dollar), die USA (29,18 Billionen), Indien (16,19 Billionen), Russland (6,92 Billionen) und jetzt auch Japan. Laut der Weltbank überholte China die USA erstmals 2014 und führt das Ranking seither deutlich an. Besonders auffällig ist die konstant hohe Platzierung Russlands auf Rang vier. Trotz sehr hoher Inflation von mehr als neun Prozent im letzten Jahr, der teilweise effektiven westlichen Sanktionen und anderer negativer Auswirkungen der Invasion der Ukraine weist Russland auch 2024 scheinbar eine starke Kaufkraft auf.
Der Buchstabe „h“ bei Russlands PPP-Wert in den Weltbank-Daten deutet jedoch auf die Verwendung historischer oder geschätzter Daten hin, die möglicherweise die reale wirtschaftliche Situation und Kaufkraft der Bevölkerung überschätzen. Außerdem spiegelt das PPP-BIP lediglich die relative Kaufkraft und nicht den Wohlstand, die tatsächliche Lebensqualität oder die Armut in Russland wider.
Deutschlands Rückfall von Rang fünf auf sechs ist zwar nicht dramatisch, verdeutlicht aber erneut, dass der Standort im internationalen Vergleich unter Druck gerät. Ein wesentlicher Grund dafür sind die steigenden Lebenshaltungskosten, insbesondere beim Wohnen. Genau hier muss die Merz-Regierung jetzt handeln – statt bisher hauptsächlich Mietkürzungen für Bürgergeldempfänger zu fordern. Denn die Hauptursache hoher Mietpreise bleibt weiterhin die Wohnungsknappheit.
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/neue-weltbank-daten-belegen-leben-in-deutschland-wird-immer-teurer-li.2340019#Echobox=1752744193-1